Schlagwort-Archiv: Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze

Neuer DFB-Strafenkatalog

Wie der SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe berichtet, verschärft der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zum 1. Januar 2014 seine Stadionverbotsrichtlinien gegen Fußballfans jeder Provenienz.

So werde in anderthalb Monaten “nach den verschärften Richtlinien, die eine Arbeitsgemeinschaft unter Beteiligung von Fanprojekten und Vereinen formuliert hat, das Höchstmaß für Stadionverbote in deutschen Spielstätten der ersten bis vierten Liga von drei auf fünf Jahre ausgedehnt”.

(Foto: wikipedia.org)

Dem SPIEGEL vorliegenden Papier zufolge sollen “Hausverbote von einem, zwei oder drei Jahren bei Gewalt, Verwendung von Pyrotechnik oder verfassungsfeindlichen Umtrieben” nach wie vor Anwendung finden. Weiter heißt es, ein “Fünfjahresausschluss kann bei besonders schweren Vergehen gegen Wiederholungstäter verhängt werden”.

“Der DFB übermittelt gemäß dem Beschluss einmal wöchentlich der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) sowie der Bundespolizei die Namen der ausgesperrten Fans. Vor Spielen der deutschen Nationalmannschaft wird wie bisher eine Namensliste an die internationalen Verbände Uefa und Fifa weitergegeben” [DER SPIEGEL, # 47, 18. November 2013].

Sachsens Fußballfans besonders aggressiv?

Erst gestern veröffentlichte die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) ihre neuen Zahlen für die letzte Spielzeit. Demnach wurden in der 1. und 2. Bundesliga nach ZIS-Angaben in der abgelaufenen Saison insgesamt 788 Menschen verletzt, 345 weniger als im Jahr davor. Zudem ging laut der ZIS die Zahl der Strafverfahren im Umfeld der Partien zurück. Demnach wurden 6502 Verfahren eingeleitet, das bedeutet im Vergleich zur Spielzeit 2011/2012 ein Rückgang von rund 20 Prozent.

Ganz anderes sehen jedoch die Zahlen im ostdeutschen Bundesland Sachsen aus. Denn dort sehen sich Polizisten zunehmend Hass und Gewalt ausgesetzt. 2012 gab es in Sachsen insgesamt 1269 Angriffe auf Polizisten, 128 mehr als im Jahr zuvor. Das entsprach nach Angaben des Innenministeriums einer Steigerung von mehr als 11 Prozent. In den meisten Fällen leisteten Bürger Widerstand gegen Beamte im Einsatz.

Es gab dabei 156 gefährliche und 77 einfache Körperverletzungen. Die meisten Gewaltdelikte gegen Polizisten wurden in Leipzig, Dresden und Chemnitz registriert. Aber auch in Zwickau, Görlitz und Aue war eine Häufung zu verzeichnen – eine Ursache in Aue sind Ausschreitungen beim Fußball, so die aktuellen Infos auf der Website Ultrafans.de. 2360 Beamte waren von Übergriffen betroffen, darunter 290 Frauen. 441 Polizisten wurden leicht verletzt, vier sogar schwer.

Die ZIS in der Kritik: Das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen hat im September 2013 eine einstweilige Anordnung gegen das Land Nordrhein-Westfalen erlassen und verpflichtet, den Jahresbericht 2011/2012 mit sofortiger Wirkung zu ändern. Hintergrund war die Darstellung einer Person als “Gewalttäter”, der bisher nicht wegen einer Gewalttat aufgefallen war.

