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Polizei feat. Ultras?

Wir erinnern uns, was bisher geschah – Edgar wollte eigentlich Rasen mähen …

Das Jahr 2014 ist erst wenige Tage alt und obwohl die Temperaturen im Außenbereich eher Frühling statt Winter vorgaukeln, ist trotzalledem natürlich mitnichten an eine rasenmäherische Aktion im heimatlichen Gärtchen zu denken.

Und so beschließt Eddi – von seinen Freundinnen und Freunden nach wie vor so geheißen – sein bislang schon durchaus umfangreiches Archiv zum Zeitgeschehen ein wenig zu ordnen und über den Jahreswechsel liegen gebliebene Fundstücke entsprechend einzusortieren. Vielleicht muss er ja auch seinem Enkel irgendwann wieder einmal bei den Hausaufgaben helfen. Und außerdem macht es Spaß, denkt Edgar so vor sich hin, seine papieren gefüllte Ordner-Ansammlung mit einem Blick streifend. “Ach ja, old school”, seufzt Edgar leise.

Klar hat Eddi längst auch die elektronischen Medien entdeckt und mit der Zeit Schritt für Schritt für sich erschlossen, zuweilen mit tatkräftiger Hilfe seines Enkels. “Ha ha, von wegen old school. Die Racker von heute denken ja glatt, das wäre nur mit ‘alt’ zu übersetzen. Na, wenn die wüssten”, brummelt Edgar und fährt nebenbei seine liebevoll gepflegte Rechentechnik in ihren Betriebszustand hoch. Eddi besorgt sich aus den Tiefen seines kleinen Hauses noch eine Hülse aus der ostregionalen Bierproduktion, zündet sich eine Zigarette an und beginnt seine Archiv-Ordner aller Art zu bearbeiten.

(Foto: Archiv)

“Och, was die Tage alles so passiert”, murmelt Edgar, “ist doch eigentlich gerade rasenfußballerisch freie Zeit jetzt”. Seine Recherche-Reise geht nun kalendarisch noch weiter zurück. Und da Eddi ein durch und durch offener Mensch ist, endet die Welt dabei für ihn keinesfalls am Lattenzaun seines kleinen erdenen Grundstücks.

Aber so viel Zeit hat Edgar heute eigentlich gar nicht für seine archivarische Tätigkeit. Einige Leutchen warten – gerade bei diesem Wetter – garantiert noch am Getränkestützpunkt vom Grohmann Siggi um die Ecke auf eine vor sich hin philosophierende abendliche Plauder-Runde. Und Rasen gibt es ja gerade sowieso keinen zu mähen.

Edgar lässt noch einmal kurz seinen Blick schweifen, bevor er zu Grohmann Siggi seinem Getränkestützpunkt aufbrechen will. “Was ist denn das hier?”, murmelt er. Irgend so eine Pressemitteilung der Polizei zu einem längst zurück liegenden Oberliga-Spiel in Baden-Württemberg. “Ausschreitungen bei SSV Reutlingen gegen Karlsruher SC II”, überlegt Eddi, “muss mir das jetzt unbedingt etwas sagen?”. Och nö, ab damit in den Rundordner für zeitgeschichtliche Abfälle und gut ist der Abend. Da bleiben die Augen von Eddi plötzlich an einer Ansage in der polizeilichen Pressemitteilung hängen –

Informationen und Hintergründe zum Thema Ultra, Ultras und Hooligans finden sich auf http://www.ultras.ws. [Polizeidirektion Reutlingen – Pressemitteilung – 25. November 2013 – Stand: 14.15 Uhr]

Edgar schmunzelt vor sich hin: “Ach, die Welt ist aus den Fugen. Jetzt macht schon die Polizei Werbung für Ultras und Hooligans, so was aber auch”. Eddi versteht, wie offenbar die Polizei ebenso, einige der sich immer wieder im öffentlichen Sprachgebrauch vermischenden Betitelungen zwar auch nicht so recht, schüttelt aber immerhin nachdenklich seinen Kopf und fragt sich leicht irritiert: Dürfen die so was überhaupt, also die Polizei, so mit einem quasi werbenden Verweis auf einer offiziellen Pressemitteilung? Ist das nicht fast schon kommerzielles Sponsoring?

Was würde wohl der scheinbar medial allmächtige Law-and-Order-Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, dazu sagen? Obwohl, Herr Wendt sei ja mit dem Adjektiv “unsympatisch” noch gut bedient – wie Eddi beim weiteren Aufräumen seines Archivs in der Ausgabe 12/2013 der Zeitschrift konkret nebenbei lesen konnte.

Fragen über Fragen schwirren wie lautlos durch den Raum. “Aber jetzt”, sagt Eddi zu sich selbst, seine vorerst letzte Zigarette ausdrückend und die heimatliche Rechentechnik herunter fahrend, “geht es erst einmal zur abendlichen Runde beim Grohmann Siggi”. Der Rasen muss sowieso noch warten …

[om]

Post Scriptum: Ultras.ws wollte zu dieser “spaßigen Causa” kein darüber hinaus gehendes Statement abgeben. Die Polizeidirektion Reutlingen sowie Herr Rainer Wendt wurden nicht nachgefragt – warum auch? “Die Wahrheit ist immer konkret” (Lenin).

Fußballkrieg von Leipzig und Schwarzer Peter

“… im Nebel liegt, wie die Online-Kollegen der LVZ letztendlich zu ihrem großen Auftritt gekommen sind.” Was bisher geschah, wir erinnern uns – LVZ-Fußballkrieg: Offene Fragen.

