Fundstück des Tages # 159 [Joachim Streich, 60. Geburtstag]

April 13, 2011 | In: 1. FC Magdeburg, Blog-Ostalgie, DDR-Ligen, FC Hansa Rostock, FDGB-Pokal, FSV Zwickau, Fundstück des Tages, Spieler-Infos, Trainer-Infos


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In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges schon selbst postulieren, dabei ihrerseits sprechen oder eben auch einfach nur Geschichten über die Geschichte zu erzählen scheinen; wie beispielsweise über den “Gerd Müller des Ostens”, welche anlässlich des heutigen runden Geburtstages von Joachim Streich zudem den Leserinnen und Lesern von ostfussball.com als vielleicht kleiner und wie auch immer weiterbildender Lesetipp mitnichten vorenthalten werden sollen …

 

Joachim Streich, 24. März 2007 (Foto: dehli-news.de)

 

 

 

(…) Wo das Tor stand, wusste Joachim Streich sehr genau. Mehr als 300 Treffer erzielte der aus Wismar stammende Rekordnationalspieler und -torschütze der DDR in seiner Karriere (…)

(…) Den runden Geburtstag nutzt Streich aber nicht nur zum Feiern. “Natürlich schaut man auf einen Lebensabschnitt zurück”, sagt der zweimalige DDR-Fußballer des Jahres (1979, 1983), “und da muss man sagen: Es war schon alles richtig so, wie es gelaufen ist.”

Damit meint Streich vor allem seinen aktiven Werdegang vom Jugendspieler in Wismar zum Rekordspieler in Rostock und Magdeburg: 55 Mal traf er in 102 Auswahlspielen, 229 Mal in 378 Oberligapartien, dazu in den nationalen und internationalen Pokalen. “Ich glaube, es ist mir ganz gut gelungen, das Niveau hier mitzubestimmen.” Dabei hatte es der Angreifer nicht immer einfach: “Ich galt von Anfang an als nicht sehr athletischer Spieler”, erzählt der oft mit Gerd Müller verglichene Strafraumstürmer.

Im Sommer 1985 war die Karriere als Spieler dann plötzlich vorbei. Von einem Tag auf den nächsten hieß es in Magdeburg: “Achim, du bist dann jetzt Trainer.” Der Novize sollte einen sportlichen Umbruch einleiten. Als der politische kam, hatte Streich seine Aufgabe erfüllt, wie er selbst stolz betont: “Man hat ja gesehen, wie viele junge Spieler nach 1989 sofort Fuß in der Bundesliga gefasst haben.” Streich versuchte es bei Eintracht Braunschweig. Doch ohne Erfolg. “Das war ein ganz anderes Umfeld. Da habe ich wohl einiges unterschätzt”, sagt Streich über die Station im fremden System.

1996 ging er nach Zwickau und hielt den dortigen FSV knapp in der 2. Bundesliga. Doch nach der Saison verabschiedete sich Streich abrupt aus dem Fußballgeschäft. “Ich war Ende 40 und fühlte mich noch nicht zu alt, etwas Neues anzufangen.” Etwas Neues war für den gelernten Schaltanlagenmonteur und diplomierten Sportlehrer tägliche Arbeit: “Nach Jahrzehnten auf Achse wollte ich auch mal freie Abende und Wochenenden haben.”

Heute arbeitet Streich in einem Sportgeschäft in Magdeburg. Ein Trainer-Engagement kann er sich selbst in Magdeburg nicht mehr vorstellen. “Das Kapitel ist abgeschlossen. Ich bin auch kein Typ, der allein in seiner Bude sitzt und 24 Stunden am Tag an Fußball denkt.” Höchstens für Hansa Rostock würde er noch einmal arbeiten, etwa als Scout oder in der Jugend. “Der Schritt zurück zur Küste wird irgendwann kommen (…)”, sagt Streich augenzwinkernd.

Aktiv spielt er mittlerweile lieber Golf: “Das kann ich in meinem Alter noch machen.” Vor drei Jahren bestritt er sein letztes Fußballspiel für eine Traditionsmannschaft. Streich wusste natürlich, wo das Tor stand – und erzielte einen Treffer.

[Quelle im vollständigen Original -> "Für immer Rekordspieler: Joachim Streich wird 60", newsticker.sueddeutsche.de, 13. April 2011, 09:30]

(…) Joachim Streich war einst der beste Fußballer der DDR. Seine Tore für Hansa Rostock, den 1. FC Magdeburg und die Nationalmannschaft machten ihn zum “Gerd Müller des Ostens”. Heute wird er 60. Wir [11freunde.de] sprachen mit ihm (…)

[Quelle im vollständigen Original -> "DDR-Legende Joachim Streich wird 60 - 'Zehn Arbeiter und ein Streich'", 11freunde.de, 13. April 2011]

(…) Die Zahlen sprechen für sich und machten ihn zum DDR-Rekordspieler: 55 Treffer in 102 Länderspielen, 229 in 378 Oberliga-Partien – Joachim Streich war ein Stürmer par excellence. Heute feiert der in Möckern (bei Burg) wohnhafte Ausnahmefußballer, der für Hansa Rostock (1969 – 1975) und den 1. FC Magdeburg (1975 – 1985) auf Torejagd ging und gerne auch als “Gerd Müller des Ostens” bezeichnet wird, seinen 60. Geburtstag (…)

(…) “Höhepunkte waren die Olympischen Spiele 1972 und die WM 1974. Nicht zu vergessen die drei Pokalsiege mit dem FCM und mein 100. Länderspiel im Londoner Wembley-Stadion, das ebenfalls einen besonderen Stellenwert hat”, erzählt der Jubilar.

