Schlagwort-Archiv: Blatter

United Passions: Es hätte alles so schön werden können …

… ist es aber nicht! Die Rede ist vom neuen Kinofilm “United Passinos” – ein Streifen über die schöne heile Welt der FIFA, samt ihrer schillernden Lichtgestalten und edlen Gönnern im Dienste des Fußballs. Sepp Blatter selbst hatte sogar extra mit 16 Millionen £ vorfinanziert. Doch in den USA spielte das “Blattersche Heldenepos” an den ersten beiden Tagen in den Kinos lediglich 607 Dollar ein.

Und das, obwohl echte Superstars für den Dreh eingekauft wurden. So tritt Gérard Depardieu als das legendäre Gründungsmitglied Jules Rimet auf, Sam Neill und Thomas Kretschmann spielen ebenso mit. Und auch Tim Roth ist dabei: Der englische Schauspieler, der in den Tarantino-Filmen “Reservoir Dogs” und “Pulp Fiction” Gauner spielte, verkörpert hier Sepp Blatter.

United Passinos Trailer

(…) Der Film erhielt sehr schlechte Kritiken. Der Wertungsaggregator Metacritic ermittelt eine Durchschnittswertung von lediglich 1 %, RottenTomatoes verzeichnet sogar eine durchschnittliche Wertung von 0 %. The Guardian bewertet den Film mit einem von fünf möglichen Sternen und kritisiert ihn als “Reine Propaganda” und “Filmisches Exkrement”. Auch The Independent zerreißt den Film und nennt ihn “lächerlich schlecht”. Schauspieler Tim Roth distanzierte sich bereits vor Kinostart von United Passions und entschuldigte sich für sein Mitwirken (…) [wikipedia.de]

Da kann jetzt wirklich nur noch der geplante vierte Teil zu der Pate IV die Angelegenheit retten. Darin soll ja bekanntlich Sepp Blatter selbst die Hauptrolle spielen – allerdings nur, wenn der FIFA-Chef auch wirklich Zeit dafür finden wird. So wird aktuell gemunkelt, dass er eventuell bald mit dem FC Bayern-Nachwuchskoordinator Ulrich H. aus M. eine gemeinsame Unterkunft bei Landsberg beziehen soll. Und das wirft natürlich jede Menge Fragen auf …

FDT # 412 [Mafiajäger wird bei FIFA fündig]

In loser Folge dokumentiert Ostfussball.com in der Rubrik ‘Fundstück Des Tages’ [FDT] mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist schon einiges postulieren, dabei ihrerseits selbst irgendwie vor sich hin sprechen und eben einfach nur kleine Geschichten erzählen oder an beispielsweise auf Ostfussball.com dahingehend veröffentlichte Publikationen fast nahtlos anzuschließen scheinen …

(…) Die Fifa holte den Mafiajäger Garcia, es sollte nach Reform aussehen. Dass der Ernst macht und sich über die Fifa und ihren milden Richter beschwert, konnte keiner ahnen.

Als der Chef der Ethik-Spruchkammer, der Münchner Richter Hans-Joachim Eckert, am Donnerstagmorgen [13. November] sein Urteil veröffentlichte, schien alles wie immer bei der Fifa. Erst wird unter viel Getöse so getan, als würde ermittelt, reformiert, aufgeräumt. Und am Ende werden alle freigesprochen. War was? Weitermachen.

