Red Bull Leipzig – der Aufstiegsaspirant vorgestellt

Februar 11, 2010 | In: Oberliga NOFV-Süd, RB Leipzig


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rb_leipzigOffiziell nennt sich der Verein “Rasenballsport Leipzig”, aber jeder weiß im Prinzip, dass sich hinter dem “RB” nichts anderes als die Marketingabteilung von Red Bull versteckt. RB Leipzig begann die Saison 2009/10 anstelle des SSV Markranstädt in der Oberliga Nordost (Staffel Süd), nachdem man sich die Übertragung des Oberliga-Startrechtes vom Verband gesichert hatte. Das offizielle Logo mit den beiden Bullen  dürfen die Spieler bisher jedoch nicht auf der Brust Ihres Trikots tragen.

In Leipzig und auch im übrigen Sachsen ist der Verein nicht sonderlich bei den Fußballanhängern beliebt. Obwohl zu Anfang mit Hilfe von positiven Rundfunk- und Pressemitteilungen versucht wurde, ein freundliches Bild, sozusagen als “Retter des ostdeutschen Fußballs” in der breiten Öffentlichkeit zu erlangen, wird der kommerzielle Verein bis dato nicht unter den zahlreichen sächsischen Fans akzeptiert. Nein, ganz im Gegenteil – so  hat sich vielerorts eine breite Front gegen die Profikicker von Red Bull Leipzig gebildet. Man wirft dem Verein vor, nur reine eigene kommerzielle Ziele unter dem Deckmantel des Fußballs, zu verfolgen. Gleich am ersten Spieltag mussten die Spieler den starken Gegenwind durch Ultrafans in Jena verspüren.  Nachdem die Spieler des neuen Leipziger Klubs von Jenaer Fans bespuckt und mit Bier begossen wurden, musste die Leipziger Mannschaft ungeduscht mit dem Bus unter Polizeischutz regelrecht flüchten. Auf diversen Plattformen im Internet wurde anschließend reichlich darüber  berichtet und diskutiert. Im Laufe der Saison ist es aber durch hohe Sicherheitsmaßnahmen und Auflagen zu jedem Spiel der “Bullen” merklich ruhiger in den Stadien geworden.

Sportlich läuft es dafür optimal für die “Rasenballer”, denn die Strategie, auf alte erfahrene  Spielern aus der ostdeutschen Region zu setzen, scheint zu funktionieren – zumindestens noch in der Oberliga. Mit bekannten, teilweise auch bundesligaerfahrenen Spielern wie beispielsweise Ingo Hertzsch,  Ronny Kujat, Timo Rost, Daniel Rosin, Sebastian Albert oder Christian Reimann steht jetzt schon eine ostdeutsche Elite-Auswahl dem Trainer Tino Vogel in der 5. Liga  zur Verfügung. Nach 15 Spieltagen in der NOFV-Oberliga Süd steht Rasenballsport Leipzig mit 7 Zählern Vorsprung auf dem ersten Tabellenplatz der laufenden Saison und wird insgeheim unter den Verantwortlichen schon als Aufsteiger in die Regionalliga Nord gefeiert. Das Ziel Bundesliga wurde zum Beginn der Saison immerhin mit 8 Jahren vorgegeben. Ein durchaus realistische Vorgabe, wenn man bedenkt, daß Red Bull rund 100 Millionen Euro dafür in den Fußballverein investieren möchte. Ursprünglich wollte man schon nach dem Aufstieg in der nächsten Spielzeit ins Leipziger Zentralstadion (Red Bull Arena) umziehen, doch zwischenzeitlich ist man wieder davon abgegangen, da doch ein gewisses Desinteresse an dem Verein in Leipzig und Umgebung nicht zu übersehen ist. Man befürchtet intern, dass sich im riesigem Zentralstadion auch nach dem Aufstieg eventuell nur 1.000 bis 3.000 Zuschauer verlaufen könnten. Und woher sollen die zukünftigen Anhänger dieses Vereins kommen? Jeder weiß, dass in Leipzig großer Wert auf Tradition gesetzt wird und die Fans aus Leutzsch und Probstheida doch lieber mit Chemie oder Lok in den unteren Ligen spielen, als mit einem RB Leipzig in der 1. Bundesliga. Man kann daher sehr gespannt sein, welche Entwicklung der Fußball in der sächsischen Metropole in den nächsten Jahren nimmt und ob das Projekt Red Bull irgendwann auch angenommen und hiesige Akzeptanz finden wird.