[ab]

Fundstück des Tages # 341 [Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze, Zweifel]

In loser Folge dokumentiert Ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist schon einiges postulieren, dabei ihrerseits selbst sprechen oder eben einfach nur Geschichten zu erzählen scheinen, mitunter aus der kürzeren Vergangenheit oder auch aus der zur Stunde so gehändelten Gegenwart; vielleicht einige dahingehend bereits vormalig bezügliche Publikationen bei Ostfussball.com durchaus irgendwie ergänzend

(Foto: Ostfussball.com)

(…) Und ganz nebenbei hat die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) gestern [12. September] eine schwere Niederlage hinnehmen müssen. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) für das Land Nordrhein-Westfalen hat der ZIS verboten, den Jahresbericht 2011/12 unverändert weiter zu veröffentlichen (…)

Quelle im vollständigen Original -> “Bad Düben nun Übungsbahnhof der Polizei im Kampf gegen Fußballfans”, Ostfussball.com, 13. September 2013

(…) Doch das Oberverwaltungsgericht geht noch weiter und hat offenbar grundlegende Zweifel an der Rechtmäßigkeit der jährlichen ZIS-Berichte. Denn das Gericht stellt in seinem Urteil fest, dass (…) auch “erhebliche Zweifel” daran bestünden, “ob die Rechtsgrundlagen der Gewalttäterdateien” überhaupt “zur Veröffentlichung darin verzeichneter Eintragungen ermächtigen”. Damit steht nach Auffassung von Fananwälten die Publikation des Berichts insgesamt in Frage, soweit er Zahlen der Datei “Gewalttäter Sport” veröffentlicht (…)

(…) Die Behörde sei verpflichtet, wahrheitsgemäß und zurückhaltend zu berichten (…) Der jetzige Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes ist bis zur Entscheidung im Hauptverfahren nicht anfechtbar (…)

Quelle im vollständigen Original -> “Das Jägerlatein des Roten Sheriffs”, publikative.org, 13. September 2013

Fundstück des Tages # 322 [Fußballfans im Fokus der Überwachung]

In loser Folge dokumentiert Ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist schon einiges postulieren, dabei ihrerseits selbst sprechen oder eben einfach nur Geschichten zu erzählen scheinen; mitunter aus kürzerer Vergangenheit, der Gegenwart oder vielleicht auch aus näherer Zukunft, dabei vielleicht sogar in teilweiser Ergänzung einiger dahingehend bereits vormalig bezüglicher Publikationen bei Ostfussball.com

(Foto: Ostfussball.com)

(…) Der Aufwand, den die Polizei betreibt, um Fußballfans zu überwachen, nimmt mittlerweile Ausmaße wie in einem Überwachungsstaat an. Zu jedem Spiel der 1., 2. und 3. Liga werden die Anfahrtswege der Auswärtsfans ausgeforscht und diese Daten gesammelt. Zehntausende Fans der Kategorie A stehen somit jede Woche im Fokus (…)

Zu jedem Spieltag erstellt die “Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze” der Polizeibehörden, die in Nordrhein-Westfalen angesiedelt ist, sogenannte “Vorauslage”-Berichte für die bundesweite Planung polizeilicher Einsatzkonzepte bei Fußballspielen. Die ZIS koordiniert sich dabei mit den Polizeibehörden am Spielort, den in jedem Bundesland etablierten Landesinformationsstellen Sporteinsätze (LIS), der Informationsstelle Sporteinsätze beim Bundespolizeipräsidium Potsdam (BPolP-IS), sowie  internationalen Partnerdienststellen.

Die [Publikative.org] vorliegenden Berichte offenbaren eine erstaunliche Sammel- und Erfassungswut der Behörden im Hinblick auf die Anreisewege von Fußballfans zu den Spielorten. Vor allem aber werden mehrheitlich Fans in den Lageberichten erfasst, die selbst nach Einschätzung der Polizei zur “Kategorie A” gehören – also noch nicht mal “anlassbezogen” als gewalttätig einzustufen sind (…)

Wenn man sich vorstellt, dass die Publikative.org vorliegenden Vorauslage-Berichte zu allen Fußballspielen der drei höchsten deutschen Spielklassen erstellt werden, bedeutet dies jedes Wochenende eine Erfassung der geplanten Reisebewegungen hunderttausender Menschen. Vor allem aber geben Busunternehmen republikweit offenbar systematisch die Daten ihrer Kunden präventiv an die Polizei weiter – oder sie werden systematisch dazu genötigt. Eine durchaus fragwürdige Praktik in einem Land, in dem Reisefreiheit zu denjenigen Grundrechten gehört, für das ein Teil der Bevölkerung vor nicht allzu langer Zeit noch zu Hunderttausenden auf die Straße gegangen ist (…)

