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Der Ostfußball-Jahresrückblick 2012 – Teil 3

Ein Jahr Ostfußball geht wieder einmal zu Ende – einige sportliche Highlights des vergangenen Jahres 2012 abseits des heiligen Rasens auf einen Blick (Teil 3) –

Juli 2012

Die beiden Staffeln des NOFV für die Saison 2012/2013 sind nun vollständig.  Auf den ersten Blick haben die beiden ostdeutschen Oberligen nach der Reform der Regionalliga jedoch deutlich an Reiz verloren. Einige tradionelle Vereine mit Erfolgen aus längst vergangenen Tagen, wie beispielsweise BFC Dynamo, Anker Wismar sowie die beiden “Wackeren” aus Gotha und Nordhausen, lassen trotzdem noch alte Ostfußball-Herzen höher schlagen.

Vorschau Regionalliga Nordost: Sie hat das kleinste Teilnehmerfeld der insgesamt fünf Regionalligen und die wenigsten zweiten Mannschaften. Sie bietet viel Tradition und eine Menge reizvoller Spiele. Die sportliche Vorfreude im Ostfußball auf die neue Regionalliga ist daher enorm! “Die Zuschauerzahlen werden beträchtlich steigen”, ist Wilfried Riemer, Leiter Spielbetrieb beim Nordostdeutschen Fußballverband, überzeugt. Dafür sollen Klubs wie der FC Carl Zeiss Jena (Absteiger 3. Liga), der 1. FC Magdeburg, FSV Zwickau oder auch die beiden Leipziger Klubs 1. FC Lokomotive  sowie RasenBallsport sorgen.

Der österreichische Retortenverein mit dem unglücklich gewählten Namen RasenBallsport Leipzig hat wohl mittlerweile den Status des unbeliebtesten Vereins in ganz Deutschland erreicht. Zuletzt wurde erneut ein Testspiel wegen lautstarker Fanproteste in Chemnitz kurzerhand abgesagt. Aber auch in der ostdeutschen Provinz scheint man vielerorts nicht gerade gut auf derartige Projekte zu sprechen sein.

Laut der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zug drängt sich immer mehr der Verdacht auf, dass der mittlerweile 76-jährige Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA in seiner damaligen Funktion als Generalsekretär sehr wohl von Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe an seinen Amtsvorgänger Joao Havelange (96) und dessen ehemaligen Schwiegersohn Ricardo Teixeira (65) gewusst hat. Blatter leitete schon damals das Tagesgeschäft der FIFA.

Er war gekommen, um zu gewinnen – die Rede ist vom neuen Red-Bull-Sportdirektor Ralf Rangnick. Ehemals Trainer beim Retortenprojekt TSG Hoffenheim, später dann auf Schalke nach einem depressiven Burnout gescheitert. Doch der neuerliche Amtsantritt hätte für ihn schlimmer nicht kommen können, denn sein Salzburger Team verlor in der Qualifikation zur Champions-League gegen Düdelingen F91.

August 2012

Wegen unsportlichen Verhaltens von Dynamo-Anhängern beim Heimspiel gegen 1860 München am 23. März und beim Auswärtsspiel am 6. Mai beim FSV Frankfurt in der vergangenen Spielzeit bleibt der Stehplatzbereich zum ersten Heimspiel der 2. Bundesliga 2012/2013 gegen den TSV 1860 München geschlossen. Insgesamt durften nur 16.000 personalisierte Karten, davon 3.000 an Gästefans, verkauft werden. Durch diese harte Strafe des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) könnten sich die Einnahmeausfälle für Dynamo in Höhe von zirka 250.000 bis 300.000 Euro belaufen.

Nach der kurzfristigen Absage des Saisonauftaktspiels zwischen den Fußball-Regionalligisten FSV Zwickau und FC Carl Zeiss Jena ist eine gezielte Manipulation der Zuschauertribüne nicht auszuschließen. Die Zwickauer Polizei bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass Ermittlungen gegen Unbekannt wegen der gemeinschaftlichen Sachbeschädigung aufgenommen wurden. Sollte sich der Verdacht der Sabotage bestätigen, könnten sich daraus auch Ermittlungen wegen vorsätzlicher Körperverletzung ergeben.

Nach dem DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern kam es im Umfeld der DKB-Arena zu Auseinandersetzungen. Nach Polizeiinformationen handelte es sich hierbei um Übergriffe von Rostocker Ultras auf die Beamten. Bei den Vorkommnissen wurden auch Flaschen und Steine auf Busse geschmissen, in denen sich Hansa-Fans befanden.

Eigentlich hatte man ja gedacht, daß die Affenlaute gegenüber dunkelhäutigen Spielern in Chemnitz vor mehr als zehn Jahren endgültig ausgestorben sind. Irgendwann nach dem Wiederaufstieg in die 2. Liga muss es das letzte Mal gewesen sein, daß Olaf Kadner diesbezüglich eine Ansage machen musste. Umso peinlicher und unverständlicher ist es, daß dieser Schwachsinn plötzlich wieder Einzug gehalten hat.

