Fußball-Sicherheitsgipfel: Ja, da geht noch was in deutschen Stadien

Juli 17, 2012 | In: Deutscher Fußball-Bund, Fußballfans, Stadion-Infos, Ultras, Videos


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Nun wurde also getagt, auf der so genannten Sicherheitskonferenz – ersatzweise: Sicherheitsgipfel – des deutschen Fußballs; gleichwohl durch und durch strukturiert sowie hochrangig besetzt, glaubt man vielleicht flüchtig hinschauend jedenfalls zu meinen.

(…) Während im Hotel Intercontinental in Berlin die Vertreter der Politik und des Fußballs über die Situation in selbigem sprechen und mögliche Maßnahmen gegen Gewalt und Pyrotechnik diskutieren, werden die Fanvertreter der Organisationen Pro Fans und der IG Unsere Kurve in der gleichen Straße knapp 200 Meter weiter im Hotel Palace Stellung beziehen und dort ihre Sicht der Dinge darstellen. So nah und doch so fern (…) ["Sicherheitsgipfel ohne Fanvertreter", stuttgarter-zeitung.de, 17. Juli]

Beschlüsse, so wird berichet, wurden durch das hochrangig besetzte und durch und durch struktierierte Gremium auch gefasst. Demzufolge “haben sich Deutschlands Fußballbosse und Innenminister Friedrich auf einen Maßnahmenkatalog geeinigt. Der Einsatz von Pyrotechnik und gewalttätiges Verhalten werden stärker bestraft. Ein Stehplatzverbot gibt es jedoch vorerst nicht” [spiegel.de, 17. Juli].

(Licht im Dunkel? - Foto: Ostfussball.com)

Wohlfein formuliert klingt dabei nach wie vor das Wörtchen ‘vorerst’ in seiner eigentlichen Bedeutung durch den Raum. Wie war das gleich noch mal -

(…) Für Stehplätze in bundesdeutschen Fußballstadien treten DFB und DFL angeblich weiterhin ein, obwohl auch da nach gewissen Medienberichten in den letzten Tagen die eine oder andere Möglichkeit halboffiziell erörtert worden sein soll, und zugleich auch wiederum dementiert wurde – vorerst jedenfalls. Allerdings scheinen die Innenminister der Bundesländer nach wie vor an einem Konzept zu arbeiten, das ein Verbot der Stehplätze in der Bundesliga zur Folge haben könnte, wenn Gewalt und das Abbrennen von Pyrotechnik in der Rückrunde nicht nachlassen. Die DFL wiederum will bislang die “heilige Kuh Stehplätze” noch nicht anfassen (…) ["Gesichtsscanner her? Stehplätze weg? - Da geht noch was in deutschen Stadien", Ostfussball.com, 14. Januar]

Nach dem jetzigen Sicherheitsgipfel betonten sowohl die anwesenden Politiker als auch die vertretenen Vereine, “dass ein Verbot von Stehplätzen derzeit kein Thema sei. Dies geschehe ‘zum Schutz der einzigartigen Fankultur in Deutschland’, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. ‘Stehplätze sind ein Markenzeichen des deutschen Profifußballs, Stehplätze wird es weiter geben’, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball: ‘Das ist eine gute Nachricht für Millionen von friedlichen Fußballfans. Allerdings ist es keine endlose Schleife’” [sportschau.de, 17. Juli].

Kann die wahrlich nun nicht gerade endlos hintergründig zu interpretierende Bedeutung von ‘derzeit’ und ‘vorerst’ unter Umständen bedeutungsschwanger zusammenhängend mit dem unterstellt angedachten Zungenschlag ‘Erpressung’ gelesen werden?

“Ich bin sehr dankbar, dass der Verhaltenskodex verabschiedet wurde”, wird Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zitiert.

“Wir sind sehr enttäuscht darüber, dass wir zu dem sogenannten Gewaltgipfel nicht eingeladen worden sind. Im Grunde ist es ohne Fanvertreter zwecklos, über Maßnahmen gegen Gewalt im Fußball zu diskutieren”, sagte Jakob Falk von der Fanvertretung Pro Fans. Die Fanvertreter fürchten nun populistische Schnellschüsse und härtere Sanktionen” [zeit.de, 17. Juli]

Beschlossen wurde übrigens auch, dass verhängte Stadionverbote zukünftig – in bislang allerding noch offiziell nicht näher definierten Ausnahmefällen – nicht maximal drei, sondern bis zu zehn Jahre gültig sein können.

