Pyrotechnik im Fußball legalisieren
Dezember 2, 2010 | In: 1. FC Magdeburg, 1. FC Union Berlin, Chemnitzer FC, FC Carl Zeiss Jena, FC Erzgebirge Aue, FC Rot-Weiß Erfurt, FSV Zwickau, Fußballfans, Hallescher FC, SG Dynamo Dresden, Ultras
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Es gibt zu diesem Thema nun eine gemeinsame Erklärung von Ultras aus ganz Deutschland, Ost und West. Zuletzt gab es bezüglich der Initiative bereits einen offenen Brief an den DFB (ostfussball.com berichtete). Eine ähnliche Aktion fungiert seit geraumer Zeit in Österreich unter dem Namen “Pyrotechnik ist kein Verbrechen!” recht erfolgreich.
Foto: pyrotechnik-ist-kein-verbrechen.at
Wir finden Pyrotechnik gut!
Das wollen wir gleich zu Beginn klarstellen. Aber nicht etwa zur Untermalung eines möglichst martialischen Auftretens. Nein! Das ist keine heuchlerische Verlautbarung, um es denjenigen recht zu machen, die unsere Vorstellung von Fußball nicht teilen und bekämpfen. Wir wollen Bengalische Feuer, Rauchtöpfe, etc. beim Einlaufen der Mannschaften, nach dem Tor, bei besonderen Gesängen und als Choreos.
Denn: Wir sind Anhänger einer lebendigen und fröhlichen Pyrotechnik. Wir lieben die einzigartige Atmosphäre, wenn die Mannschaften auf den Platz kommen und von rotem Leuchten unter Flutlicht begleitet werden. Wir lieben die Emotionen, die mit einem Freudenfeuer nach dem Tor verbunden sind. Wir lieben es, wenn die Kurve in einem Meer aus Farben untergeht. Wir lieben die Pyrotechnik, so wie wir unsere Zaunfahnen, Choreographien, Gesänge lieben. Und: wir werden sie uns nicht nehmen lassen. Bengalische Feuer und die bunten Farben des Rauches sind feste Bestandteile der Fankultur. Für uns ist Pyrotechnik ein Mittel, um Feierstimmung zu schaffen, ein Teil der oft zitierten südländischen Atmosphäre!
Verantwortung
Pyrotechnik geht einher mit Verantwortung. Wir wissen um die Risiken, die der Einsatz von Pyrotechnik mit sich bringt. Bei verantwortungsbewusstem und vernünftigem Umgang sind diese Risiken allerdings auf ein Minimum reduzierbar, auch das ist unser Ziel.
Für uns als Unterzeichner heißt das:
- Schluss mit Böllern, Kanonenschlägen und sonstigen Knallkörpern. Die Dinger sind klein und fies, weil niemand auf den Schlag vorbereitet ist. Und Feierstimmung schaffen sie auch nicht.
- Pyrotechnik gehört in die Hand, auf keinen Fall in die Luft und nach Möglichkeit nicht auf den Boden. Leuchtspurgeschosse sind ebenso tabu wie die „Entsorgung“ von Bengalischen Feuern in den Innenraum, auf’s Spielfeld oder in Nachbarblöcke.Dazu bedarf es der Schaffung von Möglichkeiten, die einen gewissenhaften Umgang unsererseits ermöglichen. In der aktuellen Situation dreht sich die Spirale in einer Mischung aus Strafen und Gefährdung immer weiter. Um ihr nachhaltig zu entkommen, muss die Pyrotechnik heraus aus dem Schatten der Kriminalität gelöst werden. Denn aus Angst vor Bestrafung werden Bengalische Feuer teilweise vermummt und eingeengt zwischen vielen Fans sofort nach dem Zünden auf den Boden oder in scheinbar freie Bereiche geworfen, das erhöhte Gefahrenpotential gegenüber einem kontrollierten und legalisierten Abbrennen in der Hand ist offensichtlich. Die Strafverfolgung verfehlt also seit Jahren ihr Ziel, die Stadien sicherer zu machen. Das Ziel muss schließlich selbstregulierender Umgang der Kurven sein.