Für den Verfassungsschutz ist es die größte rechtsextremistische Hooligangruppe in Brandenburg. Für den FC Energie Cottbus sind es normale Fans. Dafür, wie sich “Inferno” auswärts präsentiert, fühlt sich der Lausitzer Profiklub nicht zuständig. Kurz vor dem Start in die neue Spielsaison saßen Geschäftsführung, Fanbeauftragter und Pressesprecher des FC Energie mit den Vertretern der wichtigsten Fangruppierungen zusammen, um sich für die vorherige, “äußerst komplikationslose” Saison zu bedanken. Für die Gruppe “Inferno” saß “Willi” mit am Tisch.

September 2012

Der Fußballprofi Daniel Frahn hat seine Aussage, beim Leipziger Derby hätten Lok-Fans auch einen Rollstuhlfahrer attackiert, wieder dementiert. Auf seiner Facebook-Seite gab er dazu kurz und bündig so im Original bekannt. “Muss hier etwas Klarstellen: Möchte mich hier offiziell für die Aussage mit dem Rollstuhlfahrer Entschuldigen- habe da etwas falsch aufgenommen (es war ein Unfall wo kein Lok- Fan etwas mit am Hut hatte) Sorry” [Daniel Frahn]

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat nun ein Ermittlungsverfahren gegen den Verein 1. FC Union Berlin eingeleitet. Der Zweitligist wurde um eine schriftlich Stellungnahme gebeten. Die Berliner hatten bereits auf ihrer Internetseite das Banner mit der Aufschrift “FICK DICH, DFB!” verurteilt und sich beim Verband dafür entschuldigt.

Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Sachsen beobachtet im Freisstaat “erstmals” Fußballfans “wegen rechtsextremer Umtriebe”, berichtet die Sächsische Zeitung am dritten September-Wochenende dieses Jahres. Dabei handelt es sich um vier Gruppierungen, in denen offensichtlich Neonazis agieren, beruft sich die Sächsische Zeitung auf eine aktuelle Darstellung von Innenminister Markus Ulbig (CDU). Nach Angaben des Staatsministers zählen die Fan-Gruppen Scenario Lok und Blue Caps LE aus dem Umfeld des 1. FC Lok Leipzig sowie – den Chemnitzer FC tangierend –  New Society/NS Boys und Hoonara zu den aktuellen Beobachtungszielen des Verfassungsschutzes in Sachsen.

Auf einem Parkplatz der Autobahn 67 bei Rüsselsheim ist es wegen Ausschreitungen zwischen Fußballfans zu einem größeren Polizeieinsatz gekommen. Ungefähr 130 Anhänger der Vereine Fortuna Düsseldorf und Rot-Weiß Erfurt gerieten auf dem Parkplatz zwischen dem Mönchhof-Dreieck und der Anschlusstelle Rüsselsheim Ost aneinander. Die Busse der Fans waren zu unterschiedlichen Auswärtsspielen der Mannschaften unterwegs und trafen sich zufällig.

Im Lokalteil der Ostsee-Zeitung vom 24. September 2012 werden in dem Artikel ‘Halle-Fans zogen Rauchspur durch Rostock’ Behauptungen aufgestellt, die nicht der Wahrheit entsprechen.  So schreibt die Ostsee-Zeitung in ihrem Artikel ‘Bei ihrer Schlacht mit Feuerwerkskörpern provozierten sich die sogenannten Fußballfans aus Rostock und Halle nicht nur im Stadion gegenseitig mit Pyrotechnik’ und ‘Obwohl die Fans beider Fanblöcke auch im Stadion mehrfach zündelten, hatten sie nach dem Spiel offenbar noch immer nicht ihr Pulver verschossen’. Mit diesen Aussagen wird unterstellt, dass auch die Fans des F.C. Hansa Rostock im Stadion Pyrotechnik gezündet hätten. Diese Darstellung ist falsch. Von Seiten der Fans des F.C. Hansa Rostock kam es zu keinerlei Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion. Der F.C. Hansa Rostock hat die Ostsee-Zeitung zu einer Gegendarstellung aufgefordert.

Im Kampf gegen die Gewalt im deutschen Fußball hat die DFL ein weiteres Papier an die Vereine der 1. bis 3. Liga verschickt. Es dient als Diskussionsgrundlage für die Vollversammlung der Vereine in Frankfurt/Main. Bei dem Treffen der Klubs geht es dabei um konkrete Maßnahmen zum Thema Gewalteindämmung. Dieser neue Maßnahmenkatalog, welcher vorab bei Kicker veröffentlicht wurde, sieht zum Beispiel bei Verstößen eine Kürzung oder gar eine Streichung der Fernsehgelder vor.

Der Chemnitzer FC verbietet jegliche Symbolik der Gruppen Squadra Celeste, Kaotic und Ostpack. Diesen Gruppen zu zuordnende Personen sind im Stadion an der Gellertstraße einschließlich der dortigen Fanhalle unerwünscht und werden je nach Stand der Erkenntnisse mit Hausverbot beziehungsweise Stadionverbot belegt.