Auf der Innenministerkonferenz der Bundesländer am 23. Juli steht dann das Thema Fußball erneut auf der Tagesordnung. Da geht noch was …

[om]


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6 Antworten to Fußball-Sicherheitsgipfel: Ja, da geht noch was in deutschen Stadien

[om]

Juli 17th, 2012 at 22:05

(…) “Was zu bestrafen ist, ist zu bestrafen”, sagte Reinhard Rauball, der Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Dass Rauball hinzufügte, auch der Dialog mit den Fans dürfe “nicht abreißen”, mag vielen Fußball-Anhängern wie ein Hohn vorgekommen sein. Fanvertreter waren zu der Tagung im Berliner Hotel Intercontinental schließlich nicht eingeladen worden.

So blieben die DFL, der Deutsche Fußball-Bund (DFB), die Vertreter der Politik und die Vereine der drei höchsten Spielklassen unter sich. “Wir machen gemeinsam Front gegen Gewalt, es gibt eine Null-Toleranz-Politik ab der kommenden Saison”, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. “Wir wollen einen Weg skizzieren, der dazu führt, dass Gewalttäter aus unseren Stadien verbannt werden.”

(…) wurde klar, dass der Fußball und die Politik diesen Weg vor allen Dingen zu zweit beschreiten wollen (…)

| tagesspiegel.de | 17. Juli 2012 | 17:14 |

(…) Dass DFB, DFL und der Minister zwar über, aber nicht mit den Fangruppen redeten, das hat bei Organisationen wie Pro Fans oder Unsere Kurve viel Frustration ausgelöst. “Niemand weiß so gut darüber Bescheid, wie die Fankurven ticken und was dort gedacht wird, wie wir”, sagt Philipp Markhardt, der Sprecher von Pro Fans. Es verstehe niemand, warum auf einem Gipfeltreffen zur Fangewalt auf “dieses Expertenwissen” verzichtet werde. Damit werde “so ein Treffen im Grunde zwecklos”, sagt Kollege Jakob Falk.

Das sieht DFL-Präsident Reinhard Rauball (…) anders. Es könne keine Rede davon sein, dass die Fans übergangen würden, “deren Gedankengut” sei durchaus in die Vorstellungen der Sicherheitskonferenz mit eingeflossen. Zudem “saßen heute diejenigen zusammen, die für das, was passiert, auch geradestehen müssen”. Damit meinte er die Vereine, nicht die Fans.

Dabei ging es bei dem Treffen mit dem Bundesinnenminister doch vorrangig um die Fans, die geradestehen sollen, nämlich jene “Minderheit der Unverbesserlichen, die die Fußballbühne missbrauchen” (Rauball). Die Stadionverbotsrichtlinien sollen verschärft werden, Einlasskontrollen “effektiver werden”, Videoanlagen werden aufgerüstet, um eine “zuverlässige Identifizierung von Störern” zu gewährleisten. Und vor allem: null Toleranz “gegen jede Form von Pyrotechnik”, wie DFB-Chef Wolfgang Niersbach ergänzte (…)

Ein Verein hat den Kodex nicht gegengezeichnet. Zweitligist Union Berlin, bekannt für seine lebendige Fankultur, war dem Treffen mit dem Minister ferngeblieben. Der Club ließ über Vereinssprecher Christian Arbeit mitteilen, bei dem Treffen handele es sich um eine “Akklamationsveranstaltung”.

| spiegel.de | 17. Juli 2012 |

(…) Die Fanvertreter der Fußball-Bundesligaclubs haben geschockt auf die Ergebnisse des Sicherheitsgipfels reagiert. “Da verschlägt es einem die Sprache. Das sieht danach aus, dass die Repressalien erhöht werden”, fürchtete René Lau von der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte.

“Meines Erachtens ist der Gipfel für die Fans eine Katastrophe”, fügte Lau hinzu. Auf der Konferenz des Deutschen Fußballbundes (DFB), der Deutschen Fußballliga (DFL) und des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich (CSU) wurden unter anderem schärfere Stadionverbote und die Ächtung von Pyrotechnik erneuert.

“Das ist eine härtere Keule, als wir erwartet haben. Das ist eine drastischere Verschlechterung und ein falsches Signal”, kritisierte Jakob Falk von der Fanvertretung “Pro Fans”: “Ich frage mich, wozu wir dann in der AG Fanbelange mitarbeiten, wenn wir an solchen entscheidenden Tagen nicht da sind.” Nur allzu gerne hätten die Fans an der Konferenz teilgenommen. Eine Einladung erhielten sie aber nicht (…)