Wir fordern daher:
- Schaffung von Rahmenbedingungen für legales Abbrennen von Pyrotechnik in unseren Kurven
- Eigenverantwortung für Fanszenen und VereinePyrotechnik ist Leidenschaft!
Wir als Unterzeichner stellen uns diesem Anspruch. Auch wenn diese Meinung nicht von allen geteilt wird. Auch wenn es Leute gibt, die selbst unsere Vorstellung von Pyrotechnik von dieser Erde getilgt sehen wollen. Auch wenn es Leute gibt, die Pyrotechnik auf eine Art und Weise einsetzen, die nicht in unserem Sinne ist. Wir können nicht die Verantwortung für jeden übernehmen, der mit einem Schal in den Farben unseres Vereins unterwegs ist. Wir stellen uns unseren eigenen Ansprüchen und Zielen und wir machen unseren Einfluss dafür geltend.
Aus dem Osten Deutschlands haben folgende Gruppen diese gemeinsame Erklärung unterschrieben:
Aue – Fialova Sbor
Aue – Ultras Aue
Chemnitz – Ultras Chemnitz
Dresden – Ultras Dynamo
Erfurt – Erfordia Ultras
Halle – Saalefront
Jena – Horda Azzuro
Köpenick – Hammerhearts Union
Köpenick – Wuhlesyndikat
Magdeburg – Block U 1. FC Magdeburg
Zwickau – Red Kaos 1997
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8 Antworten to Pyrotechnik im Fußball legalisieren
klaus meyer
Dezember 2nd, 2010 at 13:57
Amen!
Dampfplauderer
Dezember 2nd, 2010 at 15:48
Pyrotechnik geht einher mit Verantwortung?? Na ja, geht unerlaubter Waffenbesitz oder Drogenkonsum auch “einher mit Verantwortung??” Pyro ist immer gefährlich. Man kann sie eben nie völlig kontrollieren. Deshalb ist sie auch zu verbieten – logisch, oder? Vielleicht sollte man mal über den Sinn von Verboten nachdenken.
[ab]
Dezember 2nd, 2010 at 16:05
Der Risikofaktor Mensch ist niemals ganz auszuschließen. In einem gut gefülltem Fan-Block sind derartige Pyroaktionen wahrscheinlich auch nicht durchsetzbar. Dafür würde es niemals eine Zustimmung geben.
Doch bei diesen Forderungen geht es ja um ein kontrolliertes Abrennen in Absprache mit Polizei, Feuerwehr und den Verantwortlichen der jeweiligen Vereine. Ich denke, da sollte schon durchaus etwas zu machen sein. Gute Beispiele, wie es funktionieren kann gibt es ja -> http://ostfussball.com/pyrotechnik-im-stadion-offener-brief-aus-chemnitz-an-den-dfb-594/
Dampfplauderer
Dezember 2nd, 2010 at 16:32
Wie will man denn den Risikofaktor Mensch im Stadion ausschließen? Schon jetzt ist ja die Polizei bei vielen Spielen völlig überfordert, weil sie Eskalationen zwischen den Fans verhindern muss (Schade, ist aber so). Und schon jetzt erhebt sich ja die Frage, wer das alles bezahlt. Nun auch noch Pyrotechnik in ein Fußballspiel mit einzubeziehen halte ich für sehr kompliziert und im Verhältnis zum Aufwand auch nicht lohnend. Und wie gesagt, die Gefahr ist m.E auch nicht ganz einzudämmen und wenn, dann nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand an Polizei, Feuerwehr und Verantwortlichen. Von daher halte ich es für unwahrscheinlich, dass das ganze “legalisiert” wird.
