Fundstück des Tages # 283 [DFL contra Rechtsstaat - Interessiert keine Sau?]
Oktober 13, 2012 | In: Deutscher Fußball-Bund, Fundstück des Tages, Fußballfans, Ultras
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In loser Folge dokumentiert Ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist schon einiges postulieren und zuweilen einfach nur ihrerseits bereits irgendwie selbst vor sich hin sprechen und dabei durchaus manchmal kleine Geschichten erzählen oder darüber hinaus mitunter auch gewisse Befindlichkeiten sowie Entwicklungen mehr als nur anzudeuten scheinen …
(…) Liebe Leser, wir haben hier etwas rumliegen, was eine tickende Zeitbombe ist, die uns alle betrifft. Sie nennt sich “Sicheres Stadionerlebnis”. Dieses Konzept wird die bisherige Art des Fußballgenusses vollkommen verändern und unsere Art, zum Fußball zu gehen, schlichtweg zerstören. Das Konzept richtet sich nicht gegen Gewalt. Das Konzept will eine Diktatur des Populismus schaffen. Es will den unkritischen und ständig vermarktbaren Plastikfan ohne Meinung und Möglichkeit der Kritik (…)
(…) Man muss schon ein bisschen ausholen, damit man merkt, dass es hier deutlich weiter geht, als um Sicherheit, um Gewalt oder andere flache Stichwörter. Wir versuchen deutlich zu machen, dass hier eine Kaste von Funktionären versucht, sich ihr eigenes Recht und ihre ganz eigenen Machtinstrumente zu schaffen. Die Kaste der DFL-Funktionäre versucht hier, einen Staat im Staate aufzubauen, beziehungsweise sich eine Machtbasis ohne Kontrolle zu schaffen (…)
Liebe Leser, ob wir wollen oder nicht, wir leben in der Bundesrepublik Deutschland. Ob wir wollen oder nicht, wir unterwerfen uns damit den hier geltenden Gesetzen. Man kann dieses Staatenkonzept sehr gut hinterfragen, aber per se sind wir erstmal ein Teil dessen. Dieser Staat stellt Verbote auf, die uns mal mehr, mal weniger gefallen. Eines dieser Verbote untersagt es, jemanden zu beleidigen. Ein anderes ist das Pyroverbot. Die Grenzen dieses Verbotes soll der Staat bestimmen und hat dafür – im Idealfall – unabhängige Instanzen, die sich Justiz nennen. Und der Staat beansprucht für sich das Gewaltmonopol. Sprich: Nur er kann und will Verstöße sanktionieren. Auch das kann man alles in der Praxis kritisieren, aber heute wollen wir mal stark verkürzt sagen, dass dies für ein Zusammenleben von mehreren Millionen Menschen ein notwendiges Übel ist. Der Staat beruft sich dabei auf eine demokratische von unten aufgebaute Legitimation.
Nun hat der DFB auch seine eigene Gewalten (Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit sind hier wichtig zu nennen) und das ist auch so lange sinnvoll und okay, so lange “die da oben” sich um das kümmern, wo sie kompetent sind und wofür der DFB gegründet wurde. Nämlich Fußball, Fußballregeln und ein Ligasystem. Hier hat er auch eine Legitimation, durch seine Mitgliedsvereine und die Menschen, die aktiv und passiv Fußball genießen wollen. Auch das mag man kritisieren, doch hiervon sind wir ebenso ein Teil. Hochproblematisch wird es dann, wenn eine Seite diese Kompetenz verlässt, sich in das allgemeine Zusammenleben einmischen und eigene Regeln aufstellen will. Willkommen im Staat im Staate – ein “Sonderrecht Fußball” erscheint doch sehr zweifelhaft. Allein schon, weil es immer eine Legitimation geben muss. Ein Verbot ohne eine Legitimation ist in einer freien Gesellschaft schlichtweg nicht denkbar.
