Schlagwort-Archiv: Fußball-Verband

Fundstück des Tages # 69 [Dietmar Beiersdorfer, RB Leipzig, Geschichte schreiben]

In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges selbst postulieren; und dabei einfach für oder gegen sich sprechen …

(…) Dietmar Beiersdorfer verantwortet den Bereich Fußball bei Red Bull. Der österreichische Getränkehersteller engagiert sich als Sponsor in etlichen Sportarten wie der Formel 1 und Fußball und strebt mit dem FC Red Bull Salzburg, den New York Red Bulls und neuerdings auch mit RB Leipzig sein Marketingkonzept voran.

(…) Inwieweit ist das Projekt Leipzig schon etabliert und auch akzeptiert?

Beiersdorfer: Es war ein schwieriger Beginn, aber jetzt sind die Prozesse im Laufen. Unser Weg ist der einzige, der auf Sicht Profifußball in der Region möglich macht. Aus Gesprächen mit Leipzigs Oberbürgermeister und Vertretern aus der Wirtschaft und des sächsischen Fußballverbandes habe ich den Eindruck gewonnen, dass wir ernst genommen werden.

Seit dieser Saison spielt RB Leipzig im Zentralstadion, an dem Red Bull sich gleichfalls die Namensrechte gesichert hat. Ist die Spielstätte für Regionalligafußball aber nicht gewaltig überdimensioniert?

Beiersdorfer: Mit dem Besitzer des Stadions (Michael Kölmel – d.R.) haben wir einen vernünftigen Vertrag geschlossen, dessen finanzielle Komponente sich nach der Ligenzugehörigkeit richtet. Wir haben eine gute Heimstätte gefunden.

Zum ersten Spiel gegen Türkiyemspor kamen nur 4.000 Zuschauer in die zehnmal so viel fassende Arena.

Beiersdorfer: Das muss sich alles entwickeln, wir waren mit dieser Zahl sehr zufrieden. Begeistert waren wir davon, dass innerhalb einer Stunde alle 16 VIP-Logen für die komplette Saison verkauft waren.

Mateschitz hat erklärt, Leipzig solle “in fünf bis sieben Jahren” international spielen. Suchen nicht auch Sie, der mit dem HSV schon ganz oben mitspielte, die Augenhöhe zum FC Bayern?

Beiersdorfer: Dafür müssten wir sehr, sehr viel Geld in die Hand nehmen – sehr viel mehr, als wir es jetzt tun. Der FC Bayern wächst seit 1965, also seit knapp fünf Jahrzehnten. Was wir den Bayern aber gern streitig machen würden: Im Moment sind sie geografisch gesehen der östlichste Bundesliga-Klub. Das würden wir ganz gern werden. Für weiterführende Kampfansagen stehe ich nicht bereit. Moment, ich zeige Ihnen etwas.

Das sind Luftbildaufnahmen eines Trainingsgeländes?

Beiersdorfer: Es stehen drei Areale in und um Leipzig zur Auswahl. Gespräche mit der Stadt und dem sächsischen Verband laufen. Wir wollen langfristig einen Verein aufbauen, der organisch wächst. Dazu braucht es Strukturen, Wurzeln.

Vieles daran erinnert an das Modell Hoffenheim …

Beiersdorfer: … das mit einem klaren Konzept ja kein schlechtes ist. Trotzdem wollen wir keinen Klub kopieren, sondern unser eigenes Original sein. Wir wollen eigene Geschichte schreiben.

Das wollte Red Bull auch in Salzburg, doch dort ist das Vorhaben gescheitert, den Klub unter Europas Top 15 zu etablieren. Warum?

Beiersdorfer: Weil die Ankündigung selbstverständlich zu hoch gegriffen war. Das geben die Rahmenbedingungen im österreichischen Fußball einfach nicht her.

Und deswegen soll in Salzburg künftig ein Ausbildungsteam spielen, während der Fokus auf den Standort Leipzig verlagert wird?