Im Hause der Leipziger Volkszeitung (LVZ) werden vermutlich stirnrunzelnd Augen gerollt, jedenfalls hier und da, wenn der Terminus “Fußballkrieg” nun bereits zum dritten Mal bei Ostfussball.com Verwendung findet. Das gefällt nämlich nicht. Zugegeben vielleicht ein wenig zu Recht. Aber Ostfussball.com gefällt auch nicht immer alles, was – von wem auch immer – online oder gedruckt journalistisch verbreitet wird.

(Von oben betrachtet – Screenshot: maps.google.de)

Der Gegenstand einiger Aufregung – jedenfalls bei der LVZ, so könnte man den Eindruck haben – dürfte bekannt sein.

Die Begegnung in der 3. Hauptrunde im diessaisonalen Wernesgrüner Pokal-Sachsen zwischen 1. FC Lokomotive Leipzig und RasenBallsport Leipzig endete am 12. Oktober mit einem 0:2 auf dem Rasen des Zentralstadions – ein friedliches Fußballfest. Allerdings war für zirka zwei Stunden auf dem Online-Portal der Leipziger Volkszeitung realtiv umfassend und auch detailliert von “Ausschreitungen während des Leipzig-Derbys” zu lesen (Ostfussball.com dokumentierte). Später korrigierte LVZ-Online.de und postete, “eine fehlerhafte Pressemitteilung der Polizei” habe “für Verwirrung” gesorgt. Besagte Korrektur-Formulierung wurde gleichfalls in der nachfolgenden Print-Ausgabe der LVZ übernommen, also von Online- und Print-Ressort augenscheinlich quasi Hand in Hand arbeitend, jedenfalls in dieser Hinsicht. Warum allerdings die Richtigstellung auch gedruckt veröffentlicht wurde, da das ‘Ärgernis’ gut einen Tag zuvor virtuell passiert war, sorgte doch für Verwunderung.

Womit wir bei der Polizei wären, dem Partner von journalistischen Berichterstattungen über Ereignisse und Veranstaltungen jedweder Art öffentlichen Interesses. Bei der Absicherung des Sachsenpokalspiels war Polizeisprecher Michael Hille vor Ort, die Begegnung hatte sicherheitsrelevanten Charakter, schließlich spielte Lok gegen RasenBall, also nicht gerade kleine Emotionen sowie zudem aufmerksame mediale Augen und Ohren.

Nach Ende der fußballerischen Begegnung versandte die Leipziger Polizei eine Pressemitteilung an ihren Medien-Verteiler und dabei passierte “einem jungen Kollegen”, so Pressesprecher Uwe Voigt gegenüber Ostfussball.com, “ein Missgeschick”. Als Vorlage zur Erstellung einer Pressemitteilung habe jener junge Kollege einen Polizeibericht aus den letzten Jahren “dabei gehabt”. Diese Vorlage sei dann versehentlich als zweite Seite zur aktuellen Pressemitteilung verteilt worden. “Mit einiger Zeitverzögerung”, so Voigt, habe der junge Kollege sein Missgeschick bemerkt beziehungsweise sei durch nachfragende Medien darauf aufmerksam geworden und revidierte über den Medien-Verteiler die ominöse zweite Seite. So weit, so ungeschickt.

Das Sachsenpokalspiel wurde kurz nach Dreiviertel Fünf im Zentralstadion abgepfiffen. Eine ‘fälschlicherweise mit veröffentlichte zweite Seite’ wurde von der Polizei nach Spielschluss versendet, bestätigte Pressesprecher Uwe Voigt. Die letztendlich zutreffende Pressemitteilung veröffentlichte die Polizeidirektion Leipzig mit “Stand: 18:00 Uhr”. Und mit Terminierung von 20:08 Uhr war bei LVZ-Online.de dann zu lesen: “Nach der Begegnung sorgte eine fehlerhafte Pressemitteilung der Polizei für Verwirrung. Anders als darin mitgeteilt, kam es während des Spiels nicht zu Ausschreitungen”.

Womit wir bei der Leipziger Volkszeitung wären, genauer beim Ressort Sport und der Online-Abteilung. Aber zuerst lesen wir doch noch einmal, wie vor 20:08 Uhr auf  LVZ-Online.de ‘informiert’ wurde. Über die mehr oder weniger nachvollziehbar wahren sowie virtuell zeitlichen Abfolgen an diesem nachmittäglichen Abend und das damit verbundene Handeln beteiligter Personen mag die geneigte Leserin und der geneigte Leser selbst befinden, dabei aber bitteschön keinesfalls unbedacht voreilig eine mögliche Verquickung unterstellen zwischen dem Ressort Sport und der Online-Abteilung sowie deren ‘Berichterstattung’  –

“(…) Während des Pokalspiels zwischen Lok und RB Leipzig (…) ist es nach Polizeiangaben zu Ausschreitungen gekommen. Gegen 16 Uhr – also mit Beginn der zweiten Halbzeit des Derbys – habe es außerhalb des Stadions eine Auseinandersetzung zwischen den Fan-Lagern gegeben. Etwa 500 Lok-Anhänger griffen demnach im Bereich des Parkplatzes Friedrich-Ebert-Straße auch den Ordnungsdienst an. Als die Polizei einschritt, warfen die Randalierer Steine und Flaschen nach den Beamten, schlugen und traten sie.