-> Ostfußball-Jahresrückblick 2012 – Teil 1

-> Ostfußball-Jahresrückblick 2012 – Teil 2

FC Hansa Rostock: Rettungsschirmchen in Sicht?

Genau so stetig wie die Ostsee tagein und tagaus an den Strand plätschert, versiegen die aktuellen Insolvenz-Schlagzeilen um den FC Hansa Rostock nicht – im Gegenteil.

Der Finanzausschuss der Stadt Rostock lehnte am 24. April mit deutlicher Mehrheit einen fiskalischen ‘Rettungsschirm’ für Hansa ab. Gleichfalls will auch das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern dem hochverschuldeten Fußballclub zumindest nicht direkt unter die Arme greifen. Ein verordneter Zwangsabstieg in die Regionalliga wäre die unausweichliche Folge, schlimmstenfalls sogar in die Oberliga. Nach Darstellung des SID habe der Verein insgesamt Verbindlichkeiten von knapp 16 Millionen Euro (Ostfussball.com berichtete). Zwischenzeitlich initiierten Rostocker Fans verschiedene Aktionen, um ihrem Club direkt und auch symbolisch beizustehen (Ostfussball.com berichtete ebenfalls).

Unterdessen resümierte eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die Hansas Sanierungskonzept begutachtet hat, dass zu einer dauerhaften Rettung des FC Hansa Rostock der Verkauf des eigenen Stadions grundlegend wäre. Der Prüfbericht, aus dem die Ostseezeitung zitiert, geht davon aus, dass der Traditionsverein von der Ostseeküste seine derzeitige Liquidität mit Krediten in Höhe von 2,6 Millionen Euro sichert. “Die Schulden des Vereins bezifferten die Experten auf 8,5 Millionen Euro” (ndr.de).

Zunächst allerdings müsste aber die Stadt Rostock – wie Ostfussball.com bereits berichtete – dem Hilfspaket für Hansa zustimmen, denn nur dann wäre ein Schuldenschnitt möglich. “Das von der Stadt zu stemmende Paket beinhaltet außer dem Teilerlass der 680.000 Euro Steuerschulden den Ankauf eines in Hansa-Besitz befindlichen Sportgeländes im Wert von 530.000 Euro und 750.000 Euro Zuschuss” (dpa).

Offener Brief der Mitarbeiter des F.C. Hansa Rostock e.V. und der Ostseestadion GmbH & Co. KG an die Rostocker Bürgerschaft  –

Sehr geehrte Damen und Herren der Rostocker Bürgerschaft,

die Mitarbeiter des F.C. Hansa Rostock e.V. und der Ostseestadion GmbH & Co. KG haben mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen, dass der Finanzausschuss der Bürgerschaft der Hansestadt Rostock das Maßnahmenpaket zum Fortbestand des Vereines leider abgelehnt hat.

Hiermit möchten die Mitarbeiter des F.C. Hansa Rostock e.V. und der Ostseestadion GmbH & Co. KG die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock herzlich darum bitten, das Sanierungskonzept zu unterstützen und sich persönlich für die Finanzierungshilfe einzusetzen.

Lassen Sie uns nicht fallen und unterstützen Sie uns in dieser Notsituation. Der F.C. Hansa Rostock e.V. ist mit seiner 47jährigen Clubgeschichte ein wichtiger Imageträger der Stadt und der Region und eine DER Marken unseres Landes Mecklenburg-Vorpommern. Hansa ist auch ein enormer Wirtschaftsfaktor für die Hansestadt Rostock und engagiert sich zudem auch im sozialen Bereich sehr stark (…)

Es geht darum, den Fußballstandort Rostock zu erhalten. Kein Veranstaltungsort oder Verein im Land zieht so viele Menschen aus unserer Region und darüber hinaus an, die sich mit einem überregionalen Aushängeschild identifizieren. Nicht zuletzt geht es auch um direkte, wie indirekte Arbeitsplätze.

Wir sind der festen Überzeugung, dass der F.C. Hansa Rostock e.V. mit Ihrer Unterstützung und auch der Unterstützung unserer Mitglieder, Fans und Sponsoren auf dem richtigen Weg ist, den Verein zu sanieren.

Wir bitten Sie, diesen Brief an möglichst viele Empfänger weiterzuleiten und in den Fraktionen zu verteilen. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen
Die Mitarbeiter des F.C. Hansa Rostock e.V. und der Ostseestadion GmbH & Co. KG

Derweil soll die eigentlich bislang für den 9. Mai geplante Abstimmung der Bürgerschaft Rostock für eine allein thematische Sondersitzung um eine Woche verschoben werden. Unterstellt angestrebte Planungssicherheit für einen sich in sehr schwerem Fahrwasser befindlichen Fußballverein kann auch anders aussehen. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

[om]