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Das Ostderby-Wochenende: Medienfokus

Dieser Zweit- und Drittliga-Spieltag hatte es durchaus in sich, denn gleich drei brisante Ostderbys zogen am vergangenen Wochenende tausende ostdeutsche Zuschauer in ihren Bann. Dabei standen natürlich diese Paarungen auch ganz hoch in der Zuschauergunst und bescherten den Vereinen kräftige Einnahmen in die ansonsten chronisch klammen Kassen.

Aber fast wäre die Party in Aue noch ausgefallen, doch nachdem der Dynamo-Vorstand ankündigte ohne seine Fans anzureisen, verkaufte Aue kurzerhand 2.700 Tickets in Dresden über einen Sponsor auf eigene Faust (Ostfussball.com berichtete). Und wenn man von der durchaus sehenswerten Pyro-Choreo der Rostocker Ultras in Halle absieht, blieb es auch überall in den Stadien friedlich –

FC Energie Cottbus vs. 1. FC Union Berlin: (…) Mit 2:1 (1:1) hat Energie Cottbus das Ost-Derby gegen Union Berlin gewonnen. Obwohl Energie über 50 Minuten lang in Unterzahl spielen musste, erarbeiteten sich die Gastgeber den wichtigen Heimsieg. Cottbus hält damit Anschluss an die Aufstiegsränge. Vor 15.000 Zuschauern im Stadion der Freundschaft in Cottbus brachte Daniel Adlung Energie in Führung (10. Minute). Der Ex-Cottbusser Torsten Mattuschka glich per Elfmeter aus, gleichzeitig flog der Cottbusser Alexander Bittroff mit Rot vom Platz (38.). Nach der Pause erzielte Boubacar Sanogo den Siegtreffer (68.). Für Cottbus war es der erste Heimsieg seit Ende November, Union wartet nunmehr seit 21 Jahren auf einen Sieg in Cottbus (…) [sportal.de]

FC Erzgebirge Aue vs. SG Dynamo Dresden: (…) Erleichterung beim FC Erzgebirge Aue – Frust bei Dynamo Dresden, Veilchen gewinnen Kellerduell mit 1:0 – Karsten Baumann sitzt weiterhin auf der Trainerbank. Die Spieler in Lila-Weiß sanken mit dem Schlusspfiff erleichtert und erschöpft auf den arg ramponierten Rasen, der in die Kritik geratene Trainer Karsten Baumann atmete ganz tief durch, und auf der Tribüne fielen sich die Vereinsoberen glücklich in die Arme: Nach fünf sieglosen Partien und dem Absturz auf Rang 15 landeten die Veilchen im Sachsenderby den herbeigesehnten Befreiungsschlag. Mit 1:0 (1:0) bezwang die Baumann-Elf am Sonntag das punktgleiche Team aus Dresden (…) [freiepresse.de]

 

(Foto: Ostfussball.com)

Hallescher FC vs. FC Hansa Rostock: (…) Hansa Rostock unterliegt dem Halleschen FC mit 1:3. In Unterzahl muss sich Hansa beim Ost-Derby in Halle klar mit 3:1 geschlagen geben. Hinten zu null spielen, lautete die oberste Maxime von Hansa-Trainer Marc Fascher vor dem Ost-Duell gegen den Halleschen FC. Doch es kam anders, ganz anders. Gleich drei Mal musste Hansa-Torwart Johannes Brinkies in den ersten 30 Minuten hinter sich greifen. Und so war die Partie für die Rostocker trotz zwischenzeitlichem Anschlusstreffer von Johan Plat spätestens nach der Roten Karte gegen Leonhard Haas endgültig gelaufen (…) [rostock-heute.de]

FC Hansa Rostock: Rettungsschirmchen in Sicht?

Genau so stetig wie die Ostsee tagein und tagaus an den Strand plätschert, versiegen die aktuellen Insolvenz-Schlagzeilen um den FC Hansa Rostock nicht – im Gegenteil.

