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Fundstück des Tages # 200 [Hansa-Fans, Pfefferspray, Irrfahrt nach Duisburg]

In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist schon einiges postulieren und dabei zuweilen gleichfalls bereits einfach ihrerseits irgendwie selbst vor sich hin sprechen …

(…) Als sich am Sonntag ein gut 300 Mann starker Tross Richtung Duisburg aufmachen wollte, ging so einiges daneben. Viel zu lachen gab es unterwegs trotzdem. Eine traurig-lachhafte Chronik. Sonntag, es ist 2.30 Uhr in der Nacht. Rund 300 Hansa-Fans wollen in Berlin gerade zum Gleis gehen, von wo aus sie mit Regionalzügen in den Ruhrpott fahren, als Aufregung durch die Gruppe geht. Diese, ausgehend von einem Hertha-Fanclub, zieht sich noch einige Minuten. Einige Minuten in denen Polizeibeamte viel Pfefferspray anwendungswidrig direkt in Augen sprühen und mit Knüppeln derart oft auf Leute einschlagen, dass einige Fans ins Krankenhaus müssen. Diejenigen, die auf dem Gleis geblieben waren, blockieren den Zug. Eine Stunde später steht fest, dass mit diesem Zug niemand mehr seine Anschlüsse erreicht. Der Zug wird mit einer Stunde Verspätung freigegeben. Nach insgesamt etwa 3 bis 4 Stunden brechen die Hansafans nun Richtung Duisburg auf und bereits in Magdeburg wartet die nächste Überraschung. Beim Aussteigen wird ihnen zunächst verweigert auf den benachbarten Bahnsteig zu gehen, um ihren Anschlusszug zu bekommen, der noch einigermaßen erlauben würde, dass man das Spiel des FCH rechtzeitig erreicht. Nach kurzen Diskussion folgt abermals der massive Einsatz von Pfefferspray durch sogenannte Ordnungshüter. Wieder wird der Zug verpasst. Die Chance auf rechtzeitiges Erscheinen am Spielort hat nun keiner mehr, aber alle fahren weiter.

(…) Ankunft dann irgendwann in Duisburg als die Partei schon ihre 60.Minute zählt. Am Bahnhof sind die Beamten so freundlich und kontrollieren uns schon vor Ort, damit wir uns das Procedere am Stadion sparen können. Außerdem sind sie so nett uns mit Bussen zum Stadion zu karren. Zu nett. Zu nett auch, dass die Kontrollen derartig langsam von statten gehn und mit solchen Mitteln, die eher einer Massenverhaftung ähneln, dass man immernoch so richtig Bock auf Fußball hat. Mit jeweils zwei Beamten wurden die Fans bewegungsunfähig fixiert, dann kontrolliert. Dass das so so einige Minuten dauert, muss wohl nicht extra erzählt werden. Als die ersten das Stadion dann erreichen, wird das Spiel noch etwa 20 Minuten laufen. Na hey! Darauf hat man sich doch nach 12 Stunden so richtig gefreut!

(…) Auf dem Rückweg vom Stadion dürfen die Hansafans sich dann frei bewegen. Als Begründung hieß es vor einer halben Stunde noch, das nur am Rand, dass man mit Bussen zum Stadion gebracht werde, weil sie einen aus Sicherheitsgründen nicht allein durch Duisburg laufen lassen würden. Merkwürdig wie schnell sich die Situation verändert. Als dann abermals auf dem Bahnsteig Duisburg-Schlenk Fans darauf drängen, dass sie Anschlusszüge bekommen müssen und doch bitte mal Durchlass und Abfahrt gewährt werden solle, setzen die Beamten wieder auf Eskalation. Massiver Einsatz von Pfefferspray direkt in die Augen und militant auftretende Beamte prägen erneut das Bild. Irgendwie glückliches Ende hat es für unsere Reisegruppe, als wir dann immerhin noch die Reststrecke ab Hannover mit dem Schnellzug zurücklegen dürfen. (…)

[Quelle im vollständigen Original -> “Dann brauch ich gar nicht mehr mitfahren”, ericcantona.blogsport.de, 15. August 2011, 14:10]

 

FC Hansa Rostock: Geplante Notbremse

Wie wir bereits in unseren wöchentlichen Informationen der “Spieltage-Berichte” mitgeteilt hatten, ist es am vergangenen Sonntag in Rostock zu Ausschreitungen im Umfeld des 3. Liga-Spiels FC Hansa Rostock gegen Eintracht Braunschweig gekommen.

(…) Randalierende Fußballfans haben vor der Drittliga-Begegnung zwischen dem FC Hansa Rostock und Eintracht Braunschweig am Sonntag zeitweise den Rostocker Hauptbahnhof lahmgelegt. Die Bundespolizei ging mit zahlreichen Einsatzkräften gegen die vielfach stark alkoholisierten Randalierer vor, wie eine Sprecherin sagte (…) [ostfussball.com]

So wurde von Medien und Pressestellen teilweise berichtet, dass es zu einem Angriff durch Rostocker Hooligans kurz vor der Einfahrt des Zuges in den Rostocker Hauptbahnhof gekommen sei. Daraufhin wurde die Notbremse im Sonderzug der Braunschweiger gezogen. Das ist so nicht richtig dargestellt!

Laut unseren Informationen wurde die Notbremse durch Braunschweiger gewaltbereite Fans gezogen, um so in die Stadt zu gelangen und sich dort zu einer Verabredung mit den Rostockern zu treffen, zu der es aber nicht kam. Die Polizei konnte die Randalierer zurück in die Abteile treiben und setzte dabei Pfefferspray ein. Dabei wurde teilweise auch in die Waggons der Deutschen Bahn gesprüht, so dass sich dort schnell Panik ausbreitete.

Als der Zug in den Bahnhof einfuhr, haben sich dann unglaubliche Szenen abgespielt. Augenzeugen verglichen die Zustände mit der Loveparade in Duisburg – “ein Wunder, dass es keine Toten gab!” Auch die Fahrt mit den Shuttle-Bussen zur DKB-Arena gestaltete sich schwierig, es kam dort zu mehreren Sachbeschädigungen. Über die Höhe des Sachschadens wurden bisher keine Angaben bekannt.

Zu einem Angriff auf den Zug durch Rostocker Hooligans kam es aber dann trotzdem. Bei der Abfahrt gingen durch Wurfgeschosse, wie Flaschen und Steine, etliche Scheiben zu Bruch, hierbei wurden auch Personen in den Abteilen verletzt. Angeblich waren bei dieser Aktion lediglich nur drei Angreifer beteiligt. Der Sonderzug kam erst mit 90 Minuten Verspätung wieder in Braunschweig an.

Gestern wurden die ersten Stadienverbote in Braunschweig ausgesprochen, weitere werden in den nächsten Tagen folgen. Der Verein distanziert sich indes auf seiner Homepage von den Vorfällen: “Wir möchten auf diesem Wege noch einmal deutlich machen, dass wir uns von jeglicher Form von Gewalt ausdrücklich distanzieren! Zu allen weiteren Vorgängen äußern sich Geschäftsführung, Sicherheitsbeauftragter und Fanbeauftragter von Eintracht Braunschweig sowie das Fanprojekt Braunschweig erst dann, wenn in enger Zusammenarbeit mit der Polizei alle Ermittlungen vorliegen und ausgewertet sind.”

[ab]

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