(…) “Uns fehlt eine Versachlichung in der Diskussion. Wir brauchen keine Hysterie”, meinte Falk. Thomas Beckmann von der Bundesgemeinschaft der Fanprojekte glaubt, dass der Sicherheitsgipfel nur einen Sinn verfolgt: “Es werden Dinge verkündet, nur um die öffentliche Meinung zu beruhigen.” (…)

| newsticker.sueddeutsche.de | 17. Juli 2012 | 18:09 |

MusikusFußballFan

Juli 17th, 2012 at 23:39

Etwa eine gewollte Anspielung auch auf das Licht Im Dunkel by MikroMatique? ;-)  

[om]

Juli 18th, 2012 at 09:11

(…) Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, fordert nach dem Berliner Sicherheitsgipfel von den Innenministern klare Auflagen an die Fußballvereine (…)

“Ich bin dafür, dass alle Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit analysiert werden. Wir geben viel Geld für Fanprojekte aus . bringt das etwas? Oft wird nach dem Motto gehandelt: Viel bringt viel. Aber das ist Quatsch. Es sind andererseits noch nicht alle Möglichkeiten genutzt: Verbesserung der Zugangskontrolle, Professionalisierung der Ordnerdienste, bessere Videotechnik, damit man die Krawallmacher auch erkennt und herausfischen kann. Niedersachsen will Hunde ausbilden, um Bengalos vorher aufzuspüren – wenn das geht, gerne. Fußball ist zwar eine private Sache, aber wenn 80.000 Menschen zusammen sind, geht es um die öffentliche Sicherheit. Der Verhaltenskodex, der jetzt verabschiedet wurde, erinnert mich an frühere Zehn-Punkte-Erklärungen. Man muss handeln.”

(…) | Rhein-Neckar-Zeitung | 18. Juli 2012 | 07:02 |

(…) Ein neuer Verhaltenskodex, aber kaum konkrete Beschlüsse: Im Kampf gegen die zunehmende Gewalt im Fußball haben Vereine, Verbände und Politik beim mit Spannung erwarteten Sicherheitsgipfel in Berlin den Fans eine letzte Chance gegeben, ihren Null-Toleranz-Kurs gegen die Krawallmacher aber deutlich zum Ausdruck gebracht. Auch die Drohkulisse durch die Spitzenpolitiker steht: Sollte es in der kommenden Saison nicht eine deutliche Beruhigung geben, drohen den Fußballfans harte Einschnitte bis hin zum Verlust der Stehplätze.

“Wir haben deutlich gemacht, dass wir erwarten, dass das, was beschlossen ist, auch ernsthaft umgesetzt wird”, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich: “Ich habe mir aber auch erlaubt, deutlich zu machen, dass wir uns auch weitere Maßnahmen vorstellen können, wenn es nicht ruhig wird.” (…)

| Mannheimer Morgen | 18. Juli 2012 |

(…) Das Verbot von Stehplätzen in deutschen Fußballstadien und die Beteiligung der Vereine an den Kosten für Polizeieinsätze innerhalb der Arenen ist für Lorenz Caffier (CDU), Vorsitzender der Innenministerkonferenz, nicht vom Tisch. “Wir werden den Verlauf der kommenden Saison abwarten”, sagte er (…) nach dem Sicherheitsgipfel des DFB (…)

| Norddeutsche Neueste Nachrichten | 17. Juli 2012 | 21:55 |

Jay

Juli 18th, 2012 at 17:21

Sollte es in der kommenden Saison nicht eine deutliche Beruhigung geben, drohen den Fußballfans harte Einschnitte bis hin zum Verlust der Stehplätze.

Was bedeutet “Beruhigung”? Glaubt denn einer ernsthaft, dass nie wieder Pyro gezündet wird? Nie wieder Aufstiegs-Platzstürme?

Die Abschaffung der Stehplätze ist doch schon beschlossen. Man wartet nur noch auf einen Anlass. Reine Sitzplatzstadien versprechen höheren Umsatz. DAS ist doch das Ziel. Darauf arbeitet man kontinuierlich hin. 

Teures Essen kaufen, Cola oder Red Bull trinken, Kohle im Fanshop lassen, hinsetzen, zugucken, Klappe halten!
Stimmung raus, Eventpublikum rein!

Stadionwelt.de -

-> Abschaffung der Stehplätze längst beschlossen?

[om]

Juli 22nd, 2012 at 17:03

(…) Endlich! – Das Motto steht: “Schluss mit Kuschelkurs!” (…)

(…) | Glosse: Einfach Kriegsrecht ausrufen | eurosport.yahoo.com | 17. Juli 2012 | 08:16 |

ThunderBlaze

August 1st, 2012 at 17:09

“ZIVILCOURAGE IM FUSSBALL pauschal abgestraft – Mainzer Fans stellten sich auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel gegen Neonazis. Nun verhängte der DFB Stadionverbote. Ein ‘Skandal’, meinen Fanvertreter.”
Link:  http://www.taz.de/!97184/

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