Der Finanzausschuss der Stadt Rostock lehnte am 24. April mit deutlicher Mehrheit einen fiskalischen ‘Rettungsschirm’ für Hansa ab. Gleichfalls will auch das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern dem hochverschuldeten Fußballclub zumindest nicht direkt unter die Arme greifen. Ein verordneter Zwangsabstieg in die Regionalliga wäre die unausweichliche Folge, schlimmstenfalls sogar in die Oberliga. Nach Darstellung des SID habe der Verein insgesamt Verbindlichkeiten von knapp 16 Millionen Euro (Ostfussball.com berichtete). Zwischenzeitlich initiierten Rostocker Fans verschiedene Aktionen, um ihrem Club direkt und auch symbolisch beizustehen (Ostfussball.com berichtete ebenfalls).

Unterdessen resümierte eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die Hansas Sanierungskonzept begutachtet hat, dass zu einer dauerhaften Rettung des FC Hansa Rostock der Verkauf des eigenen Stadions grundlegend wäre. Der Prüfbericht, aus dem die Ostseezeitung zitiert, geht davon aus, dass der Traditionsverein von der Ostseeküste seine derzeitige Liquidität mit Krediten in Höhe von 2,6 Millionen Euro sichert. “Die Schulden des Vereins bezifferten die Experten auf 8,5 Millionen Euro” (ndr.de).

Zunächst allerdings müsste aber die Stadt Rostock – wie Ostfussball.com bereits berichtete – dem Hilfspaket für Hansa zustimmen, denn nur dann wäre ein Schuldenschnitt möglich. “Das von der Stadt zu stemmende Paket beinhaltet außer dem Teilerlass der 680.000 Euro Steuerschulden den Ankauf eines in Hansa-Besitz befindlichen Sportgeländes im Wert von 530.000 Euro und 750.000 Euro Zuschuss” (dpa).

Offener Brief der Mitarbeiter des F.C. Hansa Rostock e.V. und der Ostseestadion GmbH & Co. KG an die Rostocker Bürgerschaft  –

Sehr geehrte Damen und Herren der Rostocker Bürgerschaft,

die Mitarbeiter des F.C. Hansa Rostock e.V. und der Ostseestadion GmbH & Co. KG haben mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen, dass der Finanzausschuss der Bürgerschaft der Hansestadt Rostock das Maßnahmenpaket zum Fortbestand des Vereines leider abgelehnt hat.

Hiermit möchten die Mitarbeiter des F.C. Hansa Rostock e.V. und der Ostseestadion GmbH & Co. KG die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock herzlich darum bitten, das Sanierungskonzept zu unterstützen und sich persönlich für die Finanzierungshilfe einzusetzen.

Lassen Sie uns nicht fallen und unterstützen Sie uns in dieser Notsituation. Der F.C. Hansa Rostock e.V. ist mit seiner 47jährigen Clubgeschichte ein wichtiger Imageträger der Stadt und der Region und eine DER Marken unseres Landes Mecklenburg-Vorpommern. Hansa ist auch ein enormer Wirtschaftsfaktor für die Hansestadt Rostock und engagiert sich zudem auch im sozialen Bereich sehr stark (…)

Es geht darum, den Fußballstandort Rostock zu erhalten. Kein Veranstaltungsort oder Verein im Land zieht so viele Menschen aus unserer Region und darüber hinaus an, die sich mit einem überregionalen Aushängeschild identifizieren. Nicht zuletzt geht es auch um direkte, wie indirekte Arbeitsplätze.

Wir sind der festen Überzeugung, dass der F.C. Hansa Rostock e.V. mit Ihrer Unterstützung und auch der Unterstützung unserer Mitglieder, Fans und Sponsoren auf dem richtigen Weg ist, den Verein zu sanieren.