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9 Antworten to Red Bull Leipzig – der Aufstiegsaspirant vorgestellt

Bastian (Chemieblogger)

Februar 12th, 2010 at 08:16

Danke für diese differenzierte Darstellung. Beim letzten Punkt wäre ich aber nicht so “optimistisch” – RB wird die Zuschauer ziehen, vielleicht noch nicht in der Ober-Regionalliga, aber wenn’s in Liga 3 um den Aufstieg geht, kommen 20 000 + x. Dann sind Chemie und Lok nur noch zweitrangig. Bleibt zu hoffen, dass sich zumindest der Widerstand bundesweit solidarisiert.

Leipziger

Februar 12th, 2010 at 08:22

Der Verein ist für unsere Region untragbar und verstößt gegen alle Werte und Grundsätze, die ehrliche Leute im Osten noch mit Würde vertreten. Hier zählen für die Menschen noch andere Dinge als nur Geld. Wir wollen hier kein hochgepushtes Erfolgsprodukt wie in Hoffenheim. Auf solche Vereine sei es hier kräftig geschissen. Wer den Fußball in Leipzig verfolgt, weiß wie schwer hier der Kampf um die Zuschauergunst ist. Da gibt es neben dem FC Sachsen und LOK Leipzig jetzt auch noch die BSG Chemie und Roter Stern Leipzig. Und gerade, wenn man gesehen hat, wie viele Zuschauer ein Spiel zwischen der BSG Chemie und dem FCM III mobilisieren kann, wird am Ende für RB Leipzig die Luft immer dünner. Die BSG spielt in der 13.Liga. Die paar gekauften Studenten, die bei den Spielen von RBL die Stimmung machen, werden es langfristig in der Schüssel nicht mehr bringen. Kölmel hat seine WM Bauruine, die wirklich niemand braucht endlich los. Für den hat sichs am Ende noch gerechnet und der kann vor Lachen nicht mehr einschlafen :-)

admin

Februar 12th, 2010 at 09:39

Das angesprochene Spiel zwischen der BSG Chemie Leipzig und dem FC Magdeburg III haben wir übrigens auch hier im Blog als Videomitschnitt veröffentlicht:
http://ostfussball.com/bsg-chemie-leipzig-fc-magdeburg-172/