Beiersdorfer: Die Dimensionen im deutschen Fußball sind einfach ganz andere. Die Bundesliga generiert knapp 500 Millionen Euro TV-Gelder, in Österreich sind es gerade einmal 17 Millionen. Die deutsche Bundesliga ist eine der besten Ligen in Europa, sie ist zuletzt überproportional gewachsen, ihr Zuschauerschnitt steigt Jahr für Jahr und liegt zurzeit bei etwa 46.000 Besuchern pro Spiel. Dorthin wollen wir – und irgendwann auch in die internationale Topklasse (…)

Faksimile: glassblog.wordpress.com
Faksimile: glassblog.wordpress.com

[Interview-Auszug: Dietmar Beiersdorfer – Wo RB Leipzig den FC Bayern ablösen will — welt.de, 17. August 2010, 14:02]

Billiger Boykott im Zwickauer Sachsenpokal-Halbfinale durch Aues Anhänger?

Nach den letzten beiden Viertelfinals im sächsischen Landespokal (ostfussball.com berichtete) stehen nun in der ersten Mai-Woche die Halbfinalbegegnungen an. Die allgemeine Wertschätzung für diesen Pokal-Wettbewerb durch den ausrichtenden Verband drückt sich, egal ob der Spielausfälle in den Wintermonaten oder der immer wieder herbei zitierten Sicherheitslagen im Freistaat, allein schon bei der Terminfindung für die beiden Vor-Final-Spiele aus (ostfussball.comFundstück des Tages).

So bescheren die Ansetzungen des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) dem Chemnitzer FC und der SG Dynamo Dresden einen Montagabend-Auftritt am 3. Mai und der FSV Zwickau empfängt den FC Erzgebirge Aue drei Abende später an einem Donnerstag zur zweiten Halbfinal-Paarung. Wobei dieses Spiel noch nicht einmal völlig fix terminiert ist, denn zwei Tage später spielen die ‘Veilchen’ beim SV Werder Bremen II um vielleicht dann immer noch entscheidende Punkte für den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Die Sächsische Zeitung zitierte kürzlich dahingehend Lutz Mende, Leiter Spielbetrieb beim SFV: “Wenn Aue dann noch Punkte brauchen sollte, müsste der Verein den Antrag auf Verlegung des Sachsenpokal-Halbfinals stellen. Dieser Bitte würden wir im Interesse des sächsischen Fußballs natürlich gern entsprechen”. Nachfolgend würde sich dann natürlich auch das Finale verschieben, für das durch den Verband bis dato auch noch kein Austragungsort festgelegt wurde.

Der mittelgroße Termin-Wirrwarr um die letzten Spiele im sächsischen Pokal wiederum scheint gewisse so genannte Fan-Kreise aus Aue allerdings weniger zu interessieren als die Tatsache, dass es im Pokal-Halbfinale schließlich gegen den scheinbar bei einigen in gerade hinter sich gebrachten Krabbelgruppen-Zeiten erkorenen Erz-Rivalen aus Zwickau geht. Und wie können Fußball-Fans, die am Fußball-Sport interessiert zu scheinen vorgeben – gar noch an einer Pokal-Auswärtsunterstützung der eigenen Mannschaft – einem nach wie vor von Insolvenz bedrohten Fußball-Verein wie dem FSV Zwickau (ostfussball.com berichtete mehrfach) am aufrichtigsten schaden? – Ja, indem das Spiel boykottiert wird, um dem gastgebenden Verein seinen Anteil an den Einnahmen aus der Partie zu vermiesen.

Foto: Leere Ränge - Fans? Ultras? (Quelle: sportgate.de)
Foto: Leere Ränge - Fans? Ultras? (Quelle: sportgate.de)

Nach dem in einem Ultra-Forum die Andeutung eines etwaigen Boykotts von Auer Seite postuliert wurde, lautete eine der ersten Antworten darauf kurz und treffend –

“Solltet Ihr das Spiel wirklich boykottieren, macht Ihr Euch absolut lächerlich. Absoluter Schwachsinn das! So was wünscht man nicht mal seinem Erzfeind. Aber bei einigen ist der Hass wohl mittlerweile allgemein so groß, dass vergessen wird, um was es hauptsächlich geht beim Fußball. Schon erschreckend!

