Fundstück des Tages # 91 [Achim Streich, Ostfußball, blutendes Herz und mehr]

September 30, 2010 | In: 1. FC Magdeburg, Blog-Ostalgie, FC Energie Cottbus, FC Erzgebirge Aue, FC Hansa Rostock, Fundstück des Tages, Nationalmannschaft, RB Leipzig, Spieler-Infos


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In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges selbst postulieren, dabei ihrerseits sprechen oder eben einfach nur eine Geschichte über die Geschichte zu erzählen scheinen, durchaus vielleicht auch in teilweiser Ergänzung beispielsweise einer vormaligen ostfussball.com-Publikation (Leipzig: Budenzauber zur deutschen Einheit) …

SID: “Herr Streich, 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist kein Ostklub in der Bundesliga vertreten. Tut Ihnen das weh?”

Joachim Streich: “Da blutet mir das Herz, denn ich bin mit den Klubs groß geworden, die heute zum Teil in der Versenkung verschwunden sind. Wenn ich mir die Sportschau angucke, dann fehlt mir schon etwas. Es ist traurig, dass der Osten in der Bundesliga momentan ein weißer Fleck ist.”

SID: “Woran liegt das Ihrer Meinung nach?”

Streich: “Natürlich spielt die Wirtschaft eine Rolle, die blüht im Osten nun einmal nicht gerade. Aber das ist nicht der einzige Grund. Bayern München ist der Erfolg auch nicht in den Schoß gefallen, die haben sich alles hart erarbeitet. Bei den Ostklubs haben die Verantwortlichen viele Fehler gemacht. Was zum Beispiel bei Hansa Rostock zuletzt abgelaufen ist, war unglaublich.”

SID: “Bei Hansa läuft es aber jetzt in der 3. Liga wieder gut, Energie Cottbus und Erzgebirge Aue stehen in der 2. Liga ganz oben. Ist das kein Aufwärtstrend?”

Streich: “Das ist eine Momentaufnahme, in ein paar Wochen könnte das wieder ganz anders aussehen. Ich glaube, dass es noch eine lange Zeit dauern wird, bis wieder ein Ostverein in der Bundesliga für Furore sorgt.”

SID: “In RB Leipzig überholt ein sogenannter Retorten-Klub mit viel Geld manchen Ost-Traditionsverein. Sehen Sie das kritisch?”

Streich: “Ich finde, dass das eine gute Sache ist. RB Leipzig kann mittelfristig eine Mannschaft aufbauen, die oben mitmischen kann. So etwas braucht die Region. Die anderen hatten ja ihre Chance, als sie nach der letzten DDR-Oberligasaison Startplätze in der ersten und zweiten Liga bekamen. Aber aus dieser Chance haben sie nicht viel gemacht.”

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Achim Streich, März 2007 (Faksimile: dynamo-dresden.de)

SID: “Nach Ihnen sind nur wenige in der DDR ausgebildete Trainer im Profifußball untergekommen, einen Titel feierte nur Hans Meyer. Warum?”

Streich: “Die Trainer aus dem Osten hatten alle eine große Qualität. Was wir nicht hatten, waren gute Verbindungen, um in das Geschäft reinzukommen. Das war wie ein geschlossener Kreis, in den man nicht hineinkam. Uns hat eindeutig die Lobby gefehlt. Nehmen wir Peter Neururer als Beispiel. Wie oft ist der gefeuert worden, aber er kam immer wieder unter, weil er die richtigen Leute kannte.”

SID: “Warum haben sich DDR-Trainer nicht mehr aufgedrängt?”

Streich: “Wir waren vom Charakter her nicht die Typen, die auf der Tribüne gehockt haben, wenn es bei einem Kollegen irgendwo gekriselt hat. Dass man in dieser Gesellschaft extrem die Ellenbogen ausfahren muss, haben wir erst lernen müssen.”

SID: “Das alles klingt nach reichlich Frust …”

Streich: “Nein, wirklich nicht. Ich finde, dass die Wiedervereinigung im Fußball problemloser vollzogen wurde als in anderen Bereichen der Gesellschaft.”

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Faksimile: glassblog.wordpress.com

[Interview-Auszug SID -> "Streich: 'Da blutet mir das Herz'", focus.de, 30. September 2010, 12:47]


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3 Antworten to Fundstück des Tages # 91 [Achim Streich, Ostfußball, blutendes Herz und mehr]

Trulli

September 30th, 2010 at 20:06

Wieder ein Befürworter, einer der’s blickt.

Guter Beitrag.

admin

Oktober 1st, 2010 at 10:25

“Die anderen hatten ja ihre Chance, als sie nach der letzten DDR-Oberligasaison Startplätze in der ersten und zweiten Liga bekamen. Aber aus dieser Chance haben sie nicht viel gemacht.”

Von welcher Chance spricht Herr Streich da? Etwa von dieser:

(…) Von den 14 Erstligisten des ehemaligen FIFA-Mitglieds DDR wurden ganze zwei (Dynamo Dresden, Hansa Rostock) in die Erste Bundesliga eingereiht – sechs weitere Clubs durften sich in der dann zweigeteilten Zweiten Bundesliga versuchen. Für die letzten sechs (ist das eigentlich weltweiter Rekord?) blieb nur der Gang in die Drittklassigkeit. Ein Absturz ohne Netz und doppelten Boden. Erholt hat sich davon bis heute kaum einer der Vereine (…)
http://ostfussball.com/fundstueck-des-tages-71-ddr-dfb-ostfussball-rb-leipzig-467/

Ich finde, dass die Wiedervereinigung im Fußball problemloser vollzogen wurde als in anderen Bereichen der Gesellschaft.”

Ähm – eine Wiedervereinigung ohne Ostclubs in der 1. Bundesliga hat ja wohl nicht stattgefunden! Oder sehe ich das etwa falsch?
Auf die Frage nach RB gehe ich heute mal nicht ein, weil der Rest des Interviews schon kaum verständlich und nachvollziehbar in seinen Aussagen ist.

Elegius Sassenfrahn

Oktober 6th, 2010 at 12:26

Also ich finde, der Streich hat Recht. Liegt doch auf der Hand.

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