Doch diesmal könnte es für die Fifa anders kommen. Da beschwert sich plötzlich einer: Michael Garcia, der Chef der Ethik-Untersuchungskammer, der Mann fürs Grobe, der mit Eckert zusammenarbeiten sollte. Er hat für die Fifa die WM-Vergaben an Russland und Katar auf 350 Seiten und mit 200.000 Dokumenten untersucht und sieht seine Arbeit nun gefährdet. Eckerts Bericht enthalte “viele unvollständige und falsche Darstellungen und Schlüsse”, sagt der amerikanische Staatsanwalt. Das ist hart. Der Kerl meint es ernst. Damit konnte die arme Fifa nicht rechnen (…)

Sepp Blatter Nov 2013 Zurich

Quelle im vollständigen Original -> FIFA – Das war so nicht abgemacht, Herr Staatsanwalt!, zeit.de, 13. November 2014

Der Ostfußball-Jahresrückblick 2012 – Teil 3

Ein Jahr Ostfußball geht wieder einmal zu Ende – einige sportliche Highlights des vergangenen Jahres 2012 abseits des heiligen Rasens auf einen Blick (Teil 3) –

Juli 2012

Die beiden Staffeln des NOFV für die Saison 2012/2013 sind nun vollständig.  Auf den ersten Blick haben die beiden ostdeutschen Oberligen nach der Reform der Regionalliga jedoch deutlich an Reiz verloren. Einige tradionelle Vereine mit Erfolgen aus längst vergangenen Tagen, wie beispielsweise BFC Dynamo, Anker Wismar sowie die beiden “Wackeren” aus Gotha und Nordhausen, lassen trotzdem noch alte Ostfußball-Herzen höher schlagen.

Vorschau Regionalliga Nordost: Sie hat das kleinste Teilnehmerfeld der insgesamt fünf Regionalligen und die wenigsten zweiten Mannschaften. Sie bietet viel Tradition und eine Menge reizvoller Spiele. Die sportliche Vorfreude im Ostfußball auf die neue Regionalliga ist daher enorm! “Die Zuschauerzahlen werden beträchtlich steigen”, ist Wilfried Riemer, Leiter Spielbetrieb beim Nordostdeutschen Fußballverband, überzeugt. Dafür sollen Klubs wie der FC Carl Zeiss Jena (Absteiger 3. Liga), der 1. FC Magdeburg, FSV Zwickau oder auch die beiden Leipziger Klubs 1. FC Lokomotive  sowie RasenBallsport sorgen.

Der österreichische Retortenverein mit dem unglücklich gewählten Namen RasenBallsport Leipzig hat wohl mittlerweile den Status des unbeliebtesten Vereins in ganz Deutschland erreicht. Zuletzt wurde erneut ein Testspiel wegen lautstarker Fanproteste in Chemnitz kurzerhand abgesagt. Aber auch in der ostdeutschen Provinz scheint man vielerorts nicht gerade gut auf derartige Projekte zu sprechen sein.

Laut der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zug drängt sich immer mehr der Verdacht auf, dass der mittlerweile 76-jährige Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA in seiner damaligen Funktion als Generalsekretär sehr wohl von Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe an seinen Amtsvorgänger Joao Havelange (96) und dessen ehemaligen Schwiegersohn Ricardo Teixeira (65) gewusst hat. Blatter leitete schon damals das Tagesgeschäft der FIFA.

Er war gekommen, um zu gewinnen – die Rede ist vom neuen Red-Bull-Sportdirektor Ralf Rangnick. Ehemals Trainer beim Retortenprojekt TSG Hoffenheim, später dann auf Schalke nach einem depressiven Burnout gescheitert. Doch der neuerliche Amtsantritt hätte für ihn schlimmer nicht kommen können, denn sein Salzburger Team verlor in der Qualifikation zur Champions-League gegen Düdelingen F91.

August 2012

Wegen unsportlichen Verhaltens von Dynamo-Anhängern beim Heimspiel gegen 1860 München am 23. März und beim Auswärtsspiel am 6. Mai beim FSV Frankfurt in der vergangenen Spielzeit bleibt der Stehplatzbereich zum ersten Heimspiel der 2. Bundesliga 2012/2013 gegen den TSV 1860 München geschlossen. Insgesamt durften nur 16.000 personalisierte Karten, davon 3.000 an Gästefans, verkauft werden. Durch diese harte Strafe des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) könnten sich die Einnahmeausfälle für Dynamo in Höhe von zirka 250.000 bis 300.000 Euro belaufen.

