Fundstück des Tages # 141 [Unionern sind Menschen wichtiger als der Fußball]

Februar 25, 2011 | In: 1. FC Union Berlin, 2. Bundesliga, Blog-Ostalgie, Fundstück des Tages, Fußballfans, Spieler-Infos, Stadion-Infos, Ultras


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In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges schon selbst postulieren und dabei bereits ihrerseits sprechen, wobei dieses Thema: “Wir wollen nicht um jeden Preis nach oben” nicht direkt nur auf den 1. FC Union Berlin, sondern sicherlich auf die Mentalität des gesammten Ostfussball bezogen werden könnte. Berliner aus Ost und West kommen zu Wort – ein Hauch von Ostalgie

Hertha & Union. Alte Freunde oder bittere Rivalen?

Hönower: Ich gehöre zu denen, die gesungen haben: ‘Wir gehören zusammen wie der Wind und das Meer.’ Union und Hertha, das war mal ganz dicke. Die aktuelle Entwicklung sehe ich mit einem lachenden und weinenden Auge. Man will nicht mehr viel miteinander zu tun haben. Ich schieb’s mal auf die jüngeren Fans beider Lager.

Sami: Dann bin ja ich angesprochen. Ich habe von der Fanfreundschaft gelesen. Aber zwischen mir und Union ist nichts. Weder Zuneigung noch Abneigung. Klar: Ich bekomme mit, wenn Freunde gegen Unionspieler hetzen. Torsten Mattuschka können viele nicht leiden. Aber mir ist das egal. Drei Punkte für Hertha und alles ist in Ordnung!

Datcheffe: Ich kenne die alten Zeiten der Freundschaft. 2001 im Pokalfinale gegen Schalke haben viele Herthaner Union noch unterstützt. Vom geilen Freundschaftsspiel nach der Grenzöffnung will ich gar nicht mehr reden, obwohl ich bei der Erinnerung daran Gänsehaut bekomme. Aber vergangenen September habe ich mich nach den ganzen Arm-Reich- und Ost-West-Parolen aus Köpenick nicht zum Derby getraut, weil ich ja gesundheitlich angeschlagen bin [Datcheffe ist schwer an Krebs erkrankt]. Ich habe die Karten weitergegeben. War ein Scheißgefühl.

Hönower: Datcheffe, das tut mir leid. Aber eigentlich war es unnötig. In der Alten Försterei ist nichts passiert, jedenfalls nicht mehr als bei anderen Spielen. Irgendwie gehören doch Parolen und Sticheleien zu einem Derby.

Robert: Umso mehr, als Hertha das Prädikat Hauptstadtklub für sich reserviert hat. Dann sind wir eben der Kiezklub. Da gehört der Verweis auf die Kohle mit dazu. Euer Etat ist mehr als dreimal so hoch wie unserer. Arm gegen Reich – so ist das nun mal. Und wir Unioner fühlen uns in unserer Rolle wohl.

Datcheffe: Ich verstehe nicht, warum sich Union nur als Köpenicker Klub sieht. Hertha ist offen für Berlin und Brandenburg. Warum mauert ihr Unioner euch in Köpenick ein?

Hönower: Das ist einfach unsere Lebenshaltung.

Herthaner4ever: Ich muss immer schmunzeln, wenn ich lese: ‘Wir gehen nicht zum Fußball. Wir gehen zu Union.’

Robert:
Ihr versteht uns nicht. Oder wollt uns nicht verstehen. Wir wollen nicht um jeden Preis nach oben, wollen keine 35 oder 40 oder noch mehr Millionen Schulden bei unserem Verein. Ich wäre zufrieden, wenn wir in zehn Jahren einen Status wie Fürth hätten: Unaufsteigbar, aber immer drin. Und ich hoffe, dass auch dann noch bei uns nicht jedes Foul auf der Anzeigetafel von einer Krankenversicherung präsentiert wird. Oder Klatschpappen. Oder was auch immer.

Datcheffe:
Mit geht es völlig am Hintern vorbei, wer auf der Videowand irgendwas präsentiert. Ich gehe ins Stadion wegen Fußball. Und weil ich meine Hertha oben sehen will. Unser Ziel kann nur die Bundesliga und Europa sein. Und Deutscher Meister müssen wir auch mal wieder werden.

Matti: Siehste, Datcheffe, genau deswegen gönne ich euch Fahrten nach Paderborn und Osnabrück. Nicht, weil ich euch nicht leiden kann. Sondern als Erfahrung. Denn das bringt uns vielleicht wieder zusammen. Paderborn vereinigt uns. Nicht Mailand. Glaub es mir!

pussy

[Quelle im vollständigen Original -> "Warum mauert ihr Unioner euch ein?", berlinonline.de, 24. Februar 2011]


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