Fundstück des Tages # 106 [Ost-Vereine im Rückspiegel von Eurosport]

November 11, 2010 | In: 1. FC Lok Leipzig, 1. FC Magdeburg, BFC Dynamo, Blog-Ostalgie, DDR-Ligen, FC Carl Zeiss Jena, FC Hansa Rostock, FDGB-Pokal, Fundstück des Tages, Fußballfans, Hooligans, SG Dynamo Dresden


.
Ladbrokees.com - Nr. 1 bei Fussballwetten!
50 Euro kostenlose Wette!
ladbrokes.com >>>

In loser Folge dokumentiert ostfussball.com in dieser Rubrik mehr oder weniger (ost)fußballtangierende Kostbarkeiten der deutschen Schriftsprache – unkommentiert, da die Fundstücke zumeist einiges schon selbst postulieren, dabei ihrerseits sprechen oder eben einfach nur Geschichten über die Geschichte erzählen; wie beispielsweise eurosport.yahoo.com in einer sechsteiligen Serie über, so betitelte,  DDR-Kultvereine, die den Leserinnen und Lesern von ostfussball.com als kleiner und wie auch immer weiterbildender Lesetipp mitnichten vorenthalten werden soll …

tz-online.de

Faksimile: tz-online.de

BFC Dynamo – (…) Das hätte sich Stasi-Chef Erich Mielke mit Sicherheit nicht träumen lassen. Sein heißgeliebter BFC Dynamo dümpelt 20 Jahre nach der Wende in der 5. Liga herum. Der DDR-Rekordmeister hat aber nicht nur mit diesem Problem zu kämpfen. Finanzielle Schwierigkeiten und gewalttätige Fans kratzen am Image (…)

In den 90er Jahren galten die Anhänger von Dynamo Berlin als die gewalttätigsten der Republik. Gegner und Polizei hatten gleichermaßen Respekt, wenn die brutalen Schläger der Kategorie C bei Auswärtsspielen auftauchten. Dann flogen nicht nur Flaschen, sondern auch Fäuste. Und sportlich sieht es auch nicht besser aus. Mittlerweile spielt der DDR-Rekordmeister ganz, ganz unten in der Oberliga Nordost (Staffel Nord) und wie die Zukunft aussieht, weiß keiner. Geht es irgendwann wieder nach oben? (…) [eurosport.yahoo.com, 3. Oktober 2010]

1. FC Lokomotive Leipzig – (…) Die Stadt, in der die friedliche Revolution 1989 ihren Anfang nahm, war zu DDR-Zeiten eine Sport-Metropole von internationalem Ruf. Dazu beigetragen hat auch der 1. FC Lok Leipzig. Nicht selten pilgerten zu den Europapokalspielen der Messestädter über 70.000 Zuschauer ins monumentale Zentralstadion. Nach der Wende folgte der langsame, aber stetige Abstieg des 1. FC Lok, der mittlerweile als Fünftligist in der Oberliga Nordost sein Dasein fristet (…)

Der 1. FC Lok Leipzig definiert sich bis heute durch die Rivalität mit Sachsen Leipzig, der vor der Wende Chemie Leipzig hieß. Seit den 1960er Jahren wurden die talentiertesten Spieler der Stadt zu Lok delegiert und gefördert. Diejenigen, die den Sprung nicht schafften, traten den “Grün-Weißen” bei – dem populären Verein aus dem Stadtteil Leutzsch (…)

(…) In der letzten Oberliga-Saison 1990/91 reichte es zunächst nur zu Platz sieben und damit gerade noch zum Sprung in die zweite Bundesliga. Hatte man dort in der folgenden Spielzeit knapp den Abstieg verhindert, schafften die Leipziger schon im zweiten Jahr den sensationellen Aufstieg in die Bundesliga unter Trainer Jürgen Sundermann. 38.000 Zuschauer strömten am 6. Juni 1993 ins Zentralstadion und bejubelten dort mit dem 2:0-Sieg über Mainz 05 den Sprung in gesamtdeutsche Eliteklasse. Mittlerweile hieß der Klub aber nicht mehr Lok Leipzig; er hatte im Juni 1991 den Namen des traditionsreichen Vorgängervereins VfB Leipzig angenommen (…) Offensichtliches Symbol des Niedergangs war das baufällige Zentralstadion, das nach dem Krieg für 100.000 Zuschauer erbaut wurde. In den 1990er Jahren musste immer mehr Blöcke aus Sicherheitsgründen gesperrt werden (…)

Vier Jahre nach dem Abstieg spielte der VfB anschließend noch in der Zweiten Liga. Doch der Unterschied zwischen Anspruch und Realität wurde immer größer, und damit auch die Diskrepanz zwischen Ausgaben und Einnahmen (…) Die Folgen waren ein beispielloser Absturz in die Niederungen des Amateurfußballs binnen weniger Jahre und zwei Insolvenzen. Die zweite führte 2004 auf Beschluss der Gläubigerversammlung zur Auflösung des Vereins.

