Schlagwort-Archiv: Sport Frei

Fundstück des Tages # 150 [Ochsen, Esel, Sozialismus, DDR]

In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger ost(fußball)tangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges schon selbst postulieren und dabei durchaus bereits ihrerseits sprechen

(…) Am Ende behält der große Vorsitzende Erich Honecker doch recht. Nach einer neuen Untersuchung, die im Internet kursiert, hält den Sozialismus in seinem Lauf offenbar wirklich weder Ochs noch Esel auf, wie es der DDR-Staats- und Parteichef in seinen letzten Tagen im Amt vorhergesagt hatte. Insgesamt listet das geheime Regierungspapier 30 Beispiele für die erfolgreich vollzogene “Wende” (Egon Krenz) des “größer gewordenen Deutschlands” (Helmut Kohl) zum Gesellschaftsprinzip des ehemaligen kleineren Teils auf (…)

1. Verkehrswesen:
– jedes 5. Auto ist ein Skoda
– Trabbi, Wartburg und W 50 fahren immer noch auf den Straßen
– die Straßen sind so kaputt wie 1985
– die Benzinpreise sind auch wie 1985
– S-Bahn fährt nach Notfahrplan
– die Eisenbahn ist nie pünktlich und fast alle Züge sind defekt
– Winterdienst auf den Straßen gibt es nur in Berlin

2. Politik
– Staatsoberhaupt ist eine Frau aus Mecklenburg-Vorpommern
– die Meinungsfreiheit ist eingeschränkt (siehe Tilo Sarazin)
– egal welche Partei (alles Kandidaten der nationalen Front) man wählt, es bleibt alles beim alten
– es gibt wieder Montagsdemos (Stuttgart)
– FDJ-Kundgebungen heißen jetzt Loveparade
– Russland und China sind die stärksten Weltmächte und die USA hoch verschuldet bei China
– in Südamerika entstehen neue sozialistische Staaten
– Firmen bespitzeln wieder ihre Mitarbeiter (Telekom)

3. Wirtschaft
– Saisonartikel wie Streusalz und Schneeschieber sind nur mit guten Beziehungen zur HO oder zum Konsum zu bekommen
– wir sind abhängig vom russischem Erdgas und polnischer Steinkohle
– deutsche Firmen gehören teilweise mächtigen Russen
– es gibt wieder Pfandflaschen und Flaschensammler
– Papier und andere Altstoffe werden wieder gesammelt und gegen Geld abgegeben
– Bierdosen sind sehr selten geworden
– es wird wieder mit Holz und Kohle geheizt
– die ersten Banken sind verstaatlicht (Volkseigentum)
– ein großer Teil des Volkes arbeitet nicht, hat aber volles Einkommen (die Funktionäre heißen jetzt Beamte)
– Warteschlangen vor Schaltern und Kassen sind wieder üblich
– Eltern bekommen wieder Kindergeld

4. Bildung
– Kinder sollen wieder in die Krippe und Kindergarten gehen
– Grundschule und Oberschule werden zusammengelegt (längeres gemeinsames Lernen oder auch POS)
– es soll einheitliche Abiturprüfungen geben
– der Bätschelorr wird wieder ein Inschenör
– der Doktorhut wird für die da oben verliehen, nicht erarbeitet

Foto: ahgz.de

Kleiner Nachtrag der Redaktion von Ostfussball.com:

5. Sport
– Doping im Sport (Radsport) wurde wieder salonfähig gemacht
– Delegierungen im Fußball zu den Ochsen (ähm Bullen) wurden wieder eingeführt
– Fußballvereine werden wieder den Kombinaten (VW, Bayer, Red Bull) angegliedert
– Auch beim DFB wird bald mit Matthias Sammer wieder ein Sachse das Sagen haben
– Erlebnisorientierte Sportsfreunde begrüßen sich wieder mit “Sport Frei”

[Quelle im vollständigen Original -> “Triumpf der Republik, die sie DDR nannten”, politplatschquatsch.com, 28. März 2011]

Fundstück des Tages # 94 [Ede Geyer und Good Bye, Lenin?]

