Fundstück des Tages # 99 [RasenBallsport: Red Bull in Leipzig und Salzburg offenbar flügellos]
Oktober 19, 2010 | In: Chemnitzer FC, Fundstück des Tages, RB Leipzig, Regionalliga Nord, Spieler-Infos
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In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges schon selbst postulieren und dabei ihrerseits sprechen, zuweilen auch vielleicht in teilweiser Ergänzung einiger vormaliger ostfussball.com-Publikationen …
(…) Der deutsche Regionalligist RasenBallsport Leipzig und der österreichische Meister Red Bull Salzburg hinken ihren hochgesteckten Zielen ein gutes Stück hinterher. Die Umschichtung der Prioritäten könnte sich noch verschieben.
Am fehlenden Fleiß kann es nicht liegen. Seit Tomas Oral beim Regionalligisten RasenBallsport Leipzig das Sagen hat, dauern selbst Trainingseinheiten am Vormittag oft zwei Stunden und mehr. Der Fußballlehrer ist ein akribischer Arbeiter. So hat der 37-Jährige schon den FSV Frankfurt direkt in die zweite Liga geführt, weshalb Oral genau der richtige Mann schien, um mit RB Leipzig ähnliches zu vollbringen.
Dahinter steht bekanntermaßen der Getränkekonzern Red Bull, der 100 Millionen Euro für Investitionen bereithält, um den Klub schleunigst auf dem deutschen Markt als erstklassiges Produkt zu verankern. Dummerweise ist das in weiten Teilen des Landes argwöhnisch beäugte Ost-Projekt kräftig ins Stocken geraten (…) Rückstand auf Spitzenreiter Chemnitzer FC: neun Punkte. Weil nur der Meister aufsteigt, ist der holprige Saisonstart mehr als ein Alarmzeichen.
In Leipzig wird seit dieser Saison nicht nur in einem erstklassigen Stadion gespielt – in der entsprechend umbenannten Leipziger Arena -, sondern für viertklassige Verhältnisse auch ein erstklassiger Kader entlohnt. Ingo Hertzsch (einst Nationalspieler), Thomas Kläsener (früher Schalke), dazu weitere erstligaerprobte Profis wie Tim Sebastian, Timo Rost oder Nico Frommer tragen ein kampfeslustiges Wappen mit zwei Stieren auf der Brust, doch im Grunde wollen sie wohl mit spielerischer Leichtigkeit ihre Liga erobern. Was nicht funktioniert. “Meine Spieler rufen ihre Leistung nicht ab”, klagt Oral (…) Und: “Die Entwicklung hakt.” So etwas hört Firmenboss Dietrich Mateschitz im fernen Salzburg sicher nicht gerne, doch dort haben sie gerade noch größere Probleme. Die jüngste 0:2-Niederlage gegen den Kapfenberger SV manifestiert einen neuen Tiefpunkt des Meisters – Platz sieben ist nicht das, was vom mit Abstand am besten ausstaffierten Spielerkader Österreichs erwartet wird.
“Wir halten an unser Zielsetzung fest”, versichert der für den sportlichen Bereich zuständige Thomas Linke, “wir wollen Meister werden und dauerhaft international vertreten sein.” Der früher in Gelsenkirchen und München für seine Verlässlichkeit geschätzte Abwehrspieler sagt: “Bayern und Schalke wären froh, wenn sie nur so wenig Rückstand hätten wie wir.” Linke (…) weiß, dass schon mit der verpassten Qualifikation für die Champions League (…) Ernüchterung einkehrte (…) Selbst eine weitere Pleite – so wird versichert – werde den oft übellaunigen Trainerkauz Huub Stevens nicht den Job kosten.
Dietmar Beiersdorfer, der übergeordnete Projektleiter für alle Fußballaktivitäten – Red Bull unterhält auf Mateschitz-Begehr noch ein Profiteam in New York und Akademien in Ghana und Brasilien – ist ohnehin nicht für aktionistisches Gehabe bekannt. Aus der Konzernzentrale ist zu hören, dass es für grundsätzliche Beurteilungen zu früh sei. Der Finanzier Mateschitz möchte irgendwann ohnehin die Prioritäten umschichten – Leipzig soll mit dem stärkeren Team in Deutschland in der Bundesliga etabliert sein und Salzburg dann in Österreich nur noch die besten U-21-Akteure beherbergen. Ein Zeitraum von fünf Jahren schwebte dem 66-jährigen Milliardär dafür im besten Falle vor. Möglicherweise ist Fußball aber doch einmal ein langfristiger zu planendes Geschäft.
[Quelle im vollständigen Original: "Holpriger Saisonstart der Red-Bull-Clubs - Fußballer ohne Flügel", fr-online.de, 18. Oktober 2010]
Print-Lesetipp: “Im Sog des Kapitals – Das österreichische Getränkeunternehmen Red Bull hat in Leipzig einen Verein installiert, der jetzt möglichst schnell von der vierten in die erste Liga aufsteigen soll. Das Großprojekt provoziert alteingesessene Fans. Sie sehen darin eine Bedrohung für ihre Fußballkultur.” [DER SPIEGEL, Heft 42/2010, 18. Oktober 2010] – Ostfussball.com wird diesen Artikel zu gegebener Zeit exzerpieren.
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3 Antworten to Fundstück des Tages # 99 [RasenBallsport: Red Bull in Leipzig und Salzburg offenbar flügellos]
Sebastian
Oktober 20th, 2010 at 00:11
Ist das Logo nicht eigentlich verboten? Wird Zeit, dass man den Verband mal wieder daran erinnert, denn er verletzt seine eigenen Statuten. Das sollte man mal nicht vergessen. Ein Brief an den NOFV oder den DFB wäre mal angebracht …
Die sollen mal nicht denken, dass es die Leute vergessen, denn das ist meine Vermutung.
bLAU WEIß
Oktober 21st, 2010 at 10:02
Nicht nur RB Leipzig und RB Salzburg sind flügellos, nein der gesamte Konzern gerät, Gott sei Dank, so langsam in die Schieflage.
-> http://www.t-online-business.de/red-bull-der-bull-doser/id_43166368/index
Maurer
Oktober 21st, 2010 at 17:20
Die Angelegenheit mit dem Logo scheint mittlerweile geklärt zu sein. Warum und wieso wurde aber nicht in der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Man hat sich dazu mit dem zuständigen Verband geeinigt. Hoffentlich nicht so, wie das bei der FIFA momentan abläuft.