Wir bitten Sie, diesen Brief an möglichst viele Empfänger weiterzuleiten und in den Fraktionen zu verteilen. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen
Die Mitarbeiter des F.C. Hansa Rostock e.V. und der Ostseestadion GmbH & Co. KG

Derweil soll die eigentlich bislang für den 9. Mai geplante Abstimmung der Bürgerschaft Rostock für eine allein thematische Sondersitzung um eine Woche verschoben werden. Unterstellt angestrebte Planungssicherheit für einen sich in sehr schwerem Fahrwasser befindlichen Fußballverein kann auch anders aussehen. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

[om]

Fundstück des Tages # 200 [Hansa-Fans, Pfefferspray, Irrfahrt nach Duisburg]

In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist schon einiges postulieren und dabei zuweilen gleichfalls bereits einfach ihrerseits irgendwie selbst vor sich hin sprechen …

(…) Als sich am Sonntag ein gut 300 Mann starker Tross Richtung Duisburg aufmachen wollte, ging so einiges daneben. Viel zu lachen gab es unterwegs trotzdem. Eine traurig-lachhafte Chronik. Sonntag, es ist 2.30 Uhr in der Nacht. Rund 300 Hansa-Fans wollen in Berlin gerade zum Gleis gehen, von wo aus sie mit Regionalzügen in den Ruhrpott fahren, als Aufregung durch die Gruppe geht. Diese, ausgehend von einem Hertha-Fanclub, zieht sich noch einige Minuten. Einige Minuten in denen Polizeibeamte viel Pfefferspray anwendungswidrig direkt in Augen sprühen und mit Knüppeln derart oft auf Leute einschlagen, dass einige Fans ins Krankenhaus müssen. Diejenigen, die auf dem Gleis geblieben waren, blockieren den Zug. Eine Stunde später steht fest, dass mit diesem Zug niemand mehr seine Anschlüsse erreicht. Der Zug wird mit einer Stunde Verspätung freigegeben. Nach insgesamt etwa 3 bis 4 Stunden brechen die Hansafans nun Richtung Duisburg auf und bereits in Magdeburg wartet die nächste Überraschung. Beim Aussteigen wird ihnen zunächst verweigert auf den benachbarten Bahnsteig zu gehen, um ihren Anschlusszug zu bekommen, der noch einigermaßen erlauben würde, dass man das Spiel des FCH rechtzeitig erreicht. Nach kurzen Diskussion folgt abermals der massive Einsatz von Pfefferspray durch sogenannte Ordnungshüter. Wieder wird der Zug verpasst. Die Chance auf rechtzeitiges Erscheinen am Spielort hat nun keiner mehr, aber alle fahren weiter.

(…) Ankunft dann irgendwann in Duisburg als die Partei schon ihre 60.Minute zählt. Am Bahnhof sind die Beamten so freundlich und kontrollieren uns schon vor Ort, damit wir uns das Procedere am Stadion sparen können. Außerdem sind sie so nett uns mit Bussen zum Stadion zu karren. Zu nett. Zu nett auch, dass die Kontrollen derartig langsam von statten gehn und mit solchen Mitteln, die eher einer Massenverhaftung ähneln, dass man immernoch so richtig Bock auf Fußball hat. Mit jeweils zwei Beamten wurden die Fans bewegungsunfähig fixiert, dann kontrolliert. Dass das so so einige Minuten dauert, muss wohl nicht extra erzählt werden. Als die ersten das Stadion dann erreichen, wird das Spiel noch etwa 20 Minuten laufen. Na hey! Darauf hat man sich doch nach 12 Stunden so richtig gefreut!

(…) Auf dem Rückweg vom Stadion dürfen die Hansafans sich dann frei bewegen. Als Begründung hieß es vor einer halben Stunde noch, das nur am Rand, dass man mit Bussen zum Stadion gebracht werde, weil sie einen aus Sicherheitsgründen nicht allein durch Duisburg laufen lassen würden. Merkwürdig wie schnell sich die Situation verändert. Als dann abermals auf dem Bahnsteig Duisburg-Schlenk Fans darauf drängen, dass sie Anschlusszüge bekommen müssen und doch bitte mal Durchlass und Abfahrt gewährt werden solle, setzen die Beamten wieder auf Eskalation. Massiver Einsatz von Pfefferspray direkt in die Augen und militant auftretende Beamte prägen erneut das Bild. Irgendwie glückliches Ende hat es für unsere Reisegruppe, als wir dann immerhin noch die Reststrecke ab Hannover mit dem Schnellzug zurücklegen dürfen. (…)

[Quelle im vollständigen Original -> “Dann brauch ich gar nicht mehr mitfahren”, ericcantona.blogsport.de, 15. August 2011, 14:10]