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Fundstück des Tages # 343 [Benjamin Brand – Schiedsrichter aus Leidenschaft?]

In loser Folge dokumentiert Ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist schon einiges postulieren, dabei ihrerseits selbst sprechen oder eben einfach nur Geschichten zu erzählen scheinen, mitunter aus kürzerer Vergangenheit, der Gegenwart oder vielleicht auch aus näherer Zukunft; und dabei zuweilen gewisse Befindlichkeiten mehr als nur andeuten …

(Von oben betrachtet – Screenshot: maps.google.de)

Die Zahlen lügen nicht, sie bezeugen vielmehr eine große Liebe. Es ist die des jungen Schiedsrichters Benjamin Brand zum süddeutschen Fußballverein 1. FC Heidenheim: In vier Heidenheim-Spielen, die der 24-Jährige in den letzten Monaten pfiff, verteilte er an die Gegner des derzeitigen Tabellenführers der 3. Liga 15 Gelbe und zwei Rote Karten. Den FCH hingegen strafte Brand in denselben Spielen mit ganzen drei gelben Karten. Ähnlich ungerade sieht die Bilanz bei den Elfmetern aus: Heidenheim erhielt zwei zugesprochen. Die gegnerischen Mannschaften gingen selbst nach mehrfachen Handspielen im Strafraum leer aus.

“Ein Schiedsrichter, der der Sache nicht gewachsen war?”, fragte die Südwestpresse schon im Frühjahr, als der Franke das Spitzenspiel zwischen Heidenheim und Bielefeld mit zwei Elfmetern, zwei Roten Karten und einem klaren Ja zu einem umstrittenen Tor entschieden hatte. Aber erstaunlicherweise zeigt Benjamin Brands Kartenstatistik nur eine Unwucht, wenn Heidenheim mit auf dem Platz steht. Hier hat Brand in vier Begegnungen, die Heidenheim drei Siege und ein Remis brachten, drei Gelbe Karten an FCH-Spieler vergeben – und 15 an die gegnerischen Teams, die zudem noch zwei rote Karten und zwei Elfmeter einstecken mussten. Ein Verhältnis von 3:19 – während das normale Straf-Verteilverhältnis in Spielen unter Brands Leitung zwischen 12:8 wie beim Halleschen FC und 12:13 wie beim Chemnitzer FC liegt.

Bei neutralen Spielen pflegt der Nachwuchsmann also eine recht ausgewogene Entscheidungsfindung, selbst der VfR Aalen, der sich über seine Leitungsleistungen nicht beschweren kann, erreicht mit 8:16 nur ein Verhältnis voneiner Entscheidung gegen sich bei zwei Entscheidungen gegen den Gegner. Doch ist Heidenheim auf dem Platz, explodiert dieses Verhältnis auf imponierende 1:6 – ein Wert, dem auch Benjamin Brand bei keinem anderen der 15 Vereine auch nur entfernt nahekommt, bei denen er drei oder mehr Spiele geleitet hat. Auffällig auch, dass Brand in Heidenheim-Spielen insgesamt fast ein Fünftel mehr Karten zeigt (fünf pro Spiel, davon 74 Prozent für die Gegner des FCH) als in seinen übrigen 3.-Liga-Spielen (4,25 pro Spiel).

Selbst von der anderen Seite betrachtet fallen statistische Spitzen auf. In vier Spielen, die Benjamin Brand mit Heidenheim leitete, kassierten die Süddeutschen drei Gelbe Karten – 0,75 Karten pro Spiel. Ein sehr faires Team, offenbar, die Mannschaft des Ligafavoriten. Doch so fair denn doch nicht. Denn in den acht Partien, die der FCH bisher unter Leitung anderer Referees in der Saison 2013/2014 spielen musste – die von Brand geleitete Begegnung in Halle nicht mitgerechnet – kam die Mannschaft immerhin auf 16 Gelbe Karten – durchschnittlich zwei pro Spiel oder umgerechnet fast dreimal mehr als in den Spielen, die Benjamin Brand leitete.