Nach der kurzfristigen Absage des Saisonauftaktspiels zwischen den Fußball-Regionalligisten FSV Zwickau und FC Carl Zeiss Jena ist eine gezielte Manipulation der Zuschauertribüne nicht auszuschließen. Die Zwickauer Polizei bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass Ermittlungen gegen Unbekannt wegen der gemeinschaftlichen Sachbeschädigung aufgenommen wurden. Sollte sich der Verdacht der Sabotage bestätigen, könnten sich daraus auch Ermittlungen wegen vorsätzlicher Körperverletzung ergeben.

Nach dem DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern kam es im Umfeld der DKB-Arena zu Auseinandersetzungen. Nach Polizeiinformationen handelte es sich hierbei um Übergriffe von Rostocker Ultras auf die Beamten. Bei den Vorkommnissen wurden auch Flaschen und Steine auf Busse geschmissen, in denen sich Hansa-Fans befanden.

Eigentlich hatte man ja gedacht, daß die Affenlaute gegenüber dunkelhäutigen Spielern in Chemnitz vor mehr als zehn Jahren endgültig ausgestorben sind. Irgendwann nach dem Wiederaufstieg in die 2. Liga muss es das letzte Mal gewesen sein, daß Olaf Kadner diesbezüglich eine Ansage machen musste. Umso peinlicher und unverständlicher ist es, daß dieser Schwachsinn plötzlich wieder Einzug gehalten hat.

Für den Verfassungsschutz ist es die größte rechtsextremistische Hooligangruppe in Brandenburg. Für den FC Energie Cottbus sind es normale Fans. Dafür, wie sich “Inferno” auswärts präsentiert, fühlt sich der Lausitzer Profiklub nicht zuständig. Kurz vor dem Start in die neue Spielsaison saßen Geschäftsführung, Fanbeauftragter und Pressesprecher des FC Energie mit den Vertretern der wichtigsten Fangruppierungen zusammen, um sich für die vorherige, “äußerst komplikationslose” Saison zu bedanken. Für die Gruppe “Inferno” saß “Willi” mit am Tisch.

September 2012

Der Fußballprofi Daniel Frahn hat seine Aussage, beim Leipziger Derby hätten Lok-Fans auch einen Rollstuhlfahrer attackiert, wieder dementiert. Auf seiner Facebook-Seite gab er dazu kurz und bündig so im Original bekannt. “Muss hier etwas Klarstellen: Möchte mich hier offiziell für die Aussage mit dem Rollstuhlfahrer Entschuldigen- habe da etwas falsch aufgenommen (es war ein Unfall wo kein Lok- Fan etwas mit am Hut hatte) Sorry” [Daniel Frahn]

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat nun ein Ermittlungsverfahren gegen den Verein 1. FC Union Berlin eingeleitet. Der Zweitligist wurde um eine schriftlich Stellungnahme gebeten. Die Berliner hatten bereits auf ihrer Internetseite das Banner mit der Aufschrift “FICK DICH, DFB!” verurteilt und sich beim Verband dafür entschuldigt.

Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Sachsen beobachtet im Freisstaat “erstmals” Fußballfans “wegen rechtsextremer Umtriebe”, berichtet die Sächsische Zeitung am dritten September-Wochenende dieses Jahres. Dabei handelt es sich um vier Gruppierungen, in denen offensichtlich Neonazis agieren, beruft sich die Sächsische Zeitung auf eine aktuelle Darstellung von Innenminister Markus Ulbig (CDU). Nach Angaben des Staatsministers zählen die Fan-Gruppen Scenario Lok und Blue Caps LE aus dem Umfeld des 1. FC Lok Leipzig sowie – den Chemnitzer FC tangierend –  New Society/NS Boys und Hoonara zu den aktuellen Beobachtungszielen des Verfassungsschutzes in Sachsen.