Wie die Polizei weiter mitteilte, wurde zunächst versucht, die Situation mit Lautsprecherdurchsagen zu beruhigen. Nachdem dies erfolglos blieb, setzten die Sicherheitskräfte Wasserwerfer und Hunde ein. Den Angaben zufolge wurden die Angreifer so in Richtung Waldplatz abgedrängt und der Parkplatz gegen 16.25 Uhr geräumt. Die Polizisten nahmen elf Personen vorläufig fest und leiteten zahlreiche Ermittlungsverfahren ein. Insgesamt wurden offenbar fünf Polizeifahrzeuge durch Steinwürfe beschädigt, die Beamten wurden nicht verletzt (…)” [© LVZ-Online].

“Da ich selbst vor Ort war, kann ich mir nicht vorstellen, dass eine solche Auseinandersetzung in Stadionnähe unbemerkt geblieben wäre”, so der Resort Leiter Sport bei der LVZ, Winfried Wächter. Ja, richtig – hat sonst noch jemand ‘berichtet’?

Sorry, aber das lassen wir jetzt einfach einmal so stehen.

Und zwar lassen wir es so stehen, auch oder gerade, weil es für den Leiter LVZ Digital, Matthias Roth, offenbar kein größeres Problemchen darüber hinaus gibt, dass Ostfussball.com die – zugegeben – polemisch zugespitzte Formulierung vom ‘kleinen journalistischen Blitzkrieg’ gewagt hat ins Sprachspiel zu bringen.

Und diesen Unsinn, den LVZ-Online da in offenbar flinker Eile in die Tastatur gefingert hat, lassen wir auch deswegen stehen, weil Matthias Roth der Ansicht ist, die Titulierung “Unsinn” sei dafür “nicht angebracht”.

Und wir lassen das Zeitdokument auch deswegen so stehen, weil Matthias Roth mit dem Vorwurf einer mangelnden journalistischen Sorgfaltspflicht zu Felde zieht, es ihm allerdings scheinbar nichts ausmacht, sich selbst nur auf eine einzige Quelle, nämlich die Polizei, zu beziehen, nach der sinngemäßen Ansage, für eine erste Vorab-Meldung reichen Polizeiangaben ungeprüft.

Uwe Voigt, Pressesprecher der Polizeidirektion Leipzig, hat ein – wie auch immer zustande gekommenes – Missgeschick seiner Behörde unumwunden eingeräumt und das ganz kollegial entspannt. Matthias Roth, Leiter LVZ Digital, intervenierte “auf das Schärfste” gegen die Darstellungen bei Ostfussball.com. Winfried Wächter, Ressortleiter Sport bei der LVZ, hieß den Autor – zwar nicht im direkten Zusammenhang, aber immerhin – einen Lügner und sieht “keinen Grund, Ihnen künftig Fragen zu beantworten”.

Sind etwa noch Fragen offen?

[om]

(…) Reise, Reise, Seemannreise
Jeder tut’s auf seine Weise (…)

[Rammstein]

LVZ-Fußballkrieg: Offene Fragen

Die Begegnung in der 3. Hauptrunde im diessaisonalen Wernesgrüner Pokal-Sachsen zwischen 1. FC Lokomotive Leipzig und RasenBallsport Leipzig endete am 12. Oktober mit einem 0:2 auf dem Rasen des Zentralstadions – ein friedliches Fußballfest (Ostfussball.com berichtete). Aber offenbar nicht überall in Leipzig war es an diesem Tag gleichermaßen friedfertig, und sei dem nur an der einen oder anderen Tastatur elektronischer Geräte in öffentlich verantwortlichen Bereichen der Stadt so gewesen sein.

Für zirka zwei Stunden war auf dem Online-Portal der Leipziger Volkszeitung (LVZ) realtiv umfassend und auch detailliert von “Ausschreitungen während des Leipzig-Derbys” zu lesen (Ostfussball.com dokumentierte).

“(…) Während des Pokalspiels zwischen Lok und RB Leipzig (…) ist es nach Polizeiangaben zu Ausschreitungen gekommen. Gegen 16 Uhr – also mit Beginn der zweiten Halbzeit des Derbys – habe es außerhalb des Stadions eine Auseinandersetzung zwischen den Fan-Lagern gegeben. Etwa 500 Lok-Anhänger griffen demnach im Bereich des Parkplatzes Friedrich-Ebert-Straße auch den Ordnungsdienst an. Als die Polizei einschritt, warfen die Randalierer Steine und Flaschen nach den Beamten, schlugen und traten sie.

Wie die Polizei weiter mitteilte, wurde zunächst versucht, die Situation mit Lautsprecherdurchsagen zu beruhigen. Nachdem dies erfolglos blieb, setzten die Sicherheitskräfte Wasserwerfer und Hunde ein. Den Angaben zufolge wurden die Angreifer so in Richtung Waldplatz abgedrängt und der Parkplatz gegen 16.25 Uhr geräumt. Die Polizisten nahmen elf Personen vorläufig fest und leiteten zahlreiche Ermittlungsverfahren ein. Insgesamt wurden offenbar fünf Polizeifahrzeuge durch Steinwürfe beschädigt, die Beamten wurden nicht verletzt (…)” [© LVZ-Online].

Die geneigte LVZ-Leserschar mag sich zuerst das eine und dann das andere Auge gerieben, umgehend vielleicht Bekannte in der Stadt auf medialen Wegen dringend vor den bürgerkriegsähnlichen Zuständen gewarnt, sich dann aber beide Augen gleichzeitig gerieben haben, denn LVZ-Online.de zog blank und verlautbarte, lediglich “eine fehlerhafte Pressemitteilung der Polizei” habe “für Verwirrung” gesorgt.

