Fundstück des Tages # 31 [Ohne Ballack fahr'n wir zur WM]
Mai 20, 2010 | In: Fundstück des Tages, Nationalmannschaft, Spieler-Infos
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In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – in der Regel unkommentiert, da allein das Fundstück als solches schon einiges selbst postuliert; beispielsweise zum Fernbleiben unseres Super-Michaels in Südafrika …
Der bisher ungekrönte Weltmeister ist – keine Frage – der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft (ostfussball.com, 4. Februar). Und wegen einem ungezogenen ‘Ghettokind’ aus Westberlin wird es auch zukünftig so bleiben.
Michael Ballack hat sich geopfert, der “Capitano” (Jürgen Klinsmann) hat den Weg frei gemacht zu Deutschlands viertem Weltmeistertitel. Ein Opfer, das den Spieler selbst schmerzt, das aber notwendig war, um endlich wieder nicht nur Finals zu spielen, sondern sie auch zu gewinnen, wie früher, als noch keine Spieler aus der ehemaligen DDR in der deutschen Nationalmannschaft versuchten, bei großen Turnieren zu mitzusiegen. Und dabei regelmäßig scheiterten.
Dabei zeigte das Jahr 1990, wie souverän deutsche Fußballer die Weltspitze dominieren können. Die Mauer war gefallen, der Kalte Krieg beendet, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft war mit dem Selbstvertrauen der anstehenden Wiedervereinigung zur Weltmeisterschaft nach Italien gefahren. Dort holte sie prompt den Titel und Franz Beckenbauer, seinerzeit Trainer der Weltmeisterelf, drohte der Welt an, wie es weitergehen würde: “Deutschland wird durch die Wiedervereinigung und die Spieler der DDR auf Jahre unschlagbar sein”, kündigte er an.
Und irrte (…)
Ostdeutsche, das lehrt die Fußballgeschichte seit 1954, sind einfach nicht für den ganz großen Erfolg gemacht. Beweise dafür sind Legion: Niemals wurde ein ostdeutscher Spieler Weltmeister, niemals gelang einer DDR-Nationalmannschaft bei einer Welt- oder Europameisterschaft auch nur die Annäherung an die Spitzenteams der Welt. Der 1974er Sieg gegen den Klassenfeind aus dem Westen blieb ein singulärer Ausrutscher, verursacht wohl allein durch die statistisch belegbare Tatsache, dass eine deutsche Elf kein wirklich wichtiges Spiel gewinnen kann, wenn ostdeutsche Spieler mit auf dem Rasen stehen.
Ost und West zusammen sind seitdem die Garantie dafür, keinen Titel zu gewinnen (…)
(…) Je mehr Ostdeutsche in den Farben der Nationalelf aufliefen, umso stabiler schaffte es die Elf in die Nähe eines Titels. Und umso sicherer blieb er ihr am Ende doch versagt. Spielten 1994 noch zwei gebürtige Ostler im Nationaltrikot, waren es 1996 schon drei, 1998 gar fünf und 2000 wie auch 2002 sogar sieben. Danach ging es bergab, denn die Generation, die noch die strenge Zucht ordentlicher DDR-Sportschulen erlebt hatte, kam in die Jahre und nur wenig nach. 2004 standen nur noch drei Ossis im Kader, 2006 noch einmal vier und 2008 sogar fünf – doch die Zeiten, wo der Ostdeutschen-Anteil an der Gesellschaft auf dem Platz mit Sammer, Kisten, Freund, Heinrich, Jancker und Jeremies um 400 Prozent überboten wurde, waren vorüber.
Es sind Rückzugsgefechte zum Wohle des Fußballstandortes Deutschland, die die späte letzte Spartakiade-Generation der Ballack, Fritz, Enke, Adler, Borowski und Huth führt. Während sich Wolfgang Thierse, ostdeutscher Taliban und Straßenblockierer, noch besorgt fragt: “Was wäre die Nationalmannschaft zuletzt ohne die Spieler, die in der DDR ausgebildet worden sind, gewesen?”, kommt die Antwort vom Platz “Vielleicht Weltmeister?” Nach dem gefühlvoll inszenierten Rückzug von Robert Enke, dem Verletzungs-Verzicht von Adler und dem leistungsbedingten Rückzieher von Huth hat Michael Ballack als einer von nur noch drei verbliebenen gebürtigen Ostdeutschen im Kader von Jogi Löw mit Hilfe von Kevin Prince Boateng konsequent die Konsequenzen aus der verheerenden Titelbilanz ostdeutscher Fußballer gezogen. Ballack, und das ist eine nationale Tat, hat den Weg frei gemacht für einen Neustart zum Titel (…)
[WM ohne Ostfußballer: Abschied der Spartakiade-Kicker --- politplatschquatsch.com, 20. Mai 2010]
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1 Antwort to Fundstück des Tages # 31 [Ohne Ballack fahr'n wir zur WM]
Fundstück des Tages # 199 [Ballack, Nationalmannschaft, Ende mit Schrecken] by Ostfussball.com
August 10th, 2011 at 10:23
[...] zuweilen gleichfalls bereits einfach ihrerseits irgendwie selbst vor sich hin sprechen, vormalige Publikationen ergänzen und gerade unter Bundestrainer Löw mittlerweile leider zum Alltag gehören. (…) Es [...]