Fundstück des Tages # 273 [Inferno Cottbus, Die Abenteuer der Werner Holt]
August 28, 2012 | In: 2. Bundesliga, FC Energie Cottbus, Fundstück des Tages, Fußballfans, Hooligans, Ultras
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In loser Folge dokumentiert Ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist schon einiges postulieren und mitunter einfach ihrerseits selbst irgendwie vor sich hin sprechen und dabei durchaus manchmal kleine Geschichten erzählen …
Die Abenteuer des Werner Holt ist ein zweibändiger, in den Jahren 1960 und 1963 erschienener Entwicklungsroman des DDR-Schriftstellers Dieter Noll. Die Popularität des ersten Bandes “Roman einer Jugend” zog eine Fortsetzung mit dem Titel “Roman einer Heimkehr” nach sich. Basierend auf dem ersten Teil entstand 1965 eine 165-minütige Schwarzweiß-Verfilmung. In der Polytechnischen Oberschule (POS) der DDR gehörte der erste Band dieses Buches zum Lehrplan und war Bestandteil der bildungspolitischen Erziehung. In einem Beitrag der Lausitzer Rundschau werden aktuell nun Zitate dieser Romanerzählung mit der angeblich rechtsextremen Fußballszene in Ostdeutschland in Verbindung gebracht -
(…) Für den Verfassungsschutz ist es die größte rechtsextremistische Hooligangruppe in Brandenburg. Für den FC Energie Cottbus sind es normale Fans. Dafür, wie sich “Inferno” auswärts präsentiert, fühlt sich der Lausitzer Profiklub nicht zuständig.
Kurz vor dem Start in die neue Spielsaison saßen Geschäftsführung, Fanbeauftragter und Pressesprecher des FC Energie mit den Vertretern der wichtigsten Fangruppierungen zusammen, um sich für die vorherige, “äußerst komplikationslose” Saison zu bedanken. Für die Gruppe “Inferno” saß “Willi” mit am Tisch.
Der Forster gehört nach RUNDSCHAU-Recherchen zu den Rechtsextremisten, die das Brandenburger Innenministerium der kürzlich verbotenen Neonazigruppe “Widerstand in Südbrandenburg” zurechnet. Deshalb gab es am Tag des Verbotes auch bei “Willi” eine Hausdurchsuchung. “Er kam drei Tage später und hat uns das selbst erzählt”, so Energie-Sprecher Lars Töffling. “Willi” habe jedoch versichert, er habe mit diesen Neonazis nichts zu tun.
Lange fährt zu fast jedem Auswärtsspiel und versteht sich dort vor allem als Vermittler, wenn es Konflikte zwischen Energie-Anhängern und Ordnern gibt. Dort sieht er immer wieder auch ein Banner, das “Inferno” bei Auswärtsspielen wie Ende April in Ingolstadt an den Absperrzaun in der Stadionkurve hängt.
Darauf zu sehen sind IC für Inferno Cottbus, die 99 für das Gründungsjahr, ein Sensenmann in einem Kreis und darunter der Schriftzug “Die Halben hol’ der Teufel!” Was der Spruch bedeuten soll, lässt ihn kalt. “Warum soll ich mir etwas dabei denken”, sagt Lange.
Die scheinbar harmlose Zeile stammt aus einem Zitat der Romanfigur Gilbert Wolzow, einem Antihelden in dem antifaschistischen, im Osten früher weitverbreiteten Roman “Die Abenteuer des Werner Holt”. Wolzow hält darin eine flammende Durchhalte-Rede: “Wer … Deutschland in seiner schwersten Stunde im Stich lässt, der ist ein Schweinehund. Alles oder nichts. Die Halben hol’ der Teufel. Wir stehen zum Führer.”
In der Rechtsextremistenszene ist der Spruch von den Halben, die der Teufel holen soll, deshalb weit verbreitet. Er dient als Code für unbedingten Gehorsam, Durchhaltewillen und Führertreue. Die als kriminelle Vereinigung verbotene Szeneband “Landser” verwendete das Wolzow-Zitat als Liedtext. Ein sächsischer Versandhandel von Neonazi-Devotionalien verkauft Schals mit dem Aufdruck: “Die Halben hol’ der Teufel!” (…)
Quelle im vollständigen Original -> “Verantwortung bis zum Stadionzaun”, Lausitzer Rundschau (Online-Ausgabe), 28. August 2012
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1 Antwort to Fundstück des Tages # 273 [Inferno Cottbus, Die Abenteuer der Werner Holt]
admin
Januar 18th, 2013 at 11:44
Inferno Cottbus Rechte Stimmungsmacher – In der Fankurve von Energie Cottbus geben Neonazis den Ton an
(…) Inferno Cottbus – unter diesem Namen firmieren Fans von Energie. Gegner bezeichnen sie als “Juden”, legen Wert auf ihre “weiße Abstammung” – und in der Fankurve geben sie den Ton an. Seit mehr als zehn Jahren prägt Inferno Cottbus das Image des Vereins mit. In einem Interview mit Klartext warnt der Verfassungsschutz vor den Neonazis. Doch der Verein selbst sieht offenbar gar kein Problem (…)
-> mediathek.rbb-online.de