(Screenshot: Polizeidirektion Leipzig)

Resümierend könnte der LVZ allerdings auch unterstellt werden: Kleinen journalistischen Blitzkrieg geführt, Vorurteile ausgelebt, Fußballmob wunschdenkend gedisst, ‘Schwarzen Peter’ verteilt, Hände in Unschuld gewaschen, Pressekodex wieder aus der Schublade hervor geholt – fert’sch, wie zuweilen noch sächsisch gesagt wird.

Hernach die imaginären Wasserwerfersprühnebel verzogen und die virtuellen Lautsprecherdurchsagen verklungen sind, bleiben allerdings Fragen. Und diese öffentlich zu stellen, nimmt sich Ostfussball.com die Freiheit.

Sehr geehrte Damen und Herren in der Sportredaktion der LVZ,

nach dem unser telefonischer Kontaktversuch am heutigen Nachmittag – Ihrerseits ein wenig unüblich mit der Bitte auf eine schriftliche Anfrage verweisend – nicht zustand kam, erlauben wir uns, Ihnen auf eben diesem Weg folgende Fragen zu stellen –

Rund um das Sachsenpokalspiel zwischen Lok Leipzig und RasenBallsport Leipzig am 12. Oktober dieses Jahres wurde durch LVZ-Online.de vorübergehend in einem nicht gerade kurzen Artikel von “Ausschreitungen während des Leipzig-Derbys” berichtet (Screenshot @ Ostfussball.com). Mit der Terminierung von 20:08 Uhr war dann einige Zeit später bei LVZ-Online.de zu lesen: “(…) Nach der Begegnung sorgte eine fehlerhafte Pressemitteilung der Polizei für Verwirrung. Anders als darin mitgeteilt, kam es während des Spiels nicht zu Ausschreitungen (…)”.

AD 1: Besteht Ihrer Auffassung nach die Möglichkeit, dass – so wie von Ihnen dargestellt – eine gut halbstündige gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Fußballfans und der Polizei unter Einsatz von Wasserwerfen [etc pp.] im Stadtbereich von Leipzig für andere Medien/Nachrichtenagenturen unbemerkt bleiben könnte?

AD 2: Gab es entsprechende Rückfragen Ihrerseits an den Führungsstab der polizeilichen Einsatzkräfte beziehungsweise Kolleginnen oder Kollegen Ihrer Redaktion am Ort des Geschehens?

AD 3: Welchen Wortlaut hatte die von Ihnen als Entschuldigung angeführte Pressemitteilung der Polizeidirektion Leipzig?

AD 4: Wann und auf welchem Weg hat Ihre Redaktion besagte Pressemitteilung erreicht?

In Erwartung Ihrer baldigen Antworten …

Eine vorab via E-Mail an die Leipziger Polizeibehörde gestellte Anfrage, ob die Darstellung der LVZ hinsichtlich ‘einer fehlerhaften Pressemitteilung’ bei der Berichterstattung rund um die Pokalpartie 1. FC Lok Leipzig vs. RasenBallsport Leipzig so bestätigt werden könnte, blieb bis zum heutigen Nachmittag unbeantwortet. Ab 16:30 Uhr war in der Pressestelle der Polizeidirektion Leipzig beziehungsweise jemand dort in der Angelegenheit Kundiger nicht mehr zu erreichen.

Sei’s drum, die Fragen bleiben, wir warten …

[om]

(…) Manche führen, manche folgen –
Böse Miene, gutes Spiel (…)

Wenn Ihr keine Antwort wisst –
Richtig ist, was richtig ist (…)

[Rammstein]

— Update 16. Oktober 2013 (17:15 Uhr) —

Wenn wir einmal die leichte Polemik eines Teils unserer Anfragen an die Leipziger Volkszeitung ein wenig außen vor lassen, ergibt sich nach Antworten aus der dortigen Sportredaktion – nicht aus der Online-Redaktion – mittlerweile ein noch nicht vollendetes Puzzle.

  • Der Ressortleiter Sport, Winfried Wächter, war am 12. Oktober selbst vor Ort und kann sich “nicht vorstellen, dass eine solche Auseinandersetzung in Stadionnähe unbemerkt geblieben wäre”.
  • Da die Leipziger Volkszeitung an Sonntagen nicht mit einer Print-Ausgabe erscheint, wurde “auch erst am Sonntag mit der Polizei Kontakt aufgenommen”. Da nach Kenntnis des Ressortleiters Sport nichts passiert war, sah dieser “auch keinen Grund, anders zu verfahren. Unsere Online-Kollegen werden sicher anders verfahren sein.”
  • Die Polizeidirektion Leipzig allerdings hat wohl eine E-Mail mit folgendem Wortlaut versandt –
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    anbei die Korrektur unserer PM, da fälschlicherweise eine zweite Seite mit veröffentlicht wurde.
    Wir bitten um Entschuldigung.
    Mit freundlichen Grüßen
    Die Pressestelle
  • Der bereinigt korrigierte Inhalt der Pressemitteilung (Screenshot @ Ostfussball.com) wurde in der Montagausgabe der LVZ veröffentlicht.
  • Uwe Voigt, Pressesprecher der Polizeidirektion Leipzig, reagierte auf eine ganz eigene Art – “… ich bitte Sie die Pressestelle der Polizeidirektion Leipzig zu Ihrer Anfrage zurückzurufen, ehe ich ellenlange Texte schreibe!!!” – Chapeau! Und ellenlang erfolgloses Telefonläuten ohne Wasserwerferrauschen in der offenen Warteschleife der Leipziger Polizeidirektion …

Wann und an wen besagte Polizei-E-Mail gesendet wurde und welchen Inhalt die ominöse ‘fälschlicherweise veröffentlichte zweite Seite’ gehabt hat, ist mithin nach wie vor offen. Genau wie gleichfalls weiterhin im Nebel liegt, wie die Online-Kollegen der LVZ letztendlich zu ihrem großen Auftritt gekommen sind.