Auf einem Parkplatz der Autobahn 67 bei Rüsselsheim ist es wegen Ausschreitungen zwischen Fußballfans zu einem größeren Polizeieinsatz gekommen. Ungefähr 130 Anhänger der Vereine Fortuna Düsseldorf und Rot-Weiß Erfurt gerieten auf dem Parkplatz zwischen dem Mönchhof-Dreieck und der Anschlusstelle Rüsselsheim Ost aneinander. Die Busse der Fans waren zu unterschiedlichen Auswärtsspielen der Mannschaften unterwegs und trafen sich zufällig.

Im Lokalteil der Ostsee-Zeitung vom 24. September 2012 werden in dem Artikel ‘Halle-Fans zogen Rauchspur durch Rostock’ Behauptungen aufgestellt, die nicht der Wahrheit entsprechen.  So schreibt die Ostsee-Zeitung in ihrem Artikel ‘Bei ihrer Schlacht mit Feuerwerkskörpern provozierten sich die sogenannten Fußballfans aus Rostock und Halle nicht nur im Stadion gegenseitig mit Pyrotechnik’ und ‘Obwohl die Fans beider Fanblöcke auch im Stadion mehrfach zündelten, hatten sie nach dem Spiel offenbar noch immer nicht ihr Pulver verschossen’. Mit diesen Aussagen wird unterstellt, dass auch die Fans des F.C. Hansa Rostock im Stadion Pyrotechnik gezündet hätten. Diese Darstellung ist falsch. Von Seiten der Fans des F.C. Hansa Rostock kam es zu keinerlei Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion. Der F.C. Hansa Rostock hat die Ostsee-Zeitung zu einer Gegendarstellung aufgefordert.

Im Kampf gegen die Gewalt im deutschen Fußball hat die DFL ein weiteres Papier an die Vereine der 1. bis 3. Liga verschickt. Es dient als Diskussionsgrundlage für die Vollversammlung der Vereine in Frankfurt/Main. Bei dem Treffen der Klubs geht es dabei um konkrete Maßnahmen zum Thema Gewalteindämmung. Dieser neue Maßnahmenkatalog, welcher vorab bei Kicker veröffentlicht wurde, sieht zum Beispiel bei Verstößen eine Kürzung oder gar eine Streichung der Fernsehgelder vor.

Der Chemnitzer FC verbietet jegliche Symbolik der Gruppen Squadra Celeste, Kaotic und Ostpack. Diesen Gruppen zu zuordnende Personen sind im Stadion an der Gellertstraße einschließlich der dortigen Fanhalle unerwünscht und werden je nach Stand der Erkenntnisse mit Hausverbot beziehungsweise Stadionverbot belegt.

-> Ostfußball-Jahresrückblick 2012 – Teil 1

-> Ostfußball-Jahresrückblick 2012 – Teil 2

FIFA korrupt – der DFB ebenfalls?

Laut der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zug drängt sich immer mehr der Verdacht auf, dass der mittlerweile 76-jährige Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA in seiner damaligen Funktion als Generalsekretär sehr wohl von Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe an seinen Amtsvorgänger Joao Havelange (96) und dessen ehemaligen Schwiegersohn Ricardo Teixeira (65) gewusst hat. Blatter leitete schon damals das Tagesgeschäft der FIFA.

“Nicht infrage gestellt werden kann die Feststellung, dass die FIFA Kenntnis von Schmiergeldern an Personen ihrer Organe hat”, heißt es in der nun publizierten Einstellungsverfügung. Das Geld war geflossen von der inzwischen insolventen FIFA-Vermarktungsagentur ISL unter Führung von Jean-Marie Weber, der als langjähriger FIFA-Geschäftspartner ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu Blatter gepflegt haben soll.

Laut Gerichtsbeschluss hat die ISL zwischen 1989 und 1998 Provisionen von 122.587.308,93 Schweizer Franken bezahlt (102 Millionen Euro). Zwischen 1999 und 2001 – da war Blatter bereits FIFA-Präsident – sind weitere 37.399.114,05 Franken (31 Millionen Euro) verzeichnet. Insgesamt sind rund 160 Millionen Schweizer Franken (133,22 Millionen Euro) geflossen.  So berichtet die Schweizer Handelszeitung.

