FSV Zwickau: Reise, Reise – wohin …?

Juni 1, 2010 | In: FSV Zwickau, Fußballfans, Oberliga NOFV-Süd, Sachsen - Fußball-Verband, Ultras


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Die Partien auf dem Rasen der Saison 2009/10 sind in der Oberliga NOFV-Süd gespielt. Die sportliche Abschlusstabelle ist allseits bekannt. Aber zumindest für den FSV Zwickau ist die Saison noch nicht zu Ende. Stellt sich doch für die Westsachsen nicht erst seit gestern die nach wie vor insolvenzschwangere Frage (ostfussball.com berichtete wiederholt), in welcher Liga nächstsaisonal gekickt wird, abgesehen vom generell weiteren Bestehen des Zwickauer Vereins. Ein exemplarischer Rückblick auf bezügliche Meldungen der letzten Woche stellt sich aktuell wie folgt dar.

(…) Noch zwei Tage wollen die Verantwortlichen des Fußball-Oberligisten FSV Zwickau nach einer Lösung suchen, die drohende Eröffnung der Insolvenz noch abzuwenden. “Wir werden am Donnerstagabend [27. Mai] zusammen kommen, eine Entscheidung treffen und diese dann am Freitag [28. Mai] bekannt geben”, sagt FSV-Vorstand Gerhard Neef (…)

Bis Freitag [28. Mai] haben sich Neef und Co. einen Maulkorb verpasst. “Wir dürfen nicht über weitere Möglichkeiten der Rettung reden. Das hat der Vorstand so beschlossen”, erklärt Neef. Was ein bisschen nach Kindergarten klingt, ist die Konsequenz aus dem gescheiterten Gespräch von Neef und Insolvenzverwalter Oliver Junghänel mit Sachsens Fußball-Chef Klaus Reichenbach. “Dort wollten wir mit Reichenbach über eine mögliche Übertragung des Spielrechts sprechen. Doch das Thema geisterte schon Tage zuvor durch die Medien. Reichenbach war also auf uns vorbereitet”, so Neef. Der Präsident hatte dem Zwickauer Ansinnen einen Riegel vorgeschoben und das den Zwickauern auch in aller Deutlichkeit gesagt. “Ja. Das hat er. So, wie es in zahlreichen Medien zu lesen war, hat er es uns übermittelt. Wir waren regelrecht schockiert und über die Art und Weise erbost”, so der Vorstand. Um nicht wieder so vor den Kopf gestoßen zu werden, will man im Westsachsenstadion lieber noch 48 Stunden schweigen und dann die Entscheidung präsentieren.

Auch Junghänel wollte sich zu diesem Thema nicht mehr äußern, sondern verwies an Gerhard Neef. “Er ist der einzige, der über den FSV Auskunft geben darf und kann” (…) Neef versprach vor allen den treusten Fans, dass man in den verbleibenden Stunden alles versuchen will, um die Oberliga für den FSV zu halten, um in Liga fünf einen Neuanfang gestalten zu könne. Doch wie, das sagte er nicht. “Ich will nicht über ungelegte Eier sprechen. Nur so viel: Es sind noch nicht alle Kinder in den Brunnen gefallen. Es gibt noch Hoffnung.” . Da Reichenbach die Übertragung des Spielrechtes vom FSV auf den FSV Rot-Weiss Zwickau ablehnte, kann das eigentlich nur heißen, Zwickau ist noch immer auf der Suche nach den Sponsoren, die Großteile des siebenstelligen Finanzloches stopfen. Alles andere würde zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn mehr machen (…) [vogtland-sport.de, 26. Mai]

(…) dem FSV Zwickau drohen immer noch das Insolvenzverfahren und damit das Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz und der Zwangsabstieg (…) [mdr.de, 29. Mai, 19:41]

(…) Der Verein zieht laut MORGENPOST-Informationen den Insolvenzantrag zurück. Mitentscheidend dafür sind eine 200.000-Euro-Bürgschaft der Stadt und ein 450.000-Euro-Darlehen einer städtischen Holding. Heißt: Zwickau spielt weiterhin in der Oberliga! (…) [Morgenpost am Sonntag, 30. Mai]