Das Ende des VfB bedeutete die Wiedergeburt des 1. FC Lok Leipzig, der die wirtschaftlichen Altlasten des Vorgängerklubs nicht übernahm. Allerdings musste der neu gegründete Verein seinen Kampf um die sportliche Rehabilitation in der untersten Liga in Angriff nehmen (…) [eurosport.yahoo.com, 10. Oktober 2010]

SG Dynamo Dresden – (…) Trotz Zwangsabstieg, Vorstandschaos, Millionen-Verlusten und 3. Liga – der wohl bekannteste Klub aus der DDR lebt noch. Vor allem Dank seiner vielen Fans, welche die Mannschaft nach der Wende auch in den schwersten Zeiten nie im Stich gelassen haben. Sie waren die Halsschlagader des Vereins. Aber sie waren es auch, die dem Kultklub nicht nur im Westen der Republik einen schlechten Ruf eingebracht haben. Die Hooligan-Szene in Dresden gehört zu den gewalttätigsten in Deutschland und sorgt immer wieder für Ärger. Aber Dynamo ist bemüht, sein angekratztes Image aufzupolieren und den Traditionsverein für die Zukunft aufzustellen (…)

Nach der Wende sorgten Hooligan-Ausschreitungen immer wieder für Ärger. Schlimmster Vorfall war der Spielabbruch gegen Roter Stern Belgrad beim Rückspiel des Europapokals der Landesmeister am 20. März 1991 in Dresden. Schiedsrichter Emilio Sorian Aladren aus Spanien brach die Begegnung in der 78. Minute ab, nachdem Hooligans aus ganz Deutschland die Belgrader Fans mit Leuchtraketen beschossen und Steine auf den Rasen warfen. Das war der Anfang vom Ende eines einstmals glänzenden Images. Bis in die späten 90er Jahre und auch darüber hinaus sorgten Dresdner “Fans” immer wieder für Ärger. Momentan soll es noch etwa 75 Hooligans der “Kategorie C” geben.

Der Verein bemüht sich in den letzten Jahren aber verstärkt, sich deutlich von den Fußball-Hooligans zu distanzieren. Mit dem neuen Stadion hat sich die Situation vorerst entspannt (…) Dresden kann auf seine wahren Fans bauen, die nach der Wiedervereinigung im ganzen Bundesgebiet verstreut sind. Am 9. September 2005 brachten 20.000 angereiste Dynamo-Fans beim Zweitliga-Auswärtsspiel gegen 1860 München die Allianz Arena zum Kochen (…)

Wenn es in den letzten Jahren finanzielle Probleme gab, sprangen immer wieder externe Sponsoren ein, die dem Verein die Lizenz sicherten und neue Spieler ins Team holten. Auch die Stadt hat erkannt, dass Dynamo nicht nur der Stolz des Ostens ist, sondern auch eine Marke mit wirtschaftlichem Potenzial. Unter Trainer Maucksch nehmen die Schwarz-Gelben erstmals nach dem Abstieg vor vier Jahren (…) die Zweite Liga wieder ins Visier (…) Der Klub ist ein “Schlafender Riese”, der in seiner Historie mit all seinen Höhen und Tiefen nicht nur Sympathisanten fasziniert. Für viele Experten gehört Dynamo zurück in die Bundesliga (…) [eurosport.yahoo.com, 17. Oktober 2010]

1. FC Magdeburg – (…) Europapokalsieger. Mit diesem Prädikat dürfen sich nicht nur einige Bundesligisten schmücken, sondern auch der 1. FC Magdeburg. 1974 setzte der FCM die DDR auf die europäische Fußball-Landkarte mit dem sensationellen Sieg im Finale des Pokalsiegerwettbewerbs gegen den AC Mailand. Nach dem Duell in Rotterdam trennten sich die Wege der beiden Finalisten. Während die Italiener nach wie vor regelmäßig um die europäische Krone kämpfen, mussten die Magdeburger mit vielen Problemen kämpfen. Auch die DDR-Staatsmacht legte dem Verein so manchen Stein in den Weg (…)