In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges selbst postulieren, dabei ihrerseits sprechen oder eben auch einfach nur scheinbar Geschichten über die Geschichte erzählen, zuweilen vielleicht auch in teilweiser Ergänzung oder Entgegnung beispielsweise der einen (Leipzig: Budenzauber zur deutschen Einheit) oder anderen (Achim Streich, Ostfußball, blutendes Herz und mehr) oder noch anderen (Terra incognita Ostfußball, Feiergründe?) vormaligen ostfussball.com-Publikation …

(…) Er träumte vom Europapokal, von den großen Stadien des Kontinents, von Titeln und Trophäen. Eduard Geyer war einer der besten Trainer der ehemaligen DDR. Dann kam die Wiedervereinigung und Geyer wurde vom Westen vergessen. Was noch viel schlimmer ist: Er wurde ignoriert. “Das war enttäuschend”, sagt er heute. Es klingt nach einem, der zurück blickt und sagt: “Schaut, was ihr verpasst habt.”

“Wendeverlierer oder Wendegewinner?” Eduard Geyer zögert. Er, der nie um einen Spruch verlegen war, als er noch an der Seitenlinie stand. Der Nachwuchsspieler mit den Nutten von St. Pauli verglich und Schwächen in der Hintermannschaft durch das Aufstellen seiner eigenen Ehefrau zu kompensieren gedachte. “Weder noch”, sagt er dann (…)

Faksimile: ottensmann.blogspot.com
Faksimile: ottensmann.blogspot.com

Als Spieler wurde Eduard Geyer mit Dynamo Dresden Meister und Pokalsieger. Im Europapokal versuchte er, Bayerns Uli Hoeneß zu bewachen. Er war nicht der talentierteste Dynamo-Spieler aller Zeiten, aber vielleicht der Besessenste. Irgendwann nahmen sie ihm in Dresden das Dynamo-Trikot weg und stellten ihn in einem Dynamo-Trainingsanzug vor die Dynamo-Trainerbank.

1989 führte er Dynamo Dresden zum Meistertitel, obwohl der doch vor jeder Saison quasi per Regierungsbeschluss dem Stasiklub BFC Dynamo versprochen war. Der nationale Fußballverband machte ihn zum Nationaltrainer. Er sollte die DDR-Auswahl zur Weltmeisterschaft in Italien führen. Als eine Woche vor dem entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Österreich die Mauer fiel, hockte die Mannschaft im Trainingslager vor dem Fernseher. Und dachte an alles, außer Fußball.

“Wir hatten eine viel bessere Mannschaft als Österreich”, sagt Geyer. “Aber leider haben wir unter denkbar ominösen Umständen verloren.” In Wien verdrehten Westverträge den DDR-Spielern den Kopf, über den Schiedsrichter möchte Geyer bis heute nicht reden (…)

Danach war der DDR-Fußball Geschichte. Spieler und Trainer mühten sich ebenso nicht im Nichts zu versinken wie ihr Heimatland. “Ich dachte: Na gut, für dich geht die Trainerlaufbahn weiter”, sagt Geyer. Und so setzte er sich, auf dem vermeintlichen Höhepunkt seiner Trainerkarriere, ins Wohnzimmer und wartete auf einen Anruf aus dem Westen. Doch es klingelte nicht.

“Man wollte die Trainer aus dem Osten nicht. Das war aber nicht nur im Fußball so”, sagt Geyer. Was aus der DDR kam, konnte keinen Wert haben, wurde unbesehen platt gemacht. Auch Rotkäppchen-Sekt und der Grüne Pfeil, die heute wieder ihren festen Platz im vereinten Land haben, standen kurz vor der Abwicklung. “Da wurden zu viele Scharlatane rangelassen. Viele ostdeutsche Funktionäre haben sich angebiedert. Die haben sich lieber einen fünftklassigen Trainer aus dem Westen geholt”, sagt Geyer.

Geyer wollte nicht abgewickelt werden. Er merkte, dass die Bundesliga nicht zu ihm kommen würde. Also musste er zur Bundesliga (…)

In Cottbus ließ Geyer goodbye-lenin-mäßig ein kleines Stück DDR weiterleben. Wo was wie langging, sagte nur einer: Eduard Geyer. Es galt, aus kaum vorhandenen Mitteln so viel wie möglich zu machen. Mit Mangelwirtschaft kannten sie sich ja aus. “Es hat nicht viel funktioniert in der DDR, aber der Leistungssport hat funktioniert”, sagt Geyer. Drei Jahre lang hielt sich Energie Cottbus in der Bundesliga.