Außerdem stellt sich natürlich die Frage, wie die Polizei an diese Information gelangt ist (…) haben die Innenbehörden verschiedener Bundesländer bislang zwar eingestanden vereinzelt V-Leute in Fußball-Fanszenen einzusetzen, es hieß jedoch stets, man beschränke sich dabei auf bekannte, besonders gewalttätige Gruppen, die in der Vergangenheit bereits schwere Straftaten verübt hätten (…)

Insgesamt strotzen die Publikative.org vorliegenden Lageberichte nur so von fragwürdigen polizeilichen Aufklärungsmaßnahmen im Vorfeld von Fußballspielen, die zum weit überwiegenden Teil völlig friedlich verlaufen (werden). Ausführlich werden Bahnverbindungen, und -buchungen, Reisebusbuchungen, Autokennzeichen, Fanclubs und  Ultra-Gruppen genannt, deren Anreisewege ausgeforscht und im Vorfeld überwacht. Verbunden damit sind Zuschreibungen an bestimmte Personengruppen bezüglich ihres vermeintlich zu erwartenden Verhaltens. Auffallend ist dabei, dass die weitaus überwiegende Mehrheit der von der Polizei sorgfältig beobachteten Fans selbst in diesen Lageberichten als friedlich eingestuft werden – was sie aber dennoch keineswegs vor einer systematischen Erfassung schützt.

Im Hinblick auf die Reisewege der Fans der Kategorien A und B scheint die polizeiliche Lageaufklärung auch wesentlich besser zu funktionieren als im Hinblick auf diejenigen der Kategorie C. Zu letzteren schweigen auffallend viele der jeweils spielbezogenen Berichte. Dies kann auch nicht verwundern, da die Angehörigen dieser polizeiliche Kategorie das mit Abstand größte Interesse an einer konspirativen Anreise haben. Das Ergebnis aber wird verstörend und paradox zu gleich: Diejenige Gruppe, die polizeilich das größte Problem darstellt, erfreut sich offenbar der schlechtesten polizeilichen Aufklärung. Stattdessen aber werden haufenweise harmlose Kategorie A Fans systematisch erfasst und ausgeforscht. Zu bedenken ist: Diese Menschen haben sich verabredet, um gemeinsam zu einem Fußballspiel anzureisen – und nicht, um Banken zu überfallen, Bomben zu legen oder Migranten zu erschießen.

Quelle im vollständigen Original -> “Daten-Sammelwut: Polizei forscht Fußball-Fans aus”, publikative.org, 17. Mai 2013

BFC Dynamo: Diffamierung durch die BILD-Zeitung

‘Angst, Hass, Titten und Wetterbericht’ – nein, gestern gab es zur Abwechslung eine Gewalt-Tabelle der Bundesliga, bezugnehmend auf eine angeblich geheime Akte der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), als Headline in der BILD-Zeitung zu finden (Ostussball.com informierte). Nach Angaben der “Bild” ist die Frankfurter Eintracht keineswegs der gefährlichste Verein in Deutschland. Beim Fünftligisten Berliner FC Dynamo habe die Polizei 760 gewaltbereite und gewaltsuchende Fans gezählt.

(Foto: ultras.ws)
In einer ersten Stellungnahme gab man sich gestern doch sehr verwundert, so BFC-Präsident Norbert Uhlig (53): “Es ist schon eigenartig, wenn es angeblich mehr gewaltbereite Fans bei uns geben soll, als wir Zuschauer haben. Ich kenne die Statistik noch nicht, aber ich werde mich mit der Polizei in Verbindung setzen.”

