Fundstück des Tages # 84 [sportal.de und die größten deutschen Derbys]
September 17, 2010 | In: 1. FC Lok Leipzig, 1. FC Union Berlin, BFC Dynamo, BSG Chemie Leipzig, DDR-Ligen, FC Sachsen Leipzig, FDGB-Pokal, Fundstück des Tages, Ost-Derbys, RB Leipzig
.
Ladbrokees.com - Nr. 1 bei Fussballwetten!
50 Euro kostenlose Wette!
ladbrokes.com >>>
In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert; da allein die Fundstücke als solche schon einiges postulieren und dabei ihrerseits zuweilen mit Geschichten über die Geschichte - vielleicht auch in gewisser geografischer Beschränktheit – zu sprechen scheinen. Und so beantwortet halt die Redaktion von sportal.de die sich vermutlich selbst gestellte Top-Ten-Frage “Was sind eigentlich die wichtigsten deutschen Derbys?” …
[7.] Das Berliner Derby: BFC Dynamo – FC Union
Am anstehenden Derbywochenende (…) kommt es zum Spiel zwischen Union und Hertha BSC. Da beide Mannschaften jedoch keinerlei Wettkampfgeschichte verbindet, taugt das Match kaum zur Aufnahme in unsere Liste. Da der Hertha im Westen der Stadt auch immer ein ebenbürtiger Rivale fehlte (Tennis Borussia war sportlich und von der Fanbasis her zu unbedeutend), muss man schon in den Ostteil Berlins blicken, um echte Derbyemotionen zu finden.Nichts liebte der DDR-Fußballfan mehr als das Gefühl, auf dem Feld des Fußballs die Pläne des Staats scheitern zu sehen. Anders als in vielen anderen Sportarten, die mit großem legalen und illegalen Aufwand gefördert wurden, entzog sich der Fußball immer zumindest teilweise den Steuerungsabsichten der Funktionäre. Der als “Stasi-Club” verhasste Verein des Ministeriums für Staatssicherheit, der BFC Dynamo, schaffte es jedoch vor allem in den 1980er Jahren, als er den inzwischen umgesiedelten Berliner Armeeklub ASK Vorwärts als Liebling der Eliten abgelöst hatte.
Der FC Union, organisatorisch an den Gewerkschaftsbund FDGB angegliedert, hatte trotz Erfolglosigkeit und Pendeln zwischen den Ligen meist mehr Zuschauer als der Serienmeister und Europapokalteilnehmer Dynamo. Um den Heimvorteil der Eisernen zu brechen (sagen Union-Fans), wurde das Derby fast immer aus der Alten Försterei ins Stadion der Weltjugend verlegt, wo manchmal mehr als 40.000 Zuschauer den Stadtduellen beiwohnten. Hier erhielt Union so manche schlimme Klatsche, darunter das 1:8 in der Oberliga 1986 oder das gleiche Ergebnis im FDGB-Pokal 1978.
Seit einigen Jahren hat es das Ostberliner Derby nun nicht mehr gegeben, und die Kräfteverhältnisse haben sich umgekehrt. Union spielt in der 2. Liga in einem schönen neuen Stadion, während der BFC Dynamo nach mehreren Namens- und Identitätswechseln in der fünftklassigen Oberliga Nordost (Nord) kickt und dort aktuell auf dem 13. Tabellenplatz rangiert.
[2.] Das Leipziger Derby: Chemie Leipzig – Lokomotive Leipzig
Wie in Berlin sah auch in Leipzig der typische DDR-Derby-Konflikt so aus, dass das vermeintliche Team des Establishments gegen eine Mannschaft, der “die Herzen der Bevölkerung gehörten” konkurrierte. Allerdings kann man von Lok Leipzig nicht behaupten, dass der Club nicht unterstützt worden wäre. Anders als der BFC Dynamo hatten die Eisenbahner durchaus auch breiten Rückhalt in der Bevölkerung. Und anders als die Berliner gelang es Lok nie, den Meistertitel der DDR-Oberliga zu erringen, obwohl der Club als Leistungszentrum des Fußballs in der zweitgrößten Stadt des Landes auserkoren worden war.Meister wurde dafür der unscheinbare Lokalrivale Chemie, und das ausgerechnet dann, als die besten Fußballer der Stadt Anfang der 1960er Jahre zum SC Leipzig, dem Vorgängervon Lok, delegiert worden waren. Unter dem legendären Trainer Alfred Kunze gewann die BSG Chemie mit den als nicht gut genug aussortierten Spielern den Oberligatitel, was bis heute als Grundstein der “Leutzscher Legende” gilt.
Obwohl Leipzigs Fußball nach der Wende in den Tiefen der Amateurligen versank, nahmen die Spannungen rund um das Derby zwischen der nach Konkurs des VfB Leipzig unter altem Namen wieder auferstandenen Lok und den inzwischen in FC Sachsen umbenannten Chemikern deutlich zu. Überlagert wurden die Konflikte von politischen Frontstellungen zwischen den teilweise rechtsgerichteten Lok-Anhängern und manchen eher der linken Szene zuzuordnenden Chemie-Anhängern.
Unter großem Polizeiaufgebot wurden die Derbys zuletzt meist im Zentralstadion ausgetragen. Das WM-Stadion, von der FIFA 2006 offiziell als Heimspielstätte des FC Sachsen geführt, soll in Zukunft jedoch den Retortenverein RB Leipzig bei seinem angestrebten Marsch durch die Spielklassen beherbergen. Das abzulehnen ist immerhin etwas, auf das sich die Anhänger von Lok und Chemie problemlos einigen können.
[Quelle im vollständigen Original: "Die zehn größten deutschen Derbys", sportal.de, 17. September 2010]
Zur Diskussion im -> Ostforum
.