In dieser Zeit kultivierte Geyer den Typus des Feldwebels, des Schleifers, des Wüterichs – der Gegenpol zu den Spielerverstehern und PR-geschulten Trainern aus dem Westen. Geyer ließ einen Hauch Nordkorea durch die Bundesliga wehen, die Medien liebten ihn. Daran konnte auch seine Stasi-Vergangenheit nichts ändern, die immer dann ein Thema wurde, wenn der sportliche Erfolg gerade mal ausblieb.

Einige Jahre ging das gut, dann fiel auch in Cottbus die Mauer. Die Bundesliga weckte Bedürfnisse im Fanvolk, Spieler wollten sich plötzlich einmischen, statt nur angeleitet zu werden. Ein gutes Jahr nach dem Bundesliga-Abstieg setzte der Verein Geyer an einem Zweitliga-Novembertag (…) vor die Tür.

Geyer ging für ein paar Monate zum Geldverdienen nach Dubai, arbeitete später noch in Leipzig und Dresden. Seiner Heimat hielt Geyer stets die Treue, notgedrungen. Und so stand er am zwanzigsten Tag der Deutschen Einheit auf der Bühne des Dresdner Schauspielhauses.

Während ganz in der Nähe Tausende Menschen die Wiedervereinigung feiern, hält Eduard Geyer eine Laudatio auf seine sächsische Heimat. Er darf das schönste Sächsische Wort des Jahres präsentieren. Geyer redet vom Fußball als letztem kollektivistischen Erlebnis, hält kurz inne, hört die Trommeln wirbeln: “Bäbbeln”, verkündet er. Die Leute lachen. Bäbbeln heißt soviel wie informell Fußball spielen. “Es lebe der Fußball. Sport frei”, sagt Geyer und tritt ab.

[Quelle im vollständigen Original: “DDR-Trainer Geyer – Vom Westen vergessen”, zeit.de, 4. Oktober 2010, 12:43]

Faksimile: glassblog.wordpress.com
Faksimile: glassblog.wordpress.com

“Good Bye, Lenin!” ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2003 (…) [wikipedia.org]

Zur Diskussion im -> Ostforum

Sport im Osten feiert 1.000 Sendungen

Ja es gibt tatsächlich noch einen Grund, öffentlich rechtliches Fernsehen  dritter Programme der ARD zu schauen. Gerade der sonst kaum beachtete Heimatsender MDR, für demenzkranke Rentner aus dem Alzheimer Hof, schafft es fast 20 Prozent aller Zuschauer vor den Fernseher zu locken, wenn der Fussball im Osten rollt. Damit ist es tatsächlich die erfolgreichste Sportsendung aller dritten Programme der ARD. Doch Sport im Osten steht nicht ohne Grund so positiv da, denn das Ganze ist sozusagen nur ein Erfolg der Erfolglosigkeit der ostdeutschen Vereine. Für die Fans des runden Leders bleibt somit keine andere Alternative als jeden Samstag 16.30 Uhr den sonst so unbeliebten Zwangs-Pay-TV-Sender anzuschalten. Die Krise im ostdeutschen Fussball hat somit nicht nur Verlierer. Kleiner positiver Effekt ist für den Zwangskonsumenten im Osten, dass die Rundfunkgebühren somit nicht restlos durch den Schornstein gejagt werden.