Doch heute meldete man sich dann aus Berlin mit deutlich schärferen Worten –

(…) Nach Rücksprache mit den zuständigen Behörden weist der BFC Dynamo die Anschuldigungen im Bericht der BILD-Zeitung vom 21. November 2012 entschieden zurück! Die dort erwähnten Zahlen und Fakten sind falsch und entsprechen nicht den Tatsachen. Der Vorstand des Vereins hat sich umgehend mit der zuständigen Senatsverwaltung für Inneres und Sport in Verbindung gesetzt. Auch von dort sind die in der Bild-Zeitung veröffentlichten Zahlen nicht bestätigt worden. Auch gab es seitens der BILD-Zeitung keine Anfrage an die Senatsverwaltung, so dass der Bericht nur als populistisch bezeichnet werden kann. Allen mit “Fußballgewalt” befassten Behörden ist bekannt, dass der BFC Dynamo in Form seines Vorstandes vielfältige Bemühungen unternommen hat und unternimmt, um Gewalt im Zusammenhang mit Fussball zu verhindern. Die positive Arbeitsweise des Vereins und die dabei erzielten Erfolge sind auch in den letzten Jahren mehrfach von den Verbänden und den behördlichen Organen bestätigt worden. Der BFC Dynamo behält sich vor, gegen derartig diffamierende Aussagen juristisch vorzugehen und wird prüfen, ob gegebenenfalls durch solche Berichte entstehenden Schäden geltend zu machen (…) [bfc-dynamo.de]

Datei “Gewalttäter Sport” – open end?

Im Zuge der nach wie vor fast allgegenwärtigen Diskussion “Sicheres Stadionerlebnis” (Ostfussball.com berichtete mehrfach) publizierte WDR.de Ende Oktober dieses Jahres ein Glossar, in dem “die wichtigsten Begriffe in der seit Monaten laufenden Gewaltdiskussion” erklärt worden sind, so beispielsweise –

Die Datei “Gewalttäter Sport” besteht seit 1994. Von der nordrhein-westfälischen Polizei begründet, werden in dieser Datei alle bundesweit durch Gewalt und andere Verstöße aufgefallenen Fußballfans erfasst. Neben Straftätern werden laut NRW-Polizei “auch die Daten von Personen gespeichert, gegen die von der Polizei Personalienfeststellungen, Platzverweise und Ingewahrsamnahmen angeordnet wurden, wenn bestimmte Tatsachen die Annahme rechtfertigten, dass sich diese Personen zukünftig im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen an Straftaten von erheblicher Bedeutung beteiligen werden”. Fanorganisationen halten dies für eine unzulässige Kriminalisierung. Nach Angaben des NRW-Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) sind laut letzter Zählung aus dem Dezember 2011 insgesamt etwa 13.000 Personen in der Datei gespeichert.

“13.032 Personen in Deutschland sind in der Datei ‘Gewalttäter Sport’ des Bundeskriminalamts erfasst”, berichtete Ostfussball.com Anfang April mit Bezug auf Angaben aus DER SPIEGEL vom 26. März 2012.

(Foto: Ostfussball.com)

Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) sorgt seit 20 Jahren – so ist offiziell zu lesen – “durch ihre bundesweite sowie internationale Arbeit für mehr Sicherheit im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen”. Zu den Aufgaben der ZIS im Inland gehören unter anderem “Anfragen, Datenpflege, Qualitätssicherung und rechtlicher Rahmen der ‘Datei Gewalttäter Sport'”.

Im April 2010 wurde durch das Verwaltungsgericht Karlsruhe eine fehlende rechtliche Grundlage der so genannten “Hooligan-Datei” festgestellt. Das niedersächsische Oberverwaltungsgericht bezeichnete außerdem deren bereits zehn Jahre zurückliegende Einrichtung als illegal, da das Informationssystem auf keiner klaren Rechtsgrundlage beruhe (heise.de, 4. Juni 2010). “(…) man muss nicht unbedingt Hooligan sein, um in die Datei aufgenommen zu werden (…) wessen Personalien (…) einmal im Rahmen der ‘Gefahrenabwehr’ kontrolliert worden sind, findet Eingang in die Datei ‘Gewalttäter Sport’ und sieht sich strafrechtlicher und zivilrechtlicher Anfeindung ausgesetzt” – “Schlimmer geht es nimmer! Dieses System lässt jedem Datenschützer die Haare zu Berge stehen!”, wurde zudem schon vor geraumer Zeit auf anwalt.de resümiert.

Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze veröffentlicht – so ist auch zum Aufgabenfeld für das Inland offiziell zu lesen – im Nachgang jeder Saison einen so betitelten ‘Jahresbericht Fußball’. Der aktuelle ZIS Jahresbericht 2011/12 wurde nunmehr publiziert  – “gut drei Wochen vor der angestrebten Verabschiedung des viel diskutierten Sicherheitskonzeptes der Deutschen Fußball Liga” (welt.de). Gibt es, fragen wir mal – ein gutes Jahrzehnt zurückblickend – noch Fragen, oder eher schon vorausschauende Antworten?

[om]

“Mehr Gewalt beim Fußball” vs. “Ich fühle mich sicher”

Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) veröffentlichte gestern ihren Bericht für das vergangene Spieljahr 2011/2012. Die vorgelegten “Rekordzahlen” der Polizei erschrecken dabei in erster Hinsicht bei den zahlreichen Verletzten unter den Unbeteiligten, mehr als die Hälfte sollen dabei zu Schaden gekommen sein –

(…) So gab es laut ZIS mit 1.152 Verletzten 35 Prozent mehr als im Vorjahr, da waren es 846. Mehr als die Hälfte der Verletzten waren Unbeteiligte oder Sicherheitskräfte. Um fast 40 Prozent auf 8.100 Fälle stiegen die Strafverfahren. Damit sind unter anderem Körperverletzungen, Sachbeschädigung, Landfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gemeint. Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz – Stichwort Pyrotechnik – nahmen um 77 Prozent zu. Die Zahl gewaltbereiter Fans stieg um 17 Prozent auf jetzt 11.373 Personen. Die Polizei musste deshalb rund 20 Prozent mehr Arbeitsstunden bewältigen (…) [ZIS]

Im Gegensatz zu dieser Meldung fühlen sich die Stadionbesucher jedoch sehr sicher. Bereits 50.000 User haben sich auf der Website “Ich fühl’ mich sicher!” angemeldet und zeigen damit der Medienberichterstattung über angebliche Gewalt und Anarchie im Fußball die rote Karte (Ostfussball.com berichtete). Die vermehrten Diskussionen um Gewalt beim Fußball offenbaren eine große Diskrepanz zwischen der subjektiv empfundenen Sicherheit der Stadionbesucher und der in den Medien und von der Politik vermittelten Unsicherheit.

Polizei setzt Pfefferspray gegen Dresdner Ordner ein –

Nicht selten werden durch ähnlich übermotivierte Polizeieinsätze wie im Video aber ebenso unschuldige Frauen und Kinder im Umfeld von Fußballspielen verletzt. Auch diese fallen nun in jene Statistik, welche uns anschaulich darstellen soll, wie gefährlich doch so ein Gang in ein Fußballstadion im Jahre 2012 sein soll.

Und so zeigen die nackten Zahlen leider auch nur die halbe Wahrheit – denn wieviele Verletzte es durch Pfefferspray-Einsätze seitens der Polizei tatsächlich gegeben hat, wird uns leider an dieser Stelle durch die Zentrale Informationsstelle vorenthalten. Fakt ist, es dürften aber etliche friedliche Fußballfans gewesen sein …

In vielen europäischen Ländern, wie zum Beispiel Belgien, Niederlande, Norwegen, Finnland oder auch Griechenland, ist der Einsatz des Reizstoffsprühgeräts wegen enormer gesundheitlicher Schäden verboten. Hierzulande sollte man angesichts dieser (inoffiziell?) erschreckenden Vorfälle ebenfalls auch endlich über ein entsprechendes Verbot nachdenken.

[ab]

Ostfußball: Wir fühlen uns sicher!

Seit meheren Monaten überschlagen sich die Diskussionen und Berichte und wir stehen staunend daneben: Angeblich herrschen im deutschen Fußball Gewalt und Anarchie. Ist der Stadionbesuch inzwischen ein gefährliches Abenteuer? Angeblich erlebt unser aller Lieblingssport eine nie dagewesene Dimension von Ausschreitungen.