Ach ja, hatte Aue vor zirka zwei Wochen nicht erst das Spruchband ‘ULTRAS! IHR HABT EINE PFLICHT – VERGESST DEN FREUND IM GEGNER NICHT’ oder sowas? Sehr glaubwürdig durch solche Aktionen (…)” [ultras.ws]

Mittlerweile wird der “Zwickau-Zoff” auch von Print-Medien aufgegriffen und dort mehr oder weniger seriös reflektiert –

“(…) in FCE-Fankreisen wird momentan darüber diskutiert, die Partie in Zwickau zu boykottieren. Damit würden dem insolvenz-gefährdeten FSV erhoffte Einnahmen, die zur Rettung des Vereins vorgesehen waren, durch die Lappen gehen” [Dresdner Morgenpost, 26. April 2010]

Wenn es denn wirklich so kommen sollte, wäre es jedenfalls ganz flaches Tennis aus der alleruntersten Kategorie: Fußball-Fans? – Nein. Ultras? – Schon gar nicht. Billig? – Ja! Hope dies last. [om]

FC Hansa Rostock: Erneute Aussperrung der Fans

Erneut müssen sich die Fans von Hansa Rostock mit weniger und zudem personalisierten Tickets beim letzten Spiel der Saison in Düsseldorf abfinden.

“(…) In den Gesprächen mit den Düsseldorfer Vereinsvertretern sowie der Düsseldorfer Polizei, die ursprünglich nur 1.200 personalisierte Tickets in den Verkauf geben wollte, einigten sich alle beteiligten Parteien letztendlich auf 2.500 personalisierte Eintrittskarten (…)” [FC Hansa Rostock]

Eigentlich würden den Hansa-Fans nach der 10-Prozent-Regelung aber 4.000 Eintrittskarten zustehen. Doch gerade beim wahrscheinlich wichtigsten Spiel der Saison für den Verein von der Ostsee werden also diese grundlegenden Rechte der Fußballfans wiederholt beschnitten – ein Zustand, der keinesfalls zu akzeptieren ist!

Solidarisch zeigen sich jetzt die Düsseldorfer Ultras, die auf ihrer Homepage einen Teil-Boykott für dieses Spiel in Aussicht stellen.

“(…) Deshalb steht für uns fest, dass wir dieses Spiel nicht als Gruppe besuchen werden. Wir werden den Block 42 fünf Minuten später betreten, es gibt keine Fahnen, keinen organisierten Support. Das geht natürlich nicht gegen die Mannschaft, die bereits informiert wurde. Und wir wollen auch niemandem diktieren, uns zu folgen oder uns gar anmaßen, dem Rest des Stadions das Singen zu verbieten. Wir wollen einfach ein Zeichen setzen und freuen uns über jegliche Solidarität.  Denn dieses Thema geht uns alle an.  Heute ist es Rostock, bald sind es vielleicht wir, wenn wir ein entscheidendes Auswärtsspiel haben oder es (endlich) mal wieder gegen die widerlichen Kölner geht. So weit darf es nicht kommen (…)” [Ultras Düsseldorf]

kv_21
Foto: Sind Fans per se Verbrecher? (Quelle: flickr.com)

Zuletzt gab es ähnliche Einschnitte bei den Fanrechten bei Spielen von Dynamo Dresden und dem FC Hansa Rostock und so langsam hat man den Verdacht, es könnte in Deutschland zur Gewohnheit verkommen. Die betroffenen Vereine sollten sich endlich stärker dagegen engagieren und  ihre Position hinter den eigenen Fans suchen, anstatt sich von sichtlich überforderten Funktionären der Altherren-Verbände auf der Nase herum tanzen zu lassen – denn: “Stellt euch vor, es ist Fußball und keiner darf hin …” (ostfussball.com berichtete mehrfach). [ab]