[om]

— Update 16. Oktober 2013 (21:24 Uhr) —

Sehr geehrter Herr Pressesprecher Uwe Voigt,

zur Berichterstattung rund um das Sachsenpokalspiel 1. FC Lok Leipzig gegen RasenBallsport Leipzig am 12. Oktober nicht ellenlang, sondern kurz gefragt:

1. Stimmt es, dass die Pressestelle der Polizeidirektion Leipzig im bezüglichen Zusammenhang an Medien eine E-Mail mit folgendem Inhalt verschickte? – “(…) anbei die Korrektur unserer PM, da fälschlicherweise eine zweite Seite mit veröffentlicht wurde. Wir bitten um Entschuldigung (…)”

2. Wenn Ja: Wann wurde diese E-Mail versandt?

3. Wenn Ja: Wurde diese E-Mail lediglich an die LVZ-Sportredaktion beziehungsweise die LVZ-Online-Redaktion verschickt oder auch darüber hinaus verbreitet?

4. Wenn Ja: Welchen Inhalt hatte die ‘fälschlicherweise veröffentlichte zweite Seite’ der Pressemitteilung?

5. Wenn Ja: Auf welcher Grundlage wurde die ‘fälschlicherweise veröffentlichte zweite Seite’ erstellt?

6. Wenn Ja: Wer zeichnet für den Inhalt der ‘fälschlicherweise veröffentlichten zweiten Seite’ verantwortlich?

7. Welcher Pressesprecher beziehunsgweise Medienbeauftragte der Polizeidirektion Leipzig war während der Absicherung der Fußballveranstaltung vor Ort?

Doch nicht ganz so kurz geworden, mea culpa, aber so ellenlang brauchen Sie ja nicht antworten.

In Erwartung …

… und mit freundlichen Grüßen …

Fundstück des Tages # 308 [Ein Innenminister und die Fan-Chaoten von Dynamo Dresden] – (Update MoPo DD)

In loser Folge dokumentiert Ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges schon selbst postulieren, dabei ihrerseits sprechen oder eben einfach nur Geschichten erzählen; mitunter scheinbar auch in teilweiser Ergänzung einiger dahingehend vormalig bezüglichen Publikationen bei Ostfussball.com

(Null zu Eins für wen jetzt? – Foto: Ostfussball.com)

(…) Dynamo Dresden, das sind die Chaoten aus dem Osten. Gewalt, Rassismus, Pyrotechnik – kennen wir alles (…) Da wundert es auch nicht, wenn der sächsische Staatsminister des Inneren schreibt, dass Dynamo-Fans Polizisten attackierten – selbst wenn die Polizei davon nichts mitbekommt (…)

Dynamo Dresden ist nicht gern, aber häufig Gast beim DFB-Sportgericht in Frankfurt. Die Frankfurter Rundschau schreibt von mehr als 20 Urteilen gegen den ostdeutschen Klub seit 2002. Dass die Fans für Probleme sorgen, ist kaum zu bestreiten. Ebenso offensichtlich, wenngleich meist weniger beachtet, sind jedoch die Fortschritte: Verein und Fanszene haben in der Auseinandersetzung mit Gewalt und Rassismus einen weiten Weg zurückgelegt. Aber trotz großer Investition des Vereins in die Fanarbeit, der Aufforderung des Vorsängers zum Pyroverzicht und langjährigen Aktivitäten der antirassistischen Faninitiative 1953international: Dynamo Dresden wird seinen schlechten Ruf nicht los.

Umso sensibler reagieren die Fans von Dynamo auf Vorwürfe, selbst wenn die nicht aus Frankfurt, sondern vom sächsischen Innenminister stammen. Markus Ulbig beziehungsweise sein Team sind eifrige Social-Media-User. Auf seiner Facebookseite beschäftigte sich der Minister am Montag [11. März] mit dem Fußballwochenende und schrieb: “Fast 1500 Polizisten für gerade mal drei Fußballspiele am Wochenende in Sachsen. Rechnet man das Spiel in Halle dazu, wo unsere Reiterstaffel eingesetzt war, sind wir gleich bei 2500 Beamten. Ausschreitungen, Randale, brutale Angriffe auf die Polizisten – eine traurige Bilanz und höchst unsportlich. Hier muss sich was ändern.” (…)

Es folgten Zustimmungen, aber auch Nachfragen von Userinnen und Usern, welche Spiele und welche Randale hier genau gemeint seien. Ulbig antwortete mehrfach und erläuterte dann: “Nach dem Spiel Aue/Dynamo griffen circa 200 sogenannte ‘Dynamo-Fans’ die Polizei an, zwei verletzte Beamte, 15 Strafanzeigen.”

Dynamo Dresden spielte am Sonntag [10. März] in Aue (…) Von Ausschreitungen jedoch, gar von gezielten Angriffen gegen die Polizei, wie deren Dienstherr sie beschreibt, ist nichts bekannt. Das geht aus einem Offenen Brief hervor, den ein Dynamo-Fan an Marcus Ulbig schrieb, zu lesen im Dynamo-Blog spuckelch: Der Fan hatte nachgefragt bei der Polizeidirektion Chemnitz, die für das Spiel zuständig war. Was denn in der Pressemeldung stünde, wollte er wissen und erhielt die Antwort: “Es ist nichts weiter vorgefallen. Wozu sollen wir denn dann eine Pressemitteilung herausgeben.”