Wirklich? Aber warum bekommen wir als Fußballfans und regelmäßige Stadiongänger davon dann kaum etwas mit? Deshalb sollten sich auch die Anhänger des Ostfußballs in eine Liste eintragen, um eindeutig klar zu stellen – auch wir fühlen uns sicher!



(…) Zur Versachlichung: Rund 17,6 Millionen Menschen haben in der Saison 2010/2011 die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga besucht. Nach Statistiken der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) der Polizei wurden dabei 846 Personen verletzt, wobei die Statistik weder Verletzungsursache noch die Schwere explizit ausweist. Unter knapp 21.000 Besuchern findet sich damit ein einziger Verletzter, was wir zur Veranschaulichung auf dieser Seite einmal gekennzeichnet haben.

Wohl kein Volks- oder Straßenfest, kein Musikkonzert, kein Festival und keine andere Großveranstaltung in diesem Lande dürfte so sicher sein. Hunderttausende strömen Woche für Woche ins Stadion, ohne jemals mit Gewalt in Berührung zu kommen.

6.061 Fußballfans (0,035 Prozent) wurden im Laufe der Saison vorläufig fest- oder in Gewahrsam genommen, gegen fast ebenso viele Stadionbesucher (5.818 bzw. 0,033 Prozent) wurden Strafverfahren eingeleitet. Wie auch die Anzahl der von der Polizei zu leistenden Einsatzstunden, die in den letzten zwei Jahren um mehr als 25 Prozent gesunken ist, sind auch diese beiden Zahlen rückläufig.

Interessante Vergleichs-Details am Rande: In Innenminister Friedrichs Heimat-Freistaat kam das Münchner Oktoberfest im vergangenen Jahr bei nur rund sieben Millionen Besuchern auf immerhin 10.322 Verletzte, das sind mehr als 600 verletzte Personen an jedem einzelnen “Spieltag”. Und von rund 82 Millionen Bundesbürgern wurden im selben Jahr knapp 400.000 Menschen im Straßenverkehr verletzt, also 0,5 Prozent. Als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer am Straßenverkehr teilzunehmen, ist damit etwa 100-mal gefährlicher als das Stadion unseres Lieblingsvereins zu besuchen. Und trotzdem fahren Familien immer noch unbesorgt gemeinsam in den Sommerurlaub.
Und die Kosten?

Auf mehr als 100 Millionen Euro sollen sich die Kosten belaufen, die dem Staat und damit uns allen durch Polizeieinsätze beim Fußball entstehen. Das ist zweifelsohne viel Geld. Laut einer Studie der Unternehmensberatung “McKinsey” aus dem Jahr 2010 stehen demgegenüber allerdings Steuereinnahmen von rund 1,5 Milliarden, die allein durch die deutschen Profiklubs geleistet werden (…)

[ich-fuehl-mich-sicher.de]

[EM 12] Sachsen, Amtshilfe, Hooligans?

Wie die Sächsische Zeitung am 11. Juni berichtete, habe – wohl im Zusammenhang mit der gerade begonnenen UEFA EURO 2012 – der Co-Ausrichter Polen die sächsischen Behörden “um Unterstützung im Kampf gegen Hooligangewalt gebeten”. So sei von der polnischen Polizei ein Ersuchen zur Übermittlung von relevanten Personendaten an die entsprechenden sächsischen Dienststellen gerichtet worden.

Aus einer Antwort des Innenministeriums des Freistaates auf eine Anfrage der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen geht hervor, dass Sachsens Polizeidirektionen bis Ende Mai dieses Jahres Angaben zu 126 Personen zusammengetragen haben, die in der Vergangenheit durch wie auch immer geartete Störungen von Fußballspielen auffällig geworden sind. Offiziell gelten rund 300 Anhänger von Fußballvereinen in Sachsen – so die Sächsische Zeitung – als gewalttätig.

(Freie Fahrt? – Foto: Ostfussball.com)

Die angeblich aktuell erhobenen Datensätze seien zunächst an die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) übermittelt worden. Gegenwärtig prüfe Sachsens Polizei allerdings, “ob weitere Personendaten übergeben werden sollen”, so jedenfalls die Sächsische Zeitung, ohne Umfang und Adressaten für den Datentransfer weiter zu benennen.

