Fundstück des Tages # 209 [Perfekte Fans zum Selberbasteln]
September 12, 2011 | In: Fundstück des Tages, Fußballfans, Stadion-Infos
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In loser Folge dokumentiert Ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist schon einiges postulieren und dabei mitunter bereits ihrerseits irgendwie selbst vor sich hin sprechen und manchmal gleichfalls auch eben einfach nur Geschichten erzählen oder anzudeuten scheinen …
(…) Früher war der Fußball-Fan ein einfacher Mensch. Er hatte eher wenig Geld und das gab er ohne mit der Wimper zu zucken für einen Stehplatz im Stadion aus. Er liebte den Fußball und seinen Verein so sehr, dass er gar nicht anders konnte. Meistens ging er eine Stunde vor Spielbeginn ins Stadion hinein und frühestens eine halbe Stunde nach Spielbeginn erst wieder hinaus. Und in der Zeit dazwischen lebte er seine große Liebe aus (…)
Viele Spieler mochten diesen Fan, viele Vereine aber nicht. Denn sie mussten immer höhere Gehälter für die Spieler bezahlen und dafür reichte das wenige Geld, das der alte Fan für seinen Stehplatz ausgab, einfach nicht aus. Also baute man die Stadien um und viele bessere Plätze hinein. Fußballspiele erschlossen sich neue Zuschauergruppen und entwickelten Eventcharakter – ob sie wollten oder nicht.
Die neuen Fans trugen Krawatten statt Kutten, sie waren Geschäftspartner oder Familienväter. Sie nahmen ihre Plätze fünf Minuten nach Spielbeginn ein und verließen das Stadion zehn Minuten vor Schluss. Dazwischen kreisten die Gedanken dieser Besucher um viele Dinge – meistens um ihre Geschäfte und ihre Familien. Das Fußballspiel lief nebenbei.
In den “Arenen” von Hamburg oder München kann man diese neuen Fans hören – denn man hört dort fast nichts. Vielleicht mal ein paar Pfiffe und einen zurückhaltenden Jubel, wenn ein Tor gefallen ist. In Hamburg heißt ein Teil des Stadions “Langnese Familienblock” und dieser Name ist nicht einmal ironisch gemeint. Und wenn in München ein Tor fällt, dann stehen Uli Hoeneß, Karl Heinz Rummenigge und der komischerweise immer im Bild befindliche Helmut Markwort kurz auf. Sie klatschen, lachen und setzen sich dann wieder setzen. In ihren Händen fehlt dann nur noch das Opernglas.
Doch ein anspruchsvolles Publikum ist nicht immer einfach zufrieden zu stellen (…)
Für Vereine und Spieler stellt sich nun die Frage: Wie kann man nicht nur schicke Logen und elegante VIP-Bereiche, sondern auch den perfekten Fan direkt ins Stadion einbauen? Den Fan, der im richtigen Moment brav und leidenschaftlich sein kann. Eine kniffelige Frage, die man vielleicht nur mit einer angestaubten Romanfigur wie Frankenstein beantworten kann.
[Quelle im vollständigen Original -> "Brav mit Leidenschaft", footage-magazin.de, 6. September 2011]
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5 Antworten to Fundstück des Tages # 209 [Perfekte Fans zum Selberbasteln]
Jay
September 12th, 2011 at 22:40
Abschlach – Reclaim the Game
Jay
September 12th, 2011 at 22:41
sorry, hier der Link:
http://www.youtube.com/watch?v=QnAbE0788ZU
admin
September 13th, 2011 at 11:10
Interessante Lyrics: (…) Nehmen Sie doch Platz! Genießen Sie die Attraktion! Zwar hat das Spiel schon lang begonnen, aber was macht das schon? Die komischen Gestalten dort sind Fußballfans – man hörts. Wir hoffen, dass der Pöbel Sie mit seinem Lärm nicht stört (…)
Wim
September 14th, 2011 at 00:43
“Meistens ging er eine Stunde vor Spielbeginn ins Stadion hinein und frühestens eine halbe Stunde nach Spielbeginn erst wieder hinaus.”
Muss das nicht heißen “nach Spielende” oder überseh ich da was?
[om]
September 14th, 2011 at 07:51
@Wim – Da hat Arne Jens bei footage-magazin.de wohl etwas zu schnelle Tastaturfinger gehabt …