Quelle im vollständigen Original -> “Sächsischer Innenminister greift Dynamo-Fans an”, publikative.org, 13. März 2013

(…) Was wissen Sie, was die Chemnitzer Polizei nicht weiß? Teilen Sie doch bitte Ihre Informationen mit uns. Gern auch persönlich in der Berliner Vertretung des Freistaates Sachsen in der Brüderstraße 11. Ich mag Dresdner Eierschecke gern (…)

“Offener Brief an den Sächsischen Innenminister Markus Ulbig” -> spuckelch.wordpress.com (12. März 2013)

Update: Dresdner Morgenpost (16. März 2013) –

Fundstück des Tages # 157 [Red Bull Leipzig – Trainerchen, wechsle dich?]

In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist schon einiges postulieren und dabei zuweilen gleichfalls ihrerseits nur einfach selbst vor sich hin zu sprechen scheinen …

(…) Eines ist sicher: Peter Pacult ist noch Rapid-Trainer. Beim Match gegen Sturm Graz am Samstagabend saß er auf der Bank – und sah ein bitteres 0:2 (…) Pacult ist nicht nur wegen dieser Niederlage angezählt, könnte aber sowieso bald selbst den Absprung wagen.

Wie der Kurier nämlich erfahren haben will, soll der Noch-Rapid-Coach bei RB Leipzig auf der Liste stehen – einem Ableger des Red-Bull-Konzerns. Es habe am Donnerstag ein Treffen mit Konzern-Boss Didi Mateschitz und schon konkrete Verhandlungen gegeben, heißt es (…)

Wer denkt, dass sich diese Spekulationen auf heimische Medien beschränken, der irrt. Ähnliches ist nämlich auch in deutschen Medien zu lesen. Wie die Leipziger Volkszeitung schreibt, soll Pacult in der Tat die Nachfolge von Trainer Tomas Oral antreten.

Der 37-Jährige hat mit seiner Elf die ehrgeizigen Ziele des Getränkeherstellers bisher nicht erfüllt. RB Leipzig liegt in der Regionalliga Nord nur auf Rang vier, auf Platz eins fehlen zehn Punkte. Aus dem erwünschten Durchmarsch in den Profifußball wird also voraussichtlich nichts (…)

Trotzdem wiegelt man bei den Ostdeutschen ab. Der Klub antworte auf die “Pacult-ersetzt-Oral-Meldung” laut LVZ mit einer kuriosen Presseaussendung. “Bei uns bleibt alles wie es ist”, so Pressesprecher Enrico Bach. “Dietmar Beiersdorfer bleibt unser Vorstandsvorsitzender.”

Allerdings wurde eben dieser wenige Stunden zuvor von Red-Bull-Boss Mateschitz vor die Tür gesetzt. Angeblich soll der Deutsche mit einem Vorstandsamt beim Hamburger SV spekulieren (…)

Bei Rapid selbst stößt Pacults offensiver Flirtversuch mit Red Bull auf wenig Gegenliebe. Ex-Rapidler und Sky-Analytiker Heribert Weber nimmt sich kein Blatt vor den Mund:

“Ich frage mich, was das für die Rapid-Familie bedeutet. Es wird nicht besonders gut ankommen, dass sich ein Trainer, der zwei Tage später ein wichtiges Spiel hat, mit dem Präsidenten eines anderen Vereins trifft. Ich weiß zwar nicht, was da gesprochen wurde, aber es schaut nicht gut aus”, betont Weber (…)

Die Verantwortlichen bei Rapid schweigen zu der Causa eisern. Nur General Manager Werner Kuhn wagte sich vor das Mikrofon. “Peter Pacult hat bisher sehr gut gearbeitet. Im Moment läuft es aber sicher nicht so, wie wir das wollen – inklusive der Fans”, gibt sich der Rapid-Funktionär kryptisch.

Auch zum Thema RB Leipzig gab’s keine klare Ansage: “Dazu kann ich nur sagen, dass Peter Pacult bei Rapid noch ein Jahr Vertrag hat. Alles andere behandeln wir intern.” Ein klares Bekenntnis zum Trainer hört sich anders an.

[Quelle im vollständigen Original -> “Ist Pacult bald ein ‘deutscher’ Bulle?”, sport10.at, 9. April 2011, 18:46]

Faksimile: spielzeuggeschichten.de

Bäumchen, wechsle dich ist ein wunderbarer Bewegungsklassiker für alle Alterstufen. Man spielt es im Freien und zwar am Besten dort, wie ein paar Bäume stehen.

Alle Kinder stellen sich neben einen Baum – nur eines bleibt in der Mitte stehen und ruft: “Bäumchen, wechsle dich!”

Nun müssen die Kinder neben den Bäumen ihre Plätze tauschen und das Kind in der Mitte versucht, ebenfalls an einen freien Baum zu gelangen.

Der Mitspieler, der an seinem Platz verweilt oder sich nicht rechtzeitig einen neuen Baum ergattern kann, steht als nächstes in der Mitte.

Wenn mehrere Bäume in der Nähe sind, werden natürlich nur so viele genutzt, wie für das Spiel gebraucht werden. Bei neun Kindern wären es also acht Bäume.

Statt der Bäume könnte ihr auf einem asphaltierten Platz auch Kreidekreise malen!

Viel Spaß beim Austoben.

