Fundstück des Tages # 135 [Red Bull, Leipzig, Trainingszentrum, Transparenz]

Januar 29, 2011 | In: Fundstück des Tages, RB Leipzig, Stadion-Infos


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In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges schon selbst postulieren und dabei bereits ihrerseits sprechen; mitunter auch in scheinbar teilweiser Ergänzung von einigen diesbezüglich vormaligen Publikationen (Von Red Bull in Salzburg lernen, heißt für Leipzig …?) bei ostfussball.com

Faksimile: leipzig-fernsehen.de

Faksimile: leipzig-fernsehen.de

(…) Der Naturschutzbund Sachsen spricht sich weiter gegen ein RB-Trainingszentrum im Auwald aus. “Es gibt in Leipzig ausreichend große Flächen, insbesondere Brachen, für die eine Perspektive gesucht wird”, nennt NABU-Landeschef Bernd Heinitz im L-IZ-Interview Alternativen. Das Projekt habe nur eine Chance, “wenn alle Fakten auf den Tisch und die Bürger und Verbände zu Wort kommen”.

Herr Heinitz, NABU Sachsen, lehnt “ein konzerneigenes Trainingszentrum auf Kosten des Leipziger Auwaldes” ab. Hat sich daran durch die gemeinsame Pressekonferenz von Stadtspitze und Red Bull am 07.01.2011 etwas geändert?

Nein, im Gegenteil, wir sehen uns in unseren Befürchtungen bestätigt. Es gibt weiterhin keine Transparenz, die Fakten liegen noch immer nicht auf dem Tisch. Stattdessen häufen sich die Ungereimtheiten: War im Bebauungsplan noch von 8 Hektar die Rede, so sind es nun 9,2 Hektar. Dabei sind die notwendigen Gebäude und die nach der Stellplatzverordnung vorgeschriebenen Parkplätze noch nicht mitgerechnet. In Salzburg spricht man von insgesamt circa 13 Hektar Flächenbedarf – da fehlen noch 3 bis 4 Hektar, die im Plangebiet gar nicht unterkommen. All das zeigt deutlich, dass keiner offen sagen will, was wirklich auf uns zukommt.

Die Stadt hat mit dieser Pressekonferenz in erster Linie leider gezeigt, wie sehr sie den Schulterschluss mit den großen Investoren – auch zu Lasten der Natur – liebt, anstatt mit stadtplanerischen Zielstellungen an Standortfragen heranzugehen und endlich mal belastbare Fakten auf den Tisch zu legen. Und sie hat gezeigt, dass sie wieder einmal gewillt ist, ein Projekt gegen alle guten Argumente durchzudrücken, sich an einer Idee festzubeißen – und die Leipziger dabei eben nicht mitzunehmen.

Wobei wir immer wieder betonen, dass wir nicht gegen ein RB-Trainingszentrum sind, aber gegen ein RB-Trainingszentrum an diesem Standort. Es gibt in Leipzig ausreichend große Flächen, insbesondere Brachen, für die eine Perspektive gesucht wird. Für die Fläche im Auwald gibt es schon lange eine Perspektive, und die heißt: Auwald wiederherstellen, nicht weiter beschneiden, und den Biotopverbund stärken! (…)

RB hat selbst betont, dass sie die Nähe zum Stadion nicht brauchen. Logisch, denn die Nachwuchsspieler laufen ja nicht nach dem Training gleich im Zentralstadion auf. Wichtiger wäre wohl eine vernünftige, leistungsfähige ÖPNV- und MIV-Anbindung – und auch ausreichend Platz für eventuelles Wachstum, so zum Beispiel, wenn der DFB die Kriterien heraufsetzt oder RB auch in anderen Sportarten ein Nachwuchszentrum schaffen möchte. Ganz spontan würden uns – auch wenn RB endlich sagen müsste, wie viel Fläche sie benötigen – sofort ein paar geeignete Brachflächen einfallen (…)

Übrigens muss allen Beteiligten klar sein, dass auch “Investoren” nicht für ewig bleiben. Was ist, wenn RB nicht den Sprung in die Bundesliga schafft? Wenn der Mutterkonzern seine finanziellen Aspekte anders setzt? Wie für das Zentralstadion gibt es auch für ein solches Trainingszentrum in Leipzig nicht wirklich einen anderen adäquaten Betreiber (…)

Wo liegen hier aus Ihrer Sicht die Konfliktfelder?

Es bleibt bei den alten Problemen und den vielen offenen Fragen. Die Gesamtdimension ist unbekannt, da stellen sich Fragen wie: Wie viele Gebäude und mit welcher Kubatur, wie viele Stellplätze? Es gibt kein ordentliches Verkehrskonzept, der Auwald wird in bisher unbekanntem Maße beeinträchtigt, statt an dieser für die Innenstadt einer Großstadt einmaligen Stelle zum Wohle der Leipziger weiterentwickelt zu werden, und so weiter … und die Leipziger wurden nie gefragt.