Alles Zufall? Pech? Glück für Heidenheim? Oder pfeift da einfach ein Fan?

[Mit Dank & Gruß an politplatschquatsch.com und dortselbst vollständig im Original -> HFC: So pfeift der Fan, 16. September 2013]

Sachsenpokal 2011: Das Finale live

Heute Abend steigt das Finale im diesjährigem Sachsenpokal zwischen dem Neuleipziger Retortenprojekt mit Namen RasenBallsport Leipzig (RB Leipzig) und dem Chemnitzer FC, dem sensationellen Aufsteiger in die 3. Liga und dem amtierenden Pokalinhaber.

Nachdem eine interne Auslosung in der Stadt Leipzig (Sitz des SFV) in der Sportschule Egidius Braun (Abtnaundorf) durch eine angebliche Losfee vollzogen wurde, stand dann der Spielort im Leipziger Zentralstadion, heute ab 19.00 Uhr, fest. Warum keine öffentliche Auslosung in der Halbzeitpause während des letzten Halbfinals durchgeführt wurde, bleibt ein Geheimnis. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt …

Zuvor gab es leider bereits jede Menge Pleiten, Pech und Pannen, welche den Sächsischen Fußballverband (SFV) bei jeder möglichen Gelegenheit in ein schlechtes Licht rückten. Nicht selten wurden gar Rufe wegen absichtlicher Wettbewerbsverzerrung laut, wie zuletzt im Halbfinale zwischen RasenBallsport Leipzig gegen die SG Dynamo Dresden. Weitere unkompetente Aussagen in diesem Zusammenhang seitens einiger Verantwortlichen disqualifizierten die Verbandsführung zusätzlich.

Auch mit den Spielen von Kickers Markkleeberg und dem VfB Zwenkau 02 gab es ebenfalls gleich zwei weitere Possen in der Historie des Wernesgrüner Sachsenpokals 2011. Während die Markkleeberger gänzlich auf eine Austragung ihres Spiels wegen ständiger Terminverschiebungen verzichteten, versuchte es zumindest der VfB Zwenkau 02 aus eigener Kraft zu stemmen und brachte damit sich und seine Mitglieder wegen völlig überzogener Sicherheitsauflagen an den Rand des Ruins.

Sei es drum, das Finale dieses Wettbewerbs, wenn man es nach all den Blamagen überhaupt noch so nennen kann, wird am heutigen Mittwoch im Leipziger Zentralstadionüber die Bühne gehen. Etwa 15.000 Zuschauer werden beim Spiel zwischen RasenBallsport Leipzig und dem Chemnitzer FC erwartet, darunter auch zirka 2500 Chemnitzer Anhänger. Wer es nicht ins Stadion schafft, kann die Partie ab 18.55 Uhr als Video-Livestream im Internet verfolgen.

Foto: chemnitzerfc.de

Der Spruch des Tages kommt an dieser Stelle vom Tormann von RasenBallsport Leipzig: “RB war eigentlich ein absolutes No-Go. Ich hätte das nie machen dürfen. Es war der größte Fehler meines Lebens und sportlich der größte  Rückschritt. Am meisten bin ich von mir selbst enttäuscht, dass ich mich von Versprechen habe blenden lassen. Von wegen, wir werden die Bausteine des Projektes nicht vergessen. Nur Floskeln!”

Drücken wir gemeinsam die Daumen, dass der sächsische Pokal auch in Sachsen bleibt, und nicht in einer kalten Vitrine einer österreichischen Marketingzentrale landet. Der DFB-Pokal sollte würdig durch einen tradionellen Verein aus unserer ostdeutschen Region vertreten werden und nicht den Verkaufsstrategien großer ausländischer Konzerne dienen.

[ab]