[hoppsala.de]

Fundstück des Tages # 115 [RasenBallsport Leipzig, Trainingsgelände, Stadtrat]

In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke als solche bereits einiges selbst postulieren und dabei ihrerseits sprechen; mitunter scheinbar sogar vielleicht auch in teilweiser Ergänzung der einen (RB Leipzig: Trainingszentrum bringt Auenwald in Gefahr) oder anderen (RB Leipzig, Trainingszentrum, Ökolöwe) oder noch anderen (RB Leipzig und ein Fleckchen Erde) oder weiteren (RasenBallsport Leipzig, Sportpolitik) vormaligen Publikation bei ostfussball.com

Faksimile: ultras.ws
Faksimile: ultras.ws

(…) Am übernächsten Mittwoch, dem 15. Dezember, soll der Stadtrat dem Bebauungsplan “Westlich vom Cottaweg” zustimmen. Ganz “eilbedürftig” und ohne, dass vorher von den Verantwortlichen eine öffentliche Debatte geführt worden wäre (…) Dabei wird das RB-Trainingszentrum, um das es geht, wohl zu groß, um es im Stillen durchzuziehen. Das stieß (…) im Stadtbezirksbeirat Alt-West sauer auf.

Red Bull produziert strahlende Sieger. So die Selbstsicht des global agierenden Getränkekonzerns. Leipzigs Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) sah nach einer Beratung mit den Stadtbezirksbeiräten im altehrwürdigen Leutzscher Rathaus Mitte der Woche nicht ganz so aus. Lediglich drei der anwesenden neun Stadtteilvertreter wollten nach einer, noch dazu nichtöffentlichen Beratung seiner Informationsvorlage zustimmen. Das waren ausgerechnet die von CDU und FDP. Seine eigenen Genossen und die Vertreter von SPD und Grünen vermochten die Argumente von Leipzigs oberstem Sportwart auch nach 45 Minuten Klausur nicht zu überzeugen.

Einer, der in Leipzig die öffentliche Meinung prägt, war vorher gegangen. Er sei “enttäuscht über die Dummheit und Ungeschicktheit von Red Bull und seinen Leipziger Statthaltern”, schimpfte Winfried Helbig beim Gehen. Dass hier die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde, “spricht für sich selbst”, sagt der Mann, der sich im “Aktionskreis Frieden/Mahnwache Leipzig” engagiert, der vor gut drei Jahren gemeinsam mit anderen erfolgreich gegen den Anteilsverkauf der Stadtwerke aufbegehrte, der 2004 den Leipziger Protest gegen Hartz IV organisierte. Winfried Helbig hat nach eigenen Angaben (…) in einer Leipziger Tageszeitung gelesen, dass der Stadtbezirksbeirat Altwest über das geplante RB-Trainingszentrum beraten wird. Daran wollte er als Bürger teilnehmen.

Da haben die Kollegen vom Peterssteinweg einfach die offizielle Pressemitteilung der Stadtverwaltung wiedergegeben, die am 29. November 2010, um 10:00:59 Uhr, per E-Mail bei den örtlichen Journalisten einging. Dort hieß es unter Tagesordnungspunkt 8: “Errichtung des RB-Trainingszentrums – Information der Verwaltung”. Auch der Verfasser dieser Zeilen nahm das als Einladung zur öffentlichen Information. Doch beim Betreten des Leutzscher Ratssaals wurde er darüber informiert, dass sich Bürgermeister Rosenthal zwar persönlich den Räten zum Trainingszentrum erklären wolle, aber nur in nichtöffentlicher Sitzung. Das sei der aus den Reihen der Verwaltung bestellten Vorsitzenden des Gremiums erst am Vortage mitgeteilt worden (…)

“Wenn Sie eine öffentliche Sitzung wünschen, kann ich heute nichts vortragen”, entgegnete der extra in den Leipziger Westen herbeigeeilte Bürgermeister auf die Frage seiner Parteikollegin Barbara Börno. Der Investor wolle seine Pläne noch nicht öffentlich kommunizieren, dem müsse man sich als Verwaltung “ein Stück weit unterordnen”, so der Linken-Politiker. Ein Satz wie geschaffen für die Laudatio der Stadtoberen zur Verleihung des Leipziger Demokratiepreises, der alljährlich am Vortag des so gern bemühten 9. Oktober verliehen wird.

SPD-Mann Christoph Jabs brachte das auf die Palme: “Wir sollen votieren, obwohl wir das Vorhaben nicht kennen.” Da werde das Pferd vom Schwanze her aufgezäumt, so der Planungsfachmann und Baurechtsexperte. Man müsse erst den Plan in seiner Gesamtheit vorstellen und könne dann mit der Bauleitplanung beginnen. “Wir sollen hier über eine Rechtssetzung entscheiden, ohne zu wissen, wohin die führen wird”, ereiferte er sich (…)

Auch Sozialdemokratin Eva Brackelmann findet das Vorgehen “extrem intransparent” und “politisch eher unklug”. Linken-Frau Börno fragte in die Runde, was sie mit vertraulichen Informationen solle, die ihr nichts nützen, weil sie diese gegenüber den Bürgern nicht verwenden dürfe.

Doch auch die im öffentlichen Teil getroffenen Aussagen und die in der öffentlichen Beschlussvorlage des Oberbürgermeisters enthaltenen Formulierungen genügen, um sich ein Bild von dem RB-Projekt zu machen.