(…) Wie FSV-Notvorstand Gerhard Neef am Sonntag [30. Mai] vor rund 500 Fans im Westsachsenstadion sagte, wird man dem Insolvenzgericht ein “Konzept zur wirtschaftlichen Konsolidierung vorlegen.” In Gesprächen mit Gläubigern sollen die Schulden in Höhe von rund 700.000 Euro gedrückt und der neue Etat gesichert werden. Das Insolvenzverfahren und der Zwangsabstieg könnten so noch abgewendet werden. “Mit einzelnen Gläubigern haben wir bereit Einigung erzielt, mit allen anderen hoffen wir, uns im Juni einigen zu können” (…)

Weiterhin sagte Neef, dass man von den Fußballverbänden SFV und NOFV positive Signale bekommen habe: “Der Sächsische Fußballverband und sein Präsident Klaus Reichenbach haben so viel Vertrauen in unsere Arbeit, dass sie uns sagen: ‘Wir glauben Euch’. Ich gehe fest davon aus, dass wir in der kommenden Saison in der Oberliga spielen.”

In einem nächsten Termin wird der FSV sein Konzept am Montag [31. Mai] dem NOFV vorstellen. Der Leiter des Spielbetriebs im Nordostdeutschen Fußballverband, Wilfried Riemer, bestätigte (…) den Termin und sagte: “So lange das Insolvenzverfahren nicht eröffnet ist, gehe ich davon aus, dass der FSV in der Oberliga bleibt. Die offizielle Bewerbung für die neue Spielzeit haben die Zwickauer (…) abgegeben.” (…) [mdr.de, 30. Mai, 19:29]

(…) Zumindest nach Einschätzung von Insolvenzverwalter Markus Merbecks wird der FSV Zwickau um ein Insolvenzverfahren nicht drumherum kommen – und damit droht eventuell doch noch der Zwangsabstieg in die Landesliga.

Rechtsanwalt Merbecks wird heute dem Amtsgericht Chemnitz sein Gutachten vorlegen. “Dabei empfehle ich die Eröffnung eines Insolvenzplanverfahrens. Das ist für den Verein die beste Lösung”, glaubt Merbecks. Die positiven Äußerungen des FSV-Vorstandes am Rande der Saisonabschlussparty (…) kann der Fachmann “nicht bestätigen” (…) “Ich kann mich nur an die Fakten halten.” (…)

(…) “Das Gutachten hat ergeben, dass die Gründe, die zum Insolvenzantrag geführt haben, im Laufe des Vorverfahrens auch so festgestellt wurden. An der Höhe der Verbindlichkeiten haben sich von der Antragstellung bis zum jetzigen Zeitpunkt keine wesentlichen Änderungen ergeben. Wenn der Verein aber der Überzeugung ist, die Gründe zu beseitigen, kann er den Antrag selbst noch zurückziehen.” Allerdings gab Merbecks zu bedenken, dass gegen den FSV inzwischen auch Insolvenzanträge von Dritten (…) vorliegen.

FSV-Vorstandssprecher Gerhard Neef bleibt trotz dieser Einschätzung gelassen: “Wenn wir vom Insolvenzrichter die Gelegenheit zu einer Stellungnahme bekommen, werden wir beweisen, dass wir den Verein auch kurzfristig ohne ein Verfahren vollständig entschulden können.” [Dresdner Morgenpost, 1. Juni]

Foto: redkaos.de

Foto: redkaos.de

“(…) Wir bitten alle FSV-Fans Ruhe zu bewahren, den Verantwortlichen im Verein zu vertrauen (…)”, postulierte am 8. März Red Kaos, die Ultra-Gruppierung des FSV Zwickau. Seit dem sind nun fast drei Monate ins westsächsische Land gegangen. Alles wird gut? [om]

(…) Reise, Reise Seemann Reise
Jeder tut’s auf seine Weise (…)

(…) Reise, Reise Seemann Reise
Und die Wellen weinen leise (…)

[Rammstein]


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