Sebastian

Februar 19th, 2010 at 02:52

Um mal den nicht so ganz Involvierten einen kleinen Überblick zu verschaffen hab ich mal versucht das Thema kurz zu umreißen. Kann dem @Leipziger im Großen und Ganzen zustimmen. Die Fußballinteressierten der Stadt pflegen seit vielen Jahrzehnten ihre Rivalität und diese Tatsache verkennt der Konzern Red Bull größtenteils. Selbst wenn die “Bullen” sportlich um den Aufstieg in die 2. oder 1. Liga mitspielen, ja ihnen gar dieser Sprung gelingt, so werden diese bei einer sportlichen Talfahrt mögliche Zuschauergewinne, wieder verlieren. Denn bei allem möglichen sportlichen Erfolg, des übrigens von mir ebenfalls strikt abgelehnten Projekts RBL, bleiben die Leipziger ihrer Tradition treu, wie auch der damiten verbundenen strickten Trennung der Lager in grün -weiß (leider gerade auf dem Gebiet der Fanszene intern zerstritten und gespalten in BSG Chemie und FC Sachsen der sich derzeit in seinem 2. Insolvenzverfahren befindet) und blau – gelb (neugegründeter 1.FC Lok, ehemals insolvent gegangener VfB Leipzig), wie auch das kleine linkspolitische Fußballprojekt Roter Stern Leipzig. RB Leipzig wird zwar sportlich mal den einen oder anderen Zuschauer interessieren, aber es schwer haben, “richtige” Fans zu gewinnen. Eine sich gar entwickelnde “Fanszene” bei RB hat gegen die beiden Etablierten wohl keine Chance und würde wohl auch im Ernstfall sogar auf physischen Widerstand treffen. Jedenfalls ist dieses Szenario nicht realitätsfremd. Wie man sieht ist die fußballerische Gemengenlage in der Messestadt noch komplizierter geworden als sie schon vorher war, gepaart mit brutal geführten politischen Auseinandersetzungen zwischen rechts und links, Türsteherauseinandersetzungen + Rotlichtverstrickungen, abgerundet mit einer Portion Rockerrivalität. Ein schwierige und somit auch gefährliche Mischung. Nicht Dresden etwa, sondern Leipzig ist anders! Gerade und besonders beim Thema Fußball!

  Zentralstadion wird zur Red Bull Arena by Ostfussball.com

März 3rd, 2010 at 09:20

[...] musste die Leipziger Mannschaft ungeduscht mit dem Bus unter Polizeischutz regelrecht flüchten. ostfussball.com berichtete [...] Eingefleischte Leipziger reden gar von einem bösen Fluch des alten Zentralstadions, der nun [...]

Auswanderer

März 23rd, 2010 at 15:48

Ich habe über 30 Jahre in Leipzig gelebt und bin nach wie vor ein großer Freund des FC Sachsen. Die letzten 20 Jahre waren aus Fansicht allerdings extrem frustran: Axtmann und Konsorten haben gründlich verbrannte Erde hinterlassen. Trotzdem bestand mehrfach die Chance, mit einer Fusion von Chemie und Lok etwas Großes zu stemmen – sowohl fußballerisch als auch im Namen von Toleranz und Verständigung. Gescheitert ist es an der Engstirnigkeit und Borniertheit von Provinzfunktionären und ach so engagierten Hardcore-Fans.

Ich freue mich darüber, dass in meiner alten Heimat mit RBL endlich mal Nägel mit Köpfen gemacht werden und auch Familien die Chance haben werden, mit ihren Kindern einigermaßen unbehelligt von aggressiven Säufern einen Nachmittag im Stadion bei gutem Fußball zu verbringen.

AW

Paule

November 26th, 2010 at 09:51

sensationeller artikel, rb ist in leipzig sogar so unbeliebt, dass sie den höchsten zuschauerschnitt in allen drei regionalligen haben … so ein unbeliebter verein aber auch (und bevor jetzt wieder irgendeiner mit freikarten anfängt: auch zu freikarten gehört die eigene motivation, seinen arsch ins stadion zu bewegen)

kick it !

Zuckerwasser

November 26th, 2010 at 10:20

@Paule – jaja der Zuschauerschnitt!
Ohne Freikarten wäre der nie so hoch, denn wie du schon sagtest, bewegen sie ihren Arsch nur dahin, weil es umsonst ist und der gemeine Red-Bull-Konsument bezahlt ja diese Freikarten, denn Kömel möchte ja seine Stadionmiete …

Dampfplauderer

November 26th, 2010 at 16:17

@Auswanderer: Du hast’s verstanden. Schön!

Ich wünschte, Leute wie du würden wieder einwandern! Aber RBL wird in jedem Fall in der Zukunft die Massen anziehen. Noch mehr als 1899 Hoffenheim, die ja jetzt über 30.000 im Schnitt haben, in der 4. Liga aber nur 300 hatten. Das Umfeld in Leipzig ist wesentlich größer als im Kraichgau …
 

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