Es bleiben weiterhin die meisten Fragen offen, auch wenn die Stadtspitze und RB der Presse ein paar mehr Informationen geben als ihren Stadträten (…)

Halten Sie es für möglich, dass die Interessenkonflikte beim Landschafts- und Naturschutz in dem nun anlaufenden Planungs- und Beteiligungsverfahren gelöst werden können?

Ja, aber nur wenn wirklich ergebnisoffen unter gleichberechtigter Einbeziehung der Leipziger und ihrer Verbände auch die Standortfrage noch einmal neu gestellt wird. Und wenn alle Fakten auf den Tisch und die Bürger und Verbände zu Wort kommen.

Unsere Forderung bleibt, zunächst nach einem alternativen Standort zu suchen und dann in Ruhe das Planverfahren zu beginnen. Der Auwald ist für die Leipziger zu wichtig, als dass er den privaten Interessen eines Investors geopfert werden sollte (…)

Faksimile: glassblog.wordpress.com

Faksimile: glassblog.wordpress.com

[Interview-Auszug, "RB-Trainingzentrum: NABU will Standortfrage noch einmal neu gestellt sehen", Leipziger Internet Zeitung (l-iz.de), 28. Januar 2011]


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8 Antworten to Fundstück des Tages # 135 [Red Bull, Leipzig, Trainingszentrum, Transparenz]

Ost-Kurt

Januar 29th, 2011 at 08:30

“… War im Bebauungsplan noch von 8 Hektar die Rede, so sind es nun 9,2 Hektar. Dabei sind die notwendigen Gebäude und die nach der Stellplatzverordnung vorgeschriebenen Parkplätze noch nicht mitgerechnet. In Salzburg spricht man von insgesamt circa 13 Hektar Flächenbedarf – da fehlen noch 3 bis 4 Hektar, die im Plangebiet gar nicht unterkommen …”

Na, Nachtigall, hör’ ich dich da trapsen …?

Übrigens wurde auch noch in dem Interview gesagt: “… Wir wünschen uns einen ergebnisoffenen und fairen Diskussions- und Meinungsbildungsprozess, bei dem die Leipziger Bürger mitgenommen werden und alle Fakten auf den Tisch kommen. Wir wünschen uns eine wohlinformierte und ergebnisoffene, am Wohl der Leipziger orientierte Diskussion im Stadtrat. Und wir wünschen uns ein ordentliches Planverfahren, bei dem alle geeigneten Alternativen geprüft werden, alle Karten auf den Tisch kommen und der Eingriff ordentlich ausgeglichen wird …”

Becks_159

Januar 29th, 2011 at 11:46

NABU, sind das nicht diese Ökofaschisten, wegen denen beinahe halb Leipzig abgesoffen wäre?

Adolf

Januar 29th, 2011 at 12:22

Du darfst das jetzt nicht verwechseln. Die größten Faschisten, samt ihrem Führer, kamen aus Österreich.

admin

Januar 29th, 2011 at 13:32

Der letzte Satz deckt sich mit den Interessen von Ostfussball.com:

“Unsere Forderung bleibt, zunächst nach einem alternativen Standort zu suchen und dann in Ruhe das Planverfahren zu beginnen. Der Auwald ist für die Leipziger zu wichtig, als dass er den privaten Interessen eines Investors geopfert werden sollte”

Zumal man “Auslaufmodelle im deutschen Fußball” (so die FAZ) besonders kritisch bei derart überstürzten Planungsmodellen in Augenschein nehmen sollte.

ups

Januar 29th, 2011 at 13:48

ach, wie lustig … das wird ein feines trainingszentrum! freu mich schon!

mahlzeit

Januar 29th, 2011 at 20:49

das ist doch wie mit dem citytunnel, gib eine relativ geringe summe an und später ziehe es durch, egal was kommt. diese korrupten säcke winken für “aufmerksamkeiten” alles durch

Adolf

Januar 30th, 2011 at 08:39

Korruption im juristischen Sinn ist der Missbrauch einer Vertrauensstellung in einer Funktion in Verwaltung, Justiz, Wirtschaft, Politik oder auch in nichtwirtschaftlichen Vereinigungen oder Organisationen (zum Beispiel Stiftungen), um einen materiellen oder immateriellen Vorteil zu erlangen, auf den kein rechtlich begründeter Anspruch besteht.

Hat jetzt etwa jemand einen Verdacht?

admin

Januar 30th, 2011 at 09:18

mahlzeit: das ist doch wie mit dem citytunnel, gib eine relativ geringe summe an und später ziehe es durch, egal was kommt. diese korrupten säcke winken für “aufmerksamkeiten” alles durch

Als relativ gering würde ich die ursprünglichen Kosten für diesen sinnlosen Tunnel von 500 Millionen Euro nicht bezeichnen. Mittlerweile steht man jedoch bei 1 Milliarde Euro Baukosten für die Verbindung vom Hauptbahnhof zum Bayrischen Bahnhof. Dort, wo man auch ganz bequem mit der Straßenbahn oder zu Fuß hinkommt.

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