Und wenn es in gut gefüllten Fanblocks nicht möglich ist, dann sind ja Vereine wie Dortmund, Bayern, Hoffenheim, HSV, St. Pauli, Köln, usw.usw … sowieso davon nicht betroffen, denn bei deren Spielen wird man keinen halbvollen Fanblock finden.
admin
Dezember 2nd, 2010 at 17:12
Vielleicht sollte man von Seiten des Verbandes tatsächlich über einen Kompromiss nachdenken. Wenn die Fanszene in Eigenregie das Verhalten ihrer Leute überwacht, wird auch weniger Security und Polizei im Stadion benötigt – weniger Personal, weniger Kosten. Außerdem wäre es eine große Chance für beide Seiten, endlich wieder aufeinander zu zugehen. Und ehrlich gesagt, sieht es auch noch sehr gut aus und sorgt zudem für eine ordentliche Untermalung des Fan-Support bei den Spielen.
Warum haben eigentlich die LE-Bulls-Ultras nicht mit unterschrieben, sie hatten sich doch auch für eine Legalisierung der Pyrotechnik engagiert?
Dampfplauderer
Dezember 2nd, 2010 at 17:38
Nun, ob so etwas in Eigenregie geht, das wäre zu prüfen. Da habe ich schon beim Thema Gewalt meine Zweifel, ob so was funktionieren könnte. Obwohl es schön wäre.
Warum die LE Bulls nicht unterschrieben haben? Nun, vielleicht weil sie sich nicht getraut haben, zumal ja leider immer wieder gesagt wird, Rasenball sei kein Ostverein. Man muss sich ja nicht aufdrängen. Jedenfalls ist Fußball ein Rasenballsport.
admin
Dezember 2nd, 2010 at 17:44
Das ist keine reine Ost-Angelegenheit, hier mal die vollständige Liste aller Unterzeichner. Sind sogar 3x Stuttgarter dabei
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Aachen – Aachen Ultras
Aue – Fialova Sbor
Aue – Ultras Aue
Augsburg – Legio Augusta
Berlin – Harlekins
Bielefeld – Lokal Crew
Braunschweig – Cattiva Brunsviga
Burghausen – Ultras Black Side
Chemnitz – Ultras Chemnitz
Dortmund – Desperados 99
Dortmund – The Unity
Dresden – Ultras Dynamo
Erfurt – Erfordia Ultras
Essen – Ultras Essen
Freiburg – Natural Born Ultras
Freiburg – Wilde Jungs
Gelsenkirchen – Ultras Gelsenkirchen
Halle – Saalefront
Hamburg – Chosen Few Hamburg
Hamburg – Poptown
Hannover – Ultras Hannover
Jena – Horda Azzuro
Kaiserslautern – Frenetic Youth
Kaiserslautern – Pfalz Inferno
Karlsruhe – Ultra 1894 Karlsruhe
Kassel – Scena Chassalla 913
Köln – Boyz Köln
Köln – Coloniacs
Köln – Wilde Horde 96
Köpenick – Hammerhearts Union
Köpenick – Wuhlesyndikat
Krefeld – Ultras Krefeld
Lübeck – Boys United
Lübeck – Ultra Kollektiv Lübeck
Magdeburg – Block U 1.FC Magdeburg
Mainz – Ultra Szene Mainz
Mönchengladbach – Obsession Ultrà
München – Schickeria München
Münster – Deviants Ultras
Nürnberg – Ultras Nürnberg 1994
Oberhausen – Semper Fidelis
Offenbach – Boys Offenbach
Osnabrück – Violet Crew
Reutlingen – Szene E
Saarbrücken – Boys Saarbrücken
Siegen – Turnschuhcrew Siegen
Stuttgart / Kickers – Blaue Bomber
Stuttgart / Kickers – MARA Kickers
Stuttgart / Vfb – Commando Cannstatt 1997
Trier – Insane Ultra
Ulm – Supporters Ulm
Wolfsburg – Weekend Brothers
Würzburg – B-Block Würzburg
Zwickau – Red Kaos 1997
Dampfplauderer
Dezember 2nd, 2010 at 17:55
Na, dann weiß ich auch nicht wieso …
2x Kickers, super! Bei den Stuttgarter Kickers sind auch bei jedem Heimspiel genug leere Blöcke für Pyro vorhanden … Und beim VfB wohl bald auch …