[om]

Sachsen: Aktuell rund 300 Menschen in der ‘Kategorie C’ für Hooligans

Mitte Mai beantwortete das Sächsische Staatsministerium des Innern eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Sächsischen Landtag unter der Thematik “Hooligans mit besonders hoher Gewaltbereitschaft 2010″.

Dabei wurde die Frage “Wie viele Hooligans aus Sachsen werden in die Kategorie C (…) bei der ‘Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze’ des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes eingeordnet?” wie folgt beantwortet: “Aktuell werden ca. 290 Personen im Umfeld sächsischer Fußballvereine der Kategorie C zugerechnet (…)”.

(…) Die Polizei unterteilt Fußballfans in drei Kategorien: Als “Kategorie A” werden friedliche Fans, die nur das Spiel sehen wollen, bezeichnet. Die “Kategorie B” umfasst die so genannten “gewaltbereiten” Fans, die nicht mit der Absicht kommen, Gewalt auszuüben, aber Aggressionspotenzial in sich tragen. Die “gewaltsuchenden” Fans dagegen, die als “Kategorie C” bezeichnet werden, sind an den Fußballspielen weniger interessiert als an Auseinandersetzungen mit gegnerischen Fans und der Polizei (…) [wikipedia.org]

Faksimile: xbox360videos.com
Faksimile: xbox360videos.com

Auf eine weitere Teil-Frage der Kleinen Anfrage (Drucksache 5/2076), “Wie viele Hooligans stehen welchen konkreten Fußballklubs aus Sachsen nahe?”, antwortete das Sächsische Innenministerium (Aktenzeichen 31-0141.50/5449):

Den sächsischen Fußballvereinen werden durch die zuständigen Dienststellen aktuell Personen der Kategorie C wie folgt zugerechnet:

  • SG Dynamo Dresden – 75
  • 1. FC Lokomotive Leipzig – 80
  • Chemnitzer FC – ca. 20-30
  • FC Erzgebirge Aue – ca. 30
  • FC Sachsen Leipzig – 28
  • FSV Zwickau – 50

Dem Umfeld des Chemnitzer FC werden zudem noch ca. 20 so genannte Althooligans zugerechnet, die bereits seit mehreren Jahren nicht mehr als Störer bei Fußballspielen in Erscheinung getreten sind.

“Kein Frieden im Fußballstadion” beschrieb darauf folgend die Sächsische Zeitung wenige Tage nach der Veröffentlichung dieses parlamentarischen Vorgangs die bezügliche Situation im Freistaat Sachsen.

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg befand übrigens in einem Urteil Mitte Dezember 2008, dass der so genannten “Hooligan-Datei” die Rechtsgrundlage fehle. So habe das Bundesinnenministerium eine Rechtsverordnung zu erlassen, welche die Sammlung besagter Daten regelt, stellte das Gericht damals fest. Zuvor hatte bereits im Mai 2008 das Verwaltungsgericht Hannover die Datei für rechtswidrig erklärt. “Seit Jahren speichert das Bundeskriminalamt (BKA) Informationen über Hooligans und Personen, die bei Sportereignissen, vor allem beim Fußball, auffällig geworden sind. In der Datei ‘Gewalttäter Sport’, inoffiziell auch ‘Hooligan-Datei’ genannt, werden inzwischen knapp 10.000 Menschen aufgelistet” (Hamburger Abendblatt, 18. Dezember 2008).

Erst im April 2010 hat das Verwaltungsgericht Karlsruhe “erneut die fehlende rechtliche Grundlage der Verbunddatei ‘Gewalttäter und Sport’ moniert (…) In diesem Sommer wird sich das Bundesverwaltungsgericht mit der Datei ‘Gewalttäter und Sport’ befassen. Nach den Karlsruher Urteilen spricht manches dafür, dass auch das Bundesverwaltungsgericht die Datei für rechtswidrig erklärt” (spiegel.de). Aktuellen Angaben zufolge umfasst die bundesweite Datei “Gewalttäter und Sport” mittlerweile zirka 11.000 Einträge. [om]