In der Vergangenheit gab es oft technische Probleme innerhalb der Sendung  oder auch wilde Skandale bei der Sportsendung Sport im Osten. So hatte beispielsweise die Staatsanwaltschaft Winfried  Mohren insgesamt 19 Fälle der Bestechlichkeit vorgeworfen. „Herrn Mohren lag zur Last, Sendungen des MDR verkauft zu haben und sich so ein erhebliches, dauerhaftes Einkommen verschafft zu haben. Oftmals waren auch die Berichterstattung gerade im Umgang mit ostdeutschen Fussballfans völlig falsch oder gar auf dem Niveau einer Bildzeitung schlecht recherchiert und viel zu schnell Puplik gemacht wurden. Die Dynamo Dresden Anhänger können darüber schon mehr als ein Lied singen. Zuletzt wechselte auch noch Vorzeigemoderator Rene Kindermann der Mord und Totschlagsendung Brisant zu Sport im Osten und verhalf des öfteren zu Aussagen, die man nur mit allgemeinen Kopfschütteln registrieren konnte. Oft hatte man den Verdacht, dass hier positive Meinungen zum allgemein unbeliebten Kommerzverein RedBull Leipzig öffentlich  verbreitet werden sollte. Insgesamt arbeiten heute bis zu 150 Leute wie Redakteure, Reporter, Moderatoren, Regisseure und Techniker an der 90 Minuten Sendung ” Sport im Osten”. Auch im Internet hat der öffentlich rechtliche TV Sender seine Aktivitäten deutlich vergrössert, was aber bei den vielen privaten Anbietern als Wettbewerbsverzerrung angesehen wird. Das widerspricht der geltenden Rechtslage. Der Rundfunkstaatsvertrag sieht nur Programm begleitende Informationen vor. Es kann nicht sein, dass mit GEZ-Geldern, also Zwangsabgaben, das Leben der vielen privaten Medienanbieter immer mehr eingeschränkt werden. Deshalb gibts von uns an dieser Stelle auch keine Glückwünsche sondern nur ein sportliches

Sport frei!

18.Spieltag 3.Liga

18.Spieltag in der 3.Liga

Bereits der vorletzte Spieltag der Hinrunde in der 3.Liga


Die Partien mit ostdeutscher Beteiligung:

28.11.2009, 14.00 Dynamo Dresden – 1. FC Heidenheim

28.11.2009, 14.00 Carl Zeiss Jena – Wuppertaler SV

28.11.2009, 14.00 Eintr. Braunschweig – Erzgebirge Aue

28.11.2009, 14.00 Wacker Burghausen – Rot-Weiß Erfurt

Aktuelle Tabelle der 3.Liga:

1. Kickers Offenbach 32
2. Wacker Burghaus. 30
3. VFL Osnabrück 29
4. Erzgebirge Aue 28
5. FC Ingolstadt 04 27
6. Eintr.Braunschweig 26
7. Jahn Regensburg 26
8. SpVgg Unterhach. 26
9. SV Sandhausen 26
10. Werder Bremen 2 24
11. Rot Weiß Erfurt 23
12. 1.FC Heidenheim 1846 22
13. VFB Stuttgart 2 22
14. SV Wehen Wiesbaden 22
15. Carl Zeiss Jena 20
16. Wuppertaler SV 19
17. Holstein Kiel 18
18. FC Bay. München 2 17
19. Borussia Dortmund 2 16
20. Dynamo Dresden 16

Fazit: Richtig guten und erfrischenden Fussball spielt monentan der Veilchen-Verein aus dem schönen Erzgebirge und steht nicht umsonst auf dem vierten Platz in der Tabelle. Dass es in Braunschweig richtig schwer werden dürfte, sollte allen klar sein, trotzdem kann man nach eventuellen weiteren Punktgewinnen bei der Eintracht weiter vom Wiederaufstieg in die 2.Bundesliga träumen.

In Erfurt kann man leider momentan nur durchschnittliche Kost bestaunen, mit 23 Punkten steht man zwar im gefestigten Mittelfeld aber überzeugen kann der Verein aus Thüringen nicht, denn die Leistungen sind mitunter enormen Schwankungen unterlegen. Gegen Burghausen hat man sich aber Einiges vorgenommen. Auch für Jena läuft es alles andere als gut, denn mit nur 20 Punkten und einem Tabellenplatz 15 steht man auf gleicher Augenhöhe mit dem Gegner vom Wochenende, dem Wuppertaler SV. Solche Punkte zählen natürlich am Ende immer doppelt und sollten daher unbedingt vom FCC eingefahren werden!

Richtig schlimm sieht es bei Dynamo Dresden aus, weder sportlich noch finanziell läuft es beim Verein von der Elbe momentan. Die Zuschauer scheint es aber nicht abzuhalten und beweisen, dass sie die besten Fans der Liga sind. Mit 14.420 Besuchern pro Spiel steht Dynamo Dresden ganz oben in der 3.Liga Deutschlands. Nun müssen dringend 3 Punkte gegen Heidenheim her!

Sport Frei!