Fundstück des Tages # 226 [Ausgeartete Debatte um Gewalt beim Fußball]
November 10, 2011 | In: Ausschreitungen, Deutscher Fußball-Bund, Fundstück des Tages, Fußballfans, Hooligans, Ultras
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In loser Folge dokumentiert Ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist schon einiges postulieren und dabei zuweilen einfach schon ihrerseits selbst sprechen und dabei durchaus manchmal Geschichten erzählen oder andeuten, scheinbar gleichfalls in wie auch immer gearteter Fortführung vormalig bezüglicher Publikationen [Dynamo Dresden in Dortmund: Fans, Medien und der Mainstream] bei Ostfussball.com …
(…) Es war ungefähr so vorhersehbar wie ein Kater am Neujahrstag. Keine 48 Stunden nach den Ausschreitungen in der vergangenen Pokalrunde dachte DFB-Präsident Theo Zwanziger laut über ein Verbot der Stehplätze nach. Dabei scheinen Meldungen über Fußball-Randale einen natürlichen Reflex bei einigen Funktionären, Politikern oder Polizeisprechern hervorzurufen, die Stehplätze zum Teufel zu wünschen. Die Forderung “Stehplätze abschaffen” ist beim Fußball das, was die Rufe nach Vorratsdatenspeicherung in der Politik sind, wenn es um Terrorgefahr geht. Man hat sich daran gewöhnt.
Die aktuelle Gewalt-Debatte aber, die mit den Bildern von Dresdener Randalierern in Dortmund in Gang gesetzt wurde, hat eine neue Dimension und die Verantwortlichen zu noch abenteuerlichen Vorschlägen angespornt. Könnte man auf die Urheber dieser Vorschläge Wetten abschließen, die üblichen Verdächtigen Martin Kind und Heribert Bruchhagen hätten die niedrigsten Quoten. Also gab sich Bruchhagen keine Blöße. “Es muss eine konzertierte Aktion der DFL geben. Beispielsweise muss darüber nachgedacht werden, dass alle Klubs keine Jahreskarten mehr an bekennende Ultras abgeben. Ziel kann nur sein, dass diese gewaltbereiten Fans ausgegrenzt werden”, sagte er dem Sportinformationsdienst. Martin Kind sprach sich für höhere Ticketpreise und lebenslange Stadionverbote aus (…)
Im “Doppelpass” auf Sport1 wurde unwidersprochen angeregt, Fans wahllos festzunehmen. In der “Süddeutschen Zeitung” stellte der Präsident der Bundesbereitschaftspolizei, Friedrich Eichele, nebenbei früherer Leiter der Spezialeinheit GSG 9, stolz eine neue Polizeitaktik vor: Mit dem Zug anreisende Fans sollen demnach auf Verdacht an Kontrollpunkten aussteigen, sich ausweisen und fotografieren lassen.
Und in “Bild” erschien Alfred Draxlers Sittengemälde der Ultras unter dem Titel “Ultras sind eine Gefahr für den ganzen Fußball”. Er schrieb: “Ultras bekommen in einigen Klubs verbilligte Eintrittskarten. Sie wollen beim Verkauf von Fan-Artikeln mitverdienen. Und sie wollen sogar Einfluss auf die Vereinspolitik nehmen.” Das mag in Einzelfällen gerade mit Blick auf Italien nicht falsch sein, suggeriert aber Sodom und Gomorrha in der Bundesliga. Und so ist es mitnichten.
Die Ausschreitungen der Dresdner Fans in Dortmund und die Krawalle um das Spiel Frankfurt gegen Kaiserslautern sind zu verurteilen. Doch in den Reaktionen darauf ist das Maß verloren gegangen. Die Gleichsetzung von Pyrotechnik mit Gewalt sowie das Pauschalurteil über die heterogene Ultra-Bewegung ist so wenig treffend wie der Slogan auf der anderen Seite: “Alle Bullen sind Schweine”. Die Gräben werden auf beiden Seiten ausgehoben, Selbstkritik ist rar (…)
[Quelle im vollständigen Original -> "Warum die Gewalt-Debatte ausgeartet ist - Geschwätz ist keine Lösung", Ron Ulrich @ 11freunde.de, 9. November 2011]
“Sie schimpfen und wettern auf die Ultras, welche konstruktiv mit dem DFB über die Zulassung von Pyrotechnik im Stadion an einem Tisch diskutieren wollten. Nie hätte es eventuelle Zusagen für ein kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik in den deutschen Stadien gegeben! Die Rede ist von den alten Männern, welche tatsächlich unseren deutschen Fußball-Verband führen. Leiden die Verantwortlichen an der Alzheimer Krankheit oder sind es einfach nur Lügner?”
["DFB: Die Lügenbarone im Alzheimer Hof" | ultrafans.de | 10. November 2011]
“Gewaltbereite Hooligans sind kein neues Phänomen. Sie begleiten den Fußball seit vielen Jahren. Mit warmen Worten und netten Appellen ist bei Hooligans und Teilen der so genannten Ultras nichts zu erreichen. Betreuung dieser gewaltbereiten Szene durch Sozialarbeiter und Integrationsangebote kommen vielleicht für einen Teil der Szene in Betracht. Einem Teil geht es nur um Randale. Sie haben Spaß an Zerstörungen und daran, Gewalt auszuüben. Bei denen stößt Prävention an Grenzen. Das letzte Mittel muss dann Strafe sein. Wir haben geltende Gesetze, die wir auch konsequent durchsetzen müssen. Gegen Gewalttäter im Stadion hilft nur hartes Durchgreifen.”
[Hans-Peter Friedrich (Bundesminister des Innern) | superillu.de | 9. November 2011]
“Ab sofort legt die Polizei eine härtere Gangart gegen gewaltbereite Problemfans ein.”
[Boris Rhein (Minister des Innern und für Sport in Hessen) | sport1.de | 31. Oktober 2011]
“Für viele Ultras ist ein Gefängnisaufenthalt sogar die bessere Perspektive als das bisherige Leben.”
[Gunter A. Pilz (Vader Abraham der Fanszene) | sport1.de | 10. April 2008]
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1 Antwort to Fundstück des Tages # 226 [Ausgeartete Debatte um Gewalt beim Fußball]
Pöbel64
November 15th, 2011 at 18:41
Totaler Schwachsinn, was von euch da kommt.
Man sollte vieleicht mal bei der Kommerzialisierung des Fußballs härter durchgreifen. Dann würde es vielleicht auch weniger Ausschreitungen geben.
Also ihr Bonzen, greift Euch an eure eigenen Nasen. Denn ihr macht den Sport kaputt …