(Foto: wikipedia)

Doch anscheinend wird jetzt erst richtig schmutzige Wäsche gewaschen, nachdem ihm Reinhard Rauball, der Präsident des Ligaverbandes, telefonisch zum Rücktritt aufforderte –

In einem Interview der Schweizer Boulevardzeitung “SonntagsBlick” deutete der FIFA-Präsident Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland an. Mit diesen nebulösen Vorwürfen setzte er sich gegen die zunehmende Kritik deutscher Fußball-Funktionäre zur Wehr.

“Gekaufte WM – Da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ. Und man so statt 10 zu 10 bei der Abstimmung ein 10 zu 9 für Deutschland hatte. Ich bin froh, musste ich keinen Stichentscheid fällen. Aber, na ja, es steht plötzlich einer auf und geht. Vielleicht war ich da auch zu gutmütig und zu naiv”, sagte Blatter. Auf die Nachfrage, ob er vermute, dass die WM gekauft worden sei, antwortete der FIFA-Boss: “Nein, ich vermute nichts. Ich stelle fest.”

Die Kampagne “My Game is Fair Play – Ich spiele fair” der FIFA sollte eigentlich den Jugendliche einen positiven Verhaltenskodex vermitteln. Nun scheint sie genau das Gegenteil zu bewirken.

[ab]

Fifa-Mafia (Buch) – Leseprobe

Thomas Kistner: Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball –

(…) Das Leben ist schön, wenn Beifall durchs Stadion braust wie ein Orkan. Der 11. Juli 2010 ist so ein Tag, die Welt in Ordnung und Joseph S. Blatter auf der Ehrentribüne in seinem Element. Händeschütteln, Umarmungen, golden blinken die Medaillen im Schein der Flutlichter und Kameras. Der Präsident des Fußballweltverbandes Fifa, umdrängt von seinen Vorständen, nimmt das Defi lee der spanischen Weltmeister- Kicker ab. “Und jetzt!”, ruft der Stadionsprecher. “Die Übergabe der Trophäe!” Lichtblitze zucken durch die Arena von Johannesburg, die monotonen Blasinstrumente, die Vuvuzelas, dröhnen lauter denn je. Und Sepp Blatter schreitet die Stadionstufen hinab. Ein bodenlanger Seidenschal gießt priesterliches Weiß über den nachtblauen Anzug, im linken Arm ruht der goldene Pokal. Könnte das nicht ewig so weitergehen, eine Stadionrunde und noch eine?

Aber da steht Iker Casillas, der Kapitän der spanischen Mannschaft. Feierlich übergibt Joseph S. Blatter die Trophäe an die neuen Fußballweltmeister. Dies ist das Gipfelglück. Nicht nur für jeden Fußballprofi. Auch für den Funktionär in jener Sportart, die allein es schafft, die Alltagsroutine rund um den Planeten außer Kraft zu setzen. Ein Milliardenpublikum blickt jetzt auf ihn, die ganze Welt schaut zu, vibriert, alles ist ekstatisch aufgeladen. Kein Staatschef kennt eine derartige Selbstinszenierung, keinem Filmhelden oder Musikstar wird so etwas zuteil. Dies ist der Moment, der ewig währen soll. Es sei denn, man hat dabei den Part des Bösewichts inne. Sepp Blatter kennt auch diese Rolle. Von der Fußballweltmeisterschaft 2002 in Asien, oder von der WM 2006 in Deutschland. Sie ist zutiefst verletzend, zudem bringt sie das schlimmste Gefühl für einen wie ihn mit sich: Ohnmacht. Wenn die Fans buhen und pfeifen und Transparente mit Schmähungen ausrollen, wenn La-Ola-Wellen des Protestes durch das Stadion schwappen, sobald Blatters Gesicht auf der Leinwand auftaucht, wann immer der Fifa-Chef zu reden anhebt – das sind Augenblicke, die keiner erleben will. Für Blatter ist es der Augenblick der Wahrheit.

