Fundstück des Tages # 97 [Achim Mentzel, Vereinshymne für Union Berlin, Dynamo-Ball mit Erich Mielke]

Oktober 12, 2010 | In: 1. FC Union Berlin, BFC Dynamo, Blog-Ostalgie, DDR-Ligen, Fundstück des Tages, Fußballfans


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In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges schon selbst postulieren, dabei ihrerseits sprechen oder eben auch einfach nur Geschichten über die Geschichte zu erzählen scheinen, zuweilen vielleicht sogar in teilweiser Ergänzung oder Entgegnung beispielsweise einer vormaligen ostfussball.com-Publikation (Mauer, Ossis und die Einheit, Satire?) …

Frage: Herr Mentzel, in der DDR war auch Vinyl knapp. Wie konnte es ausgerechnet Ihre Hymne über den Oberliga-Underdog 1. FC Union 1985 auf eine Amiga-Single schaffen?

Mentzel: Als mich Harry Jeske von den Puhdys fragte, ob ich seine Union-Hymne “Stimmung in der Alten Försterei” einsingen würde, habe ich sofort zugesagt, obwohl ich kein richtiger Union-Fan war.

Faksimile: fc45.de

Faksimile: fc45.de

Frage: Hielt denn die Realität, was später der Titel “Stimmung in der Alten Försterei” versprach?

Mentzel: Da ging schon was ab, jedenfalls mehr als bei der Produktion. Die Aufnahme war eine typische DDR-Improvisationsnummer.

Frage: Wie sah das konkret aus?

Mentzel: Für den Chor hatten wir Union-Fans ins Studio bestellt. Da aber bloß drei oder vier kamen, mussten wir sie mehrmals übereinander singen lassen, damit es voller klingt.

Frage: Angeblich haben Sie die Hymne in der DDR fast mal vor Stasi-Chef und BFC-Dynamo-Fan Erich Mielke gesungen?

Mentzel: Nee, nee.

Frage: Wie war es denn?

Mentzel: Ich bin mal beim Dynamo-Ball aufgetreten, der jedes Jahr mit allen Sportlern der SV Dynamo, einschließlich der BFC-Fußballer, gefeiert wurde. Da traten sogar lauter Schlagersänger aus dem Westen auf (…) Für uns Musiker war das lediglich eine gut bezahlte Mugge. Es handelte sich nicht um ein Privatvergnügen von Mielke. Ich habe da meine Stimmungslieder gesungen.

Frage: Auch “Stimmung in der Alten Försterei”?

Mentzel: Nein. Ich glaube, da hätten die mich sofort verhaftet.

[Interview-Auszug, Quelle im vollständigen Original: "Union-Fan Achim Mentzel - 'In Köpenick ging schon was ab'", 11FREUNDE@SPIEGEL ONLINE, spiegel.de, 8. Oktober 2010]


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