Aber auch ein Negativerlebnis der besonderen Art wurmt ihn noch heute: “Das war am 1. Oktober 1975 unser Erstrunden-Europacupmatch gegen Malmö. Wir hatten das Hinspiel 1:2 verloren, das Rückspiel 2:1 gewonnen. Nachdem auch in der Verlängerung kein Tor mehr fiel, ging es ins Elfmeterschießen, wo wir sage und schreibe vier Strafstöße verschossen und letztlich 1:2 verloren haben. Auch ich gehörte dazu, nachdem ich während der regulären Spielzeit noch einen verwandelt hatte. Was an jenem Abend passierte, war eigentlich unfassbar.”

In der Regel aber überwog das Positive, wenngleich seine Karriere als Trainer (zweimal FCM, Eintracht Braunschweig und FSV Zwickau in der Zeit von 1985 bis 1997) nicht annähernd so erfolgreich verlief. FCM-Legende Wolfgang “Paule” Seguin erinnert sich: “‘Strich’ war für mich zusammen mit Peter Ducke einer der besten DDR-Stürmer überhaupt. Zwar nicht übermäßig groß, aber trotzdem kopfballstark, immer gefährlich und technisch begabt – ein typischer Instinktfußballer.” (…)

Wenn es um den FCM geht, kann der zweimalige DDR-Fußballer des Jahres (1979, 1983) mittlerweile nur noch mit dem Kopf schütteln. “Es ist einfach traurig, was da passiert. Jetzt muss man schon um den Klassenerhalt in der 4. Liga bangen. Ein Patentrezept gibt es sicher nicht, aber der Kader muss dringend verändert werden. Allerdings schrittweise, denn eine Mannschaft muss zusammenwachsen, kann nicht in jedem Jahr quasi komplett ausgetauscht werden.” (…)

Und wo gerade vom Club die Rede ist, drängt sich natürlich die Frage auf, was denn eigentlich aus dem sogenannten Kompetenzteam geworden ist, das der Verein mit ehemaligen Club-Größen ins Leben rufen wollte? Streich dazu: “Manfred Zapf, ‘Paule’ Seguin, Axel Tyll, Frank Siersleben und ich haben uns angeboten und auch mit dem damaligen Präsidium und Aufsichtsrat gesprochen, aber offensichtlich sind wir nicht gewollt. Dabei denke ich, dass wir, eigentlich egal in welchem Bundesland, immer noch unsere Verbindungen haben und den Club unterstützen könnten.”

Die Heimspiele besucht er mittlerweile nur noch ganz selten, widmet sich lieber seinem neuen Hobby, das da Golf (Handicap 34) heißt: “Das betreibe ich schon seit sieben Jahren. Man ist viel an der frischen Luft und wird auch dabei vom Ehrgeiz gepackt.“

Apropos frische Luft: Gut möglich, dass es den in Wismar geborenen Streich und Ehefrau Marita, die aus Rostock stammt, irgendwann wieder an die Ostsee-Küste zieht. “Aber sicher nicht vorm Rentenalter”, lacht Streich, der seit 1998 in einem Sportgeschäft in Magdeburg arbeitet und diesbezüglich noch einige Jährchen vor sich hat.

Aber Hansa (“Ich biete mich nicht an, könnte mir aber eine Tätigkeit im Verein vorstellen”) und Rostock, das passt irgendwie für die Familie Streich. Und so ist es auch kein Wunder, dass das Geburtstags-Überraschungsgeschenk seiner Frau eine Reise nach Warnemünde war.

Bleibt an den gelernten Schaltanlagen-Monteur und diplomierten Sportlehrer noch die Frage, wo denn nun gefeiert wird? Streich: “Am kommenden Sonnabend in Möckern mit rund 70 Gästen. Ursprünglich war angedacht, den VIP-Raum in der MDCC-Arena zu mieten, aber da kam seinerzeit absolut kein Echo …”

[Quelle im vollständigen Original -> "Der 'Gerd Müller des Ostens' ist 60", volksstimme.de, 13. April 2011, 05:36]

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Ostfussball.com gratuliert an dieser Stelle Joachim Streich in eigener Form ganz einfach und herzlich zum Geburtstag – Danke für alles, Achim!

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2 Antworten to Fundstück des Tages # 159 [Joachim Streich, 60. Geburtstag]

[ab]

April 13th, 2011 at 19:57

Glückwunsch Achim!

Trotzdem muss ich den Nonsens, den Du irgendwann zu Beginn der Saison erzählt hast, an dieser Stelle nochmals rauskramen …

“In RB Leipzig überholt ein sogenannter Retorten-Klub mit viel Geld manchen Ost-Traditionsverein. Sehen Sie das kritisch?”

Streich: “Ich finde, dass das eine gute Sache ist. RB Leipzig kann mittelfristig eine Mannschaft aufbauen, die oben mitmischen kann. So etwas braucht die Region. Die anderen hatten ja ihre Chance, als sie nach der letzten DDR-Oberligasaison Startplätze in der ersten und zweiten Liga bekamen. Aber aus dieser Chance haben sie nicht viel gemacht.” [...]

-> http://ostfussball.com/fundstueck-des-tages-91-achim-streich-ostfussball-blutendes-herz-und-mehr-536/

1. Hat der Retortenverein andere Ostvereine nicht überholt, sondern schaut mit großem Abstand hinterher!
2. Braucht solche Vereine kein Mensch in unserer Region!
3. Welche Chancen haben sie damals mit ihren Startplätzen in der ersten und zweiten Liga gehabt?

ostseestadion

April 14th, 2011 at 09:34

Trotz des verschossenen Elfmeters ;-) , Herzlichen Glückwunsch.

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