Fundstück des Tages # 116 [Rudolf-Harbig-Stadion, Glücksgas]
Dezember 3, 2010 | In: 1. FC Lok Leipzig, 3. Liga, Fundstück des Tages, Fußballfans, SG Dynamo Dresden, Stadion-Infos
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In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges schon selbst postulieren, dabei durchaus ihrerseits sprechen oder einfach nur Geschichten über die Geschichte und die Zukunft zu erzählen scheinen; mitunter auch in teilweiser Ergänzung beziehungsweise Entgegnung der einen (Dynamo Dresden: Glückliches Gas sponsert Glücksbärchen-Arena?) oder anderen (Dresden, Glücksgas, Georg Arnhold, Befindlichkeiten) vormaligen Publikation bei ostfussball.com …
(…) Das Rudolf-Harbig-Stadion, die Heimstätte des Fußball-Drittligisten SG Dynamo Dresden, soll in Glücksgas-Stadion umbenannt werden. Dahinter verbirgt sich der Vertriebspartner des Energieversorgers Goldgas, der die Namensrechte der umgebauten Fußballarena für fünf Jahre erwerben möchte. Doch der Widerstand ist groß. Dynamo-Fans lehnen eine Umbenennung ab, der Verein hat Probleme mit dem Namen und die Stadt Dresden fürchtet einen Konkurrenten zum städtischen Versorger Drewag. Nun äußerst sich erstmals auch Goldgas. Im SZ-Interview sagt Geschäftsführer Michael Notzon, warum die Firma mit Sitz in Nürnberg trotz der Proteste an ihren Plänen festhält. [sz-online.de, 2. Dezember 2010]
Herr Notzon, verstehen Sie die ganze Aufregung über die Umbenennung?
Nein, überhaupt nicht. Doch dazu gibt es zunächst einmal einige Sachen richtigzustellen. Niemand hat jemals die Idee gehabt, das Stadion in Glücksgas-Arena umzubenennen. Es war immer nur von Glücksgas-Stadion die Rede. Alles andere ist definitiv falsch. Ich weiß, das ist nicht der einzige Grund für die Aufregung. Aber ein großer Teil, weil die Leute in Dresden sagen: Das Stadion soll Stadion bleiben und nicht Arena heißen. Das wissen wir. Und noch etwas: Vor mindestens einem Jahr hat man sich in Dresden entschieden, das Namensrecht zu vergeben und damit einen kleinen Teil der Baukosten zu kompensieren. Da gibt es sicher einige Traditionalisten, denen das nicht recht ist. Dies hat aber nichts mit Glücksgas zu tun, denn den Leuten ist jeder andere Name auch nicht recht. Doch damit haben wir nichts zu tun. Das haben die Stadt und die Stadionprojektgesellschaft so entschieden. Darüber hinaus kann ich mir aber gut vorstellen, im Stadion an einer geeigneten Stelle auch künftig an Rudolf Harbig zu erinnern.
(…)
Großen Unmut löste nicht zuletzt der Name Glücksgas aus.
Wir sind ein ganz normaler Energieversorger. Ein wichtiger Vertriebskanal sind für uns die Schornsteinfeger. Seit Ende 2008 dürfen sie neben den ureigenen Schornsteinfegerleistungen andere Leistungen anbieten, also auch Gas verkaufen. Und weil Schornsteinfeger bekanntlich dafür stehen, dass sie Glück bringen, haben wir uns zu dem Produktnamen entschlossen …
… der in Fanforen sofort mit der Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg in Verbindung gebracht worden ist.
Das hat mich erschüttert. Dann darf man wahrscheinlich auch nicht mehr Deutsche Bahn sagen, weil die Juden damals mit dem Zug transportiert worden sind. Irgendwo hört es auch auf. Das Wort Gas als solches zu verteufeln, ist sehr weit hergeholt und auch nicht legitim. Dann müssten wir in Deutschland viele Worte aus unserem Vokabular streichen.
Aber warum treten Sie in Dresden nicht einfach mit dem Namen Goldgas auf?
Zum einen hat das rein fußballerische Gründe. Goldgas ist seit einigen Monaten Hauptsponsor beim 1. FC Lokomotive Leipzig. Weil wir um die Rivalität zwischen beiden Vereinen wissen, haben wir uns für Glücksgas entschieden. Darüber hinaus wollen wir natürlich unser Produkt bekannter machen.
Ihr Interesse besteht also weiterhin?
Für uns ist diese Investition ja auch ein Wagnis, verbunden mit der Frage: Bringt uns das so viel, wie es uns kostet? Wir haben uns entschlossen, das Risiko einzugehen. Wenn dann plötzlich der örtliche Wettbewerber laut aufjault, haben wir offensichtlich eine gute Entscheidung getroffen. Wir sind als neuer Anbieter bundesweit angetreten gegen die Etablierten. Wir sind es gewohnt, uns gegen Wettbewerber durchzusetzen, und haben weiterhin vor, die Namensrechte am Stadion zu erwerben.
Warum?
Energieversorger wählen sehr häufig diese Möglichkeit des Sponsorings, um ihre Marke bekannt zu machen (…) Wir beliefern bundesweit 400 Industriekunden sowie 260.000 Privat- und Gewerbekunden, darunter auch ein paar Tausend in Dresden und Umgebung. Wir sind also seit mehreren Jahren auch schon ein Gasanbieter in Dresden. Mit dem Sponsoring wollen wir einen Teil der Erlöse, die wir erzielen, in die Region zurückgeben. Wir wollen etwas Gutes tun für Dresden.
Goldgas soll für die Umbenennung gut 300.000 Euro pro Jahr zahlen. Ist der Stadionname nicht mehr wert?
Alle Vertragspartner haben sich dazu verpflichtet, über Zahlen nicht zu sprechen. Ich kann nur sagen, dass die genannte Summe nicht korrekt ist. Ich meine, dass es kein schlechtes Geschäft ist für die Stadt Dresden. Sonst würden sie es nicht machen. Zudem zahlen wir in zwei Richtungen, jeweils sechsstellige Summen. Bezüglich der Namensrechte über die Stadionprojektgesellschaft an die Stadt. Und auch an den Verein, bei dem wir einen Sponsoringvertrag abschließen. Wenn ich lese, man sei geschockt bei Dynamo Dresden, stimmt das einfach nicht. Nach allem, was wir gehört haben, sind wir der Stadionprojektgesellschaft und auch Dynamo Dresden sehr willkommen (…)
[Interview-Auszug, "Dynamo Dresden freut sich auf uns", Sächsische Zeitung, Print-Ausgabe, 2. Dezember 2010]
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