Mittlerweile sind die Magdeburger wieder viertklassig, und den beiden FCM-Idolen Hoffmann und Streich fehlt der Glauben daran, dass es in absehbarer Zeit mit ihren Nachfolgern entscheidend bergauf geht. “Was momentan sportlich abläuft, ist eine Katastrophe”, kritisiert Streich scharf. Er habe kein Vertrauen mehr in die Vereinsspitze. Etwas positiver sieht Hoffmann die “blau-weiße” Zukunft. Es gehe jetzt darum, “Schritt für Schritt eine Mannschaft zusammenzustellen, die konkurrenzfähig und bezahlbar ist.” (…) [eurosport.yahoo.com, 26. Oktober 2010]

FC Carl Zeiss Jena – (…) Der Traditionsverein aus Thüringen steckt seit drei Jahren in der 3. Liga fest. Der Verein hat schon bessere Zeiten erlebt, doch momentan ist wie bei vielen anderen Ost-Vereinen nur Magerkost angesagt. Dabei war der FCC in den 90er Jahren lange in der Zweiten Liga vertreten. Anfang der 80er stand Carl Zeiss Jena sogar im Europapokalfinale. Diese Zeiten sind aber lange vorbei (…)

Nach der Wiedervereinigung etablierte sich der Traditionsverein immerhin acht Spielzeiten in der Zweiten Liga. Zwischen 1991/92 und 1993/94, 1995/96 und 1997/98 sowie 2006/07 und 2007/08 spielten die Thüringer in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Beste Platzierung war 1995/96 Rang sechs in der 2. Bundesliga als direkter Wiederaufsteiger aus der Regionalliga Nordost. Jena blieb seinem Motto aus DDR-Zeiten treu. Der Verein arbeitete solide im Rahmen seiner Möglichkeiten, war nie insolvent und hatte auch nicht die Hooligan-Problematik wie Dresden oder Rostock.

Jedoch herrschten in der Führungsetage zu oft chaotische Verhältnisse, was den Verein unnötigerweise immer wieder in unruhiges Fahrwasser brachte. Zudem leistete Namensgeber Zeiss nach der Wende keine bis fast keine Zahlungen an den Verein (…)

“Kurz- und mittelfristig sehe ich sowohl Jena als auch Erfurt maximal in der 3. Liga. Die Unterstützung aus der Region ist nicht hoch genug einzuschätzen, und dennoch ist es sehr schwer, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, quasi zwangsläufig die 2. Liga anzupeilen. Wenn es nicht gerade gelingt, so wie zuletzt in Aue, sich mit etwas Glück und Geschick für die Zweite Liga zu qualifizieren. Das Geld vom Fernsehen hat eine unglaubliche Bedeutung. Von der 3. in die 2. Bundesliga steigen die TV-Gelder um das Sechsfache. Das ist ein gewaltiger Sprung, den man schaffen muss”, erklärt Kurbjuweit, der fast sein halbes Leben beim FCC verbracht hat (…) [eurosport.yahoo.com, 31. Oktober 2010]

FC Hansa Rostock – (…) Immer wieder gelang es den Rostockern, Talente zu verpflichten und zu fördern. Mit erfrischendem Fußball eroberte Hansa die Herzen der Fans, nicht nur in der ehemaligen DDR. Doch in den letzten Jahren bekam das Image des liebenswerten Vereins aus dem Rostocker Biotop einige Risse. Nicht nur sportlich häuften sich die Probleme an der Ostseeküste (…)

Der Abstieg war nicht mehr zu vermeiden. 2005 trat Hansa den bitteren Gang in die Zweite Liga an. Der Wiederaufstieg zwei Jahre später sollte nur ein kurzes Strohfeuer sein, denn sofort ging es wieder eine Etage tiefer. Querelen im Vorstand und Gewalttätigkeiten der Rostocker Fan-Szene taten ihr Übriges, um das lange Zeit positive Bild des FC Hansa zu beschmutzen (…)

Im Herbst 2010 ist nun wieder Hoffnung eingekehrt bei Hansa (…) An der Ostsee hat man sich wieder auf die eigenen Stärken besonnnen. Es sind vor allem die jungen Spieler (…), die für frischen Wind sorgen und Hansa schon bald wieder in den Bundesliga-Fußball führen könnten (…) [eurosport.yahoo.com, 8. November 2010]


.

Comment Form

   

Kategorien

 

Mai 2012
M D M D F S S
« Apr    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031