Den politischen Gremien würde erst der Aufstellungsbeschluss zur Befassung vorgelegt, später “die Details im Verfahren” präzisiert, sagt der Mann vom Stadtplanungsamt (…) Der vom Investor vorgelegte Bauantrag umfasse nur Flächen, die bereits in der bisherigen Nutzung Sportgelände sind, sowie den Parkplatz hin zur Kleinmesse. Auf Nachfrage von Sozialdemokratin Eva Brackelmann hieß es, der am Cottaweg jetzt ansässige Fußballverein BSV Schönau könne bleiben, mit ihm strebe RB “Koexistenzen” an. Die Nordgrenze hin zum Motodrom des MC Post habe Bestand, wird Linken-Beirat Thomas Naumann erklärt, das Motorsportgelände könne aber “vielleicht im dritten Bauabschnitt” beansprucht werden.

Der erst kürzlich hergerichtete Volksfestplatz an der Kleinmesse wird von Anbeginn betroffen sein. Zudem müsse über einen Ausbau der Erich-Köhn-Straße, die zwischen Jahnallee und Angerstraße für den öffentlichen Verkehr nicht freigegeben ist, befunden werden. Ein Kreisverkehr an der viel befahrenen Kreuzung Lützner Straße/(verlängerte) Erich-Köhn-Straße, Jahnallee sei denkbar.

Wo sollen sie nun aber hin, die zumindest sechs Sportplätze, die Tribüne für 1.000 Zuschauer, die Sozialeinrichtungen, die RB-Geschäftsstelle, die gastronomische Abteilung, das Fußball-Internat, die vielen Parkplätze und die Zufahrtsstraßen? Östlich des Elsterflutbeckens steht das Zentralstadion, dass RB als Wettkampfstätte nutzt. Nach Süden hin dürfte spätestens an der Jahnallee Schluss sein. Im Norden mag das Motodrom Begehrlichkeiten wecken, aber ein Ausgreifen über die Hans-Driesch-Straße scheint unwahrscheinlich.

Also weiter nach Westen, über die Luppe hinweg? Wo doch laut Ratsvorlage die Verkehrszuführung zum Cottaweg ohnehin von Westen über die Erich-Köhn-Straße erfolgen soll. Das kann dort Verkehrsmengen hervorrufen, gegen die die erwarteten Kundenströme zu einem irgendwann einmal eröffnenden Kaufland-Zentrum am Lindenauer Markt Peanuts wären. Und gegen letztere gab es vernehmbare Anwohnerproteste.

Westlich der Luppe liegen ohnehin alsbald wieder Flächen, die schon heute als Fußballfelder genutzt werden. Das Argument kennt man schon von der Anlage des BSV Schönau. Aber nichts Genaues weiß man nicht, weil sich Investor und Verwaltungsspitze nicht öffentlich erklären wollen (…)

Aber ein Investor verspricht ja Arbeitsplätze, sagen die Befürworter, die nicht weiter nachfragen. “Mit der Umsetzung der Planung ist davon auszugehen, dass Arbeitsplätze im Trainingsgelände für den Trainingsbetrieb oder im Verwaltungsbereich bzw. für die Pflege des Geländes geschaffen werden”, heißt es in der Ratsvorlage. Also ein paar “Greenkeeper”, wie Bayern-Boss Uli Hoeneß jene Jobs nennt, mit denen er an der Säbener Straße in München vielleicht doch noch einmal seinen Busenfreund Lothar Matthäus betrauen würde. Überhaupt verleiht die Stadtverwaltung der Bedeutung des Vorhabens nur das Prädikat “mittel”. Hingegen seien die Auswirkungen für eine ausgeglichene Altersstruktur, so das zweite strategische Oberziel der Stadt, “ambivalent”. Denn bestehende Angebote zum Sporttreiben würden “reduziert bzw. beeinträchtigt”. Zudem werde der Umfang des Volksfestplatzes verkleinert.

Auch fehlt einem der Glaube, dass Errichtung und Betrieb des Zentrums keine finanziellen Folgewirkungen für die Stadt zeitigen würden, wie die Verwaltung anführt. Allein der Ausbau der Infrastruktur rund um die Erich-Köhn-Straße bindet öffentliches Geld, was an anderer Stelle zum Abbau der allgegenwärtigen Schilder “Straßenschäden” dringend gebraucht wird.

Und warum die Eile? “Die beabsichtigte Errichtung des Trainingszentrums für den neugegründeten Leipziger Fußballverein (RB Leipzig e.V.) besitzt für dessen sportliche Weiterentwicklung eine hohe Bedeutung. Die beabsichtigte Errichtung stellt auch für die Stadt Leipzig eine wichtige Maßnahme dar”, schreiben die hiesigen Stadtplaner zur Begründung. “Da seitens des Fußballvereins eine sehr zügige Umsetzung des Vorhabens angestrebt wird – der Bauantrag für den ersten Bauabschnitt wurde bereits gestellt – soll mit dem Aufstellungsbeschluss sehr zügig eine planungsrechtliche Grundlage geschaffen werden, die frühzeitig ein steuerndes Begleiten der beabsichtigten Entwicklung ermöglicht.”

Der Blick auf die aktuelle Regionalliga-Tabelle lässt eher den Schluss zu, dass sich die kickenden Bullen gerade ein Jahr mehr Zeit bis zum Erreichen der Futterkrippen von Bundesliga und Champions League erspielt haben. Auch hat die lokale Politik durch ihr Kommunikationsgebaren der letzten Wochen kaum erkennen lassen, was an ihrem Begleiten des Projektes eigentlich Steuern ist und wohin ihr Steuern beim Begleiten denn führen soll.

Faksimile: glassblog.wordpress.com
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[Quelle im vollständigen Original -> “Trainingszentrum am Cottaweg: RB verleiht der Stadtverwaltung Flügel”, Leipziger Internet Zeitung, 2. Dezember 2010]