Foto: wikipedia

Bei der WM 2006 hatte ihn das Publikum von Spiel zu Spiel heftiger ausgepfiffen, weshalb er sich beim Finale in Berlin zur Siegerehrung gar nicht mehr auf den Rasen traute. Es war ein groteskes Bild, wie sie dort unten um den Weltpokal herumstanden und nicht wussten, was sie tun sollten. Der Bundespräsident Horst Köhler, die Fifa-Vorstände, der WM-Organisationschef Franz Beckenbauer, die wichtigsten Repräsentanten der Fußballfamilie warteten auf das Oberhaupt. Aber Blatter kommt nicht. Er hat sich verkrochen, aus Angst vor den Menschen hier auf den Rängen? Vor den Fans, vor jenen Leuten, die keinen materiellen Profit aus dem Spiel ziehen und es so sehr lieben, dass sie es zum größten Ereignis des Planeten gemacht haben? Sie bescheren Blatter eine Demütigung. Es ist der Teil der Gesellschaft, der es sich noch leisten kann, auf ihn und sein Kabinett zu pfeifen: das Publikum. Menschen, die nicht Geschäft, Macht oder Selbsterhöhung mit dem Fußball verbinden, sondern Freude, Lust, Vergnügen. Dafür bezahlen sie. Und sogar immer mehr.

Der Rest spielt bis zur Selbstverleugnung mit, wenn Blatter um den Globus tourt, bedient von Heloten und Securitys, Spähern und Sekretären. First Class, Five Stars. Blaulicht und Autokolonnen bilden den unverzichtbaren Rahmen für den rastlosen Greis aus dem Schweizer Alpensprengel Visp und seine Getreuen. Blatter hat das Bundesverdienstkreuz und Ehrenprofessuren, er hat den Olympischen Orden und sogar den Bambi und einen Haufen mehr im Schrank. Ihn als Chef eines “Bin ich ein schlechter Mensch?” Sportverbandes zu bezeichnen gerät allmählich zur Blasphemie. Ist er nicht viel, viel mehr – der Patron einer globalen Glaubensgemeinschaft, welche die Dimension der katholischen Kirche weit hinter sich gelassen hat? Die Fußballfunktionäre glauben fest daran. In gewisser Weise trifft es sogar zu. Ein Fingerschnippen genügt. Es öffnen sich ihnen die Türen von Königs- und Präsidentenpalästen, des Weißen Hauses, des Kremls und des Vatikans, von Kanzlerämtern und Ministerien. Kein Politiker mit Machtanspruch darf sich dem Fußball gegenüber neutral verhalten, dieser Sport ist längst kein unparteiisches Terrain mehr (…) [Gratis-Leseprobe (*.pdf)]

Südafrika – ein Sommermärchen?

Eine kleine Nachtbetrachtung der FIFA- WM 2010 –

Unser Nationalteam ist wie bei der letzten WM 2006 wieder nur Dritter geworden, doch das junge und bunt zusammengewürfelte Star-Ensemble aus mehr oder weniger Deutschen hatte durchaus große Momente beim “Cup der guten Hoffnung” gegen England (4:1) und Argentinien (4:0). Zuvor faszinierte man gegen Australien, nachdem gegen Serbien fast das Ende in der Vorrunde eingeleutet wurde. Doch mit etwas Dussel gegen Ghana schafften wir dann auch diese schwierige Hürde.