Na, wer fragt sich jetzt schon: Was labern die hier für einen theoretischen Scheiß? (…) Geht es hier wirklich noch um Gewaltvermeidung? Um Sicherheit? Ist der DFB/die DFL wirklich klüger als staatliche Stellen, wenn es um die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit geht? (…)
Der Status quo ist schon schlimm genug, aber die DFL will mehr. Es gibt dort Kräfte, die eine absolute Kontrolle erlangen wollen, die eine Kollektivhaftung und nicht weniger als die Zerschlagung der Kurven wollen (…)
Und der Hebel für dieses “es wird alles noch schlimmer” ist ein Papier mit dem Namen “Information und Diskussion über weitere Schritte zur Umsetzung der Ergebnisse der Sicherheitskonferenz in Berlin und der Innenminsterkonferenz” (…)
Die DFL versucht hier mit aller Macht, grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien für Fußballfans außer Kraft zu setzen. Sie versucht, ein eigenes Recht einzuführen und die kritische Kurve mundtot zu machen. Kurzum: Sie versucht, den Fußball grundlegend zu verändern! (…)
Quelle im vollständigen Original -> DFL contra Rechtsstaat – oder – Das Papier “Sicheres Stadionerlebnis”, magischerfc.de, 10. Oktober 2012
Interessiert hier wohl keine Sau …
… und für die meisten hier findet Ultra nur auf Bildern und Video statt …
Scheint wirklich so. Schade. Nein, Sorry, nicht Schade – eher nur peinlich. Ich geh’ derweil mal – durchaus sarkastisch formuliert – “so genannte aktive Fans” googeln …
[Ultras.ws - Thread Sicherheitskonferenz - Verhaltenskodex]
- Kommission: “Sicheres Stadionerlebnis” – Eckpunkte (Ostfussball.com, 12. Oktober 2012)
- DFB: Umsetzung des Maßnahmenkatalog am 12. Dezember (Ostfussball.com, 2. Oktober 2012)
- DFB, DFL, Fußballfans – Heiße Zeiten voraus? (Fundstück – Ostfussball.com, 29. September 2012)
- DFB: Neuer Maßnahmenkatalog veröffentlicht (Ostfussball.com, 27. September 2012)
- Ultras wieder einmal am Scheideweg? (Fundstück – Ostfussball.com, 23. September 2012)
- Ultras: Feindbild Numero Uno – DFB? (Fundstück – Ostfussball.com, 14. September 2012)
- Von Stehplätzen, Kollektivstrafen und garstigen Kind(ern) (Fundstück – Ostfussball.com, 10. September 2012)
- Polizei verlangt noch größere Präsenz in den Stadien (Ostfussball.com, 23. August 2012)
- Nach dem Sicherheitsgipfel: Da geht noch mehr in deutschen Stadien – ein Szenario (Ostfussball.com, 18. Juli 2012)
- Fußballfans stören nur, Sicherheitskonferenz – Olé! (Fundstück – Ostfussball.com, 18. Juli 2012)
- Fußball-Sicherheitsgipfel: Ja, da geht noch was in deutschen Stadien (Ostfussball.com, 17. Juli 2012)
- Kanonenrohre vs. Ultras (Fundstück – Ostfussball.com, 25. April 2012)
- Datei “Gewalttäter Sport” – Update (Ostfussball.com, 6. April 2012)
- Was von Ultra übrig bleibt – ein Szenario (Fundstück – Ostfussball.com, 21. März 2012)
- Gesichtsscanner her? Stehplätze weg? – Da geht noch was in deutschen Stadien (Ostfussball.com, 14. Januar 2012)
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2 Antworten to Fundstück des Tages # 283 [DFL contra Rechtsstaat - Interessiert keine Sau?]
[om]
Oktober 14th, 2012 at 01:38
(…) Dass derartige Maßnahmen auf Ablehnung seitens der Fanszenen stoßen werden, kann man sich an drei Fingern abzählen: Denn Kollektivhaftung und schwammige Begriffe wie “Gewaltfreiheit” werden das Klima des Misstrauens nur noch weiter verschärfen (…)
Auch ansonsten enthält das Papier jede Menge Sprengstoff, der wenig dazu geeignet scheint, verhärtete Fronten in irgendeiner Art und Weise aufzubrechen. Bezeichnend ist natürlich auch, dass das vorliegende Papier – man ist mittlerweile geneigt zu sagen: wie immer – ohne die Beteiligung irgendwelcher Fan-Vertreter/innen zustande gekommen ist, noch nicht einmal der DFL-”Fanbeauftragte” Thomas Schneider scheint beteiligt gewesen zu sein (…)
(…) Ein kleiner Staat im Staat namens DFL. Na klar, warum nicht: Datenschutz? Persönlichkeitsrechte? Strafprozessordnung? Geschenkt, wer wird denn da kleinlich sein …?
| publikative.org | 11. Oktober 2012 |
[om]
Oktober 18th, 2012 at 14:10
(…) Hätten Sie’s gewusst? Diebstahl ist in Deutschland strafbar! Geregelt in § 242 StGB. Da heißt es in Absatz 1: “Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.” Ach, Sie halten das für selbstverständlich? Ist es auch.
Was würden Sie aber sagen, wenn der Supermarkt an der Ecke in Zukunft von Ihnen verlangt, einen Kunden-Kodex zu unterschreiben, in dem Sie versichern, dass Sie und Ihre Familienmitglieder § 242 StGB ausdrücklich anerkennen – wenn nicht, bekommen Sie Hausverbot. Ach ja, und selbst wenn Sie unterschreiben, behält sich der Supermarktleiter vor, Ihnen zu verbieten, einen Rucksack mit in den Laden zu nehmen. Sie könnten ja schließlich … (…)
Die DFL kuscht vor populistischen Aussagen von Politikern und Polizei-Gewerkschaftern. Jetzt sollen Fans auch noch einen Kodex unterschreiben, um überhaupt ins Stadion gelassen zu werden. Eine unerhörte pauschale Kriminalisierung – ein Kommentar.
| derwesten.de | 16. Oktober 2012 |