Fundstück des Tages # 92 [Terra incognita Ostfußball, Feiergründe?]
Oktober 1, 2010 | In: 1. FC Lok Leipzig, 1. FC Magdeburg, 2. Bundesliga, 3. Liga, BFC Dynamo, Blog-Ostalgie, Chemnitzer FC, FC Carl Zeiss Jena, FC Energie Cottbus, FC Rot-Weiß Erfurt, Fundstück des Tages, Hallescher FC, Nationalmannschaft, Oberliga NOFV-Nord, Oberliga NOFV-Süd, Regionalliga Nord, SG Dynamo Dresden
.
Ladbrokees.com - Nr. 1 bei Fussballwetten!
50 Euro kostenlose Wette!
ladbrokes.com >>>
In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges selbst postulieren, dabei ihrerseits sprechen oder eben einfach nur Geschichten über die Geschichte erzählen, durchaus vielleicht auch in teilweiser Ergänzung oder Entgegnung beispielsweise der einen (Leipzig: Budenzauber zur deutschen Einheit) oder anderen (Achim Streich, Ostfußball, blutendes Herz und mehr) vormaligen ostfussball.com-Publikation …
(…) Die Gala steigt an historischer Stelle, auch wenn der große Fußball 20 Jahre nach der Wiedervereinigung am Osten weitgehend vorbeirollt.
In Leipzig, dem Ort des ersten deutschen Fußball-Meisters VfB, wollen Weltmeister, Funktionäre und ehemalige Nationalspieler am 20. und 21. November das Jubiläum unter anderem mit einem verspäteten Duell zweier deutscher Teams begehen. Aktuell aber gibt es für den Spitzenfußball zwischen Mecklenburg und Thüringen wenig zu feiern. Hans-Georg Moldenhauer, als Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) 20 Jahre Ost-Baumeister, sprach schon von einer “Verödung”, gegen die angekämpft werden müsse.
Als in Leipzig am 21. November 1990 (…) der aufgelöste Deutsche Fußball-Verband (DFV) der DDR als Regionalverband NOFV dem DFB beitrat, erwarteten viele auch im Fußball-Osten blühende Landschaften. Mit einer 6+2-Regel kamen Hansa Rostock und Dynamo Dresden in die Bundesliga, sechs weitere Vereine der ehemaligen DDR-Oberliga in die 2. Bundesliga. Schon im Dezember 1990 gegen die Schweiz (4:0) gaben der heutige DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und der erste DDR-Spieler in der Bundesliga, Andreas Thom, ihren Einstand im Team des Deutschen Fußball-Bundes. Doch nicht nur Franz Beckenbauer irrte mit seiner Aussage, die Weltmeister von 1990 seien zusammen mit den DDR-Stars “auf Jahre” unschlagbar.
Die Erfolge im Breiten- und Jugendfußball sind unumstritten. Der DFB steckte viele Millionen Mark und Euro in neue Infrastrukturen. Die 15 sportbetonten Fußballschulen, die seit 1996 vom DFB gefördert werden, liegen alle auf dem Gebiet der neuen Bundesländer und sind als Nachfolger der Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) inzwischen wieder anerkannt. Acht der 29 Eliteschulen des DFB arbeiten zudem im Osten. “Wir haben in der aktuellen Arbeit von der Nachwuchsförderung der DDR, von den Organisationsformen und den inhaltlichen Aspekten im Osten sehr, sehr viel übernommen. Viel mehr als man vielleicht denkt”, sagte Sammer (…)
Sammer besiegelte mit zwei Toren am 9. September 1990 das historische 2:0 der DDR-Auswahl in Brüssel gegen Belgien – es war das letzte von 293 Länderspielen. 1996 führte der Ex-Dresdner das deutsche Team zum Europameister-Titel. “Man hat eben erkannt, dass ein geschlossenes Förderstufensystem in verschiedenen Altersstufen ein sehr gutes Modell ist”, erklärte Sportdirektor Sammer jetzt. Nur mit Verzögerung beginnt das System auch im Osten zu wirken: Mit dem FC Hansa Rostock wurde in der vergangenen Saison erstmals ein Team aus den neuen Ländern Bundesliga-Meister der A-Junioren.
Dass sich auch bei den Männern ein Ost-Verein aufschwingt, um große Titel mitzuspielen, scheint noch auf Jahre undenkbar. Der Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, die für Proficlubs so wichtige Wirtschaftskraft hinkt weiter hinterher. “Die Diskrepanz ist riesengroß”, sagte Moldenhauer (…) Bereits in den ersten fünf Jahren nach der Wende waren rund 150 ehemalige DDR-Spieler in die alten Bundesländer gegangen. Längst zählt niemand mehr die Fußball-”Grenzgänger”.
Nur 34 Ost-Spieler haben nach 1990 den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft geschafft. Und die Tendenz ist weiter rückläufig (…)
Ein Erfolg wäre schon, wenn Clubs wie Energie Cottbus oder Hansa Rostock überhaupt wieder einmal den Sprung in die Beletage schaffen. Von den 14 Mannschaften, die in der Saison 1990/91 letztmals im Osten erstklassig spielten, ist nur noch der FC Energie zweitklassig. Hansa, Dynamo Dresden, Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena kicken in der 3. Liga. Ex-Europacupsieger 1. FC Magdeburg ist wie der Hallesche FC und der Chemnitzer FC – der Ausbildungsclub von DFB-Kapitän Michael Ballack – inzwischen viertklassig. Andere wie Lok Leipzig und der BFC Dynamo kämpfen sich in Liga 5 durch.
[Quelle im vollständigen Original: "Wenig Grund zum Feiern - Ost-Fußball weißer Fleck", newsticker.sueddeutsche.de, 1. Oktober 2010, 10:28]
.


2 Antworten to Fundstück des Tages # 92 [Terra incognita Ostfußball, Feiergründe?]
Elbbiberchen
Oktober 1st, 2010 at 16:04
… und nicht mal ein Wörtchen zu den Schachtern aus dem Erzgebirge, tz tz tz, das wird einige aber gar nicht freuen, ist zu vermuten.
“Von den 14 Mannschaften, die in der Saison 1990/91 letztmals im Osten erstklassig spielten, ist nur noch der FC Energie zweitklassig.”
Klar und sachlich richtig: Nach der Saison 1989/90 ist die BSG Wismut Aue als damaliger Tabellendreizehnter aus der DDR-Oberliga abgestiegen. Mithin spielt der FC Erzgebirge Aue aber wohl immerhin in der 2. Bundesliga.
Dahingehend einigermaßen seriös-detailliert ist der dpa-Artikel beim Newsticker von sueddeutsche.de ja irgendwie nicht unbedingt.
So, und jetzt suchen wir mal gemeinsam im zitierten Beitrag einen klitzekleinen Hinweis beispielsweise auf einen anderen aktuellen Zweitligisten, den 1. FC Union Berlin …
admin
Oktober 1st, 2010 at 16:09
Man hat schon den Eindruck, jeder muss jetzt noch schnell etwas zum Tag der Deutschen Einheit hinkritzeln …