Nach dem schmerzlichen Aderlass von Michael Ballack und Tormann Adler hatten wir Ostdeutschen gerade mal noch einen Auswechselspieler im Equipe der ruhmreichen deutschen Nationalmannschaft. Nicht gerade viel, wenn man bedenkt, wie viele ostdeutsche Spieler kurz nach der Wende im Jahre 1990 in der gemeinsamen Nationalmannschaft noch Weltmeister wurden. Doch ohne Bundesligamannschaft und maximal, mittelmäßiger 2. Liga-Vertretungen ist das auch nicht mehr verwunderlich und wir “Ossis” sollten uns endlich damit abfinden und nicht schon wieder heimlich querulieren! Oder doch?

wc_trophy
Foto: amazon.de

Da erstaunte es eigentlich auch nicht sehr, als unser Jungspund und Ballack-Ersatz, Phillip Lahm als Mannschaftskapitän noch während der Weltmeisterschaft ankündigte, die Armbinde nicht mehr an Michael zurück zu geben. Ballack konnte leider wegen eines brutalen Anschlag durch ein ungezogenes ‘Ghettokind’ aus Westberlin nicht an der WM 2010 teilnehmen (ostfussball.com). So viel die Wahl kurzfristig durch den DFB auf Phillip Lahm, denn er ist wahrscheinlich der Einzige, welcher es schafft, einen kompletten Satz vor laufender Kamera ohne Stocken in halbwegs vernünftiger deutscher Sprache heraus zu bringen. Trainer Löw hielt sich ziemlich verwundert aus diesem unüberlegten Intermezzo heraus und erhielt zu Hause das Bundesverdienstkreuz durch unser Staatsoberhaupt überreicht. Toll oder? Ob es auch für einen neuen Trainerposten reicht, ist momentan noch fraglich, denn sein Freund Bierhof soll hinter verschlossenen Türen bereits abgesägt werden. Außerdem gab es vor der Weltmeisterschaft Disharmonie zwischen Theo Zwanziger und der Doppelspitze Löw/Bierhof, als es um noch mehr Penunzen und Macht für die Beiden ging.

Doch zu Hause war die Stimmung während dieser Zeit in Südafrika wieder einmal mehr als prächtig. Auf sogenannten Public-Viewing Veranstaltungen auch in vielen großen Städten Ostdeutschlands feierten wieder tausende Menschen mitten im Sommer einen gewaltigen Fasching, so auch in Leipzig:  “Für die Besucher gehört natürlich das richtige Outfit zum guten Ton und da kommt man an der in Nationalfarben gehaltenen Perücke im Stile von Blödelbarde Atze Schröder, den wunderhübschen schwarz-rot-goldenen Hawaii-Ketten und nun seit 2010 den Vuvuzelas nicht mehr vorbei. Letzteres ist eine nervtötende Tröte mit dem Klang eines Ochsen, welcher gerade zu seiner letzten Fahrt in den Schlachthof abtransportiert wird.” (Kommentar auf ostfussball.com) Großen Eindruck schien diese heimatliche Kasper-Show auf unsere Spieler jedoch nicht gemacht zu haben, denn über tausend Fans am Frankfurter Flughafen wurden einfach ignoriert und man verschwand nach der Ankunft zu Hause seelenruhig durch den Hinterausgang in den Urlaub.

Und während auch hierzulande die FIFA– Weltmeisterschaft immer mehr zum Kommerz-Produkt verkommt und an seine braven Konsumenten regelrecht verschleudert wird, darf man sich in der Schaltzentrale von König J. Blatter über steuerfreie Riesengewinne freuen. Denn eine WM ausrichten darf nur, wer dem Fußballverband vorab Steuerfreiheit zugesichert hat. Bei dem Turnier 2006 in Deutschland sind dem deutschen Finanzminister so 250 Mio. Euro entgangen, sagen die Experten in Berlin. Das gleiche Spiel gab es nun auch wieder auf dem afrikanischem Kontinent. Und während nun das Land am Kap guter Hoffnung ist, haben die ganz armen Menschen dort unten auch nächster Zeit keine Besserung für sich zu erwarten. Südafrika – ein Sommermärchen ? Wohl eher eine Legende.

[pg]