DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 3
März 31, 2010 | In: 1. FC Lok Leipzig, 1. FC Magdeburg, 1. FC Union Berlin, Ausschreitungen, BFC Dynamo, Blog-Ostalgie, BSG Chemie Leipzig, BSG Sachsenring Zwickau, BSG Stahl Riesa, BSG Wismut Aue, DDR-Ligen, FC Carl Zeiss Jena, FC Erzgebirge Aue, FC Karl-Marx-Stadt, FC Rot-Weiß Erfurt, FC Vorwärts Frankfurt, Hallescher FC, SG Dynamo Dresden
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An diesem schönen Wochenende im Jahre 1980 wurde zum Osterfest natürlich auch Fußball in der DDR gespielt.
Die Spielergebnisse von 20. Spieltag der DDR-Oberliga 1980
Sa 05.04. 15:00 BSG Stahl Riesa - FC Rot-Weiß Erfurt 1:0
Sa 05.04. 15:00 FC Karl-Marx-Stadt - 1. FC Lokomotive Leipzig 2:2
Sa 05.04. 15:00 Dynamo Dresden - 1. FC Union Berlin 1:0
Sa 05.04. 15:00 Berliner FC Dynamo - FC Carl Zeiss Jena 1:0
Sa 05.04. 15:00 BSG Chemie Leipzig - BSG Sachsenring Zwickau 1:1
Sa 05.04. 15:00 1. FC Magdeburg - Hallescher FC Chemie 2:0
Sa 05.04. 15:00 BSG Wismut Aue - FC Vorwärts Frankfurt 0:3
Tabelle der DDR-Oberliga nach dem 20. Spieltag 1980
1. (1.) Berliner FC Dynamo 20 15 3 2 54:12 +42 33-7
2. (2.) Dynamo Dresden 20 16 1 3 47:16 +31 33-7
3. (3.) Hallescher FC Chemie 20 10 4 6 28:23 +5 24-16
4. (5.) 1. FC Lokomotive Leipzig 20 9 5 6 38:26 +12 23-17
5. (4.) FC Carl Zeiss Jena 20 9 5 6 31:19 +12 23-17
6. (6.) 1. FC Magdeburg 20 9 4 7 30:24 +6 22-18
7. (7.) FC Vorwärts Frankfurt 20 8 6 6 28:30 -2 22-18
8. (8.) BSG Wismut Aue 20 6 4 10 20:30 -10 16-24
9. (10.) BSG Sachsenring Zwickau 20 6 4 10 17:32 -15 16-24
10. (9.) FC Rot-Weiß Erfurt 20 6 3 11 27:27 0 15-25
11. (11.) FC Karl-Marx-Stadt 20 4 6 10 20:32 -12 14-26
12. (14.) BSG Stahl Riesa 20 2 10 8 13:38 -25 14-26
13. (13.) BSG Chemie Leipzig 20 4 5 11 21:47 -26 13-27
14. (12.) 1. FC Union Berlin 20 4 4 12 11:29 -18 12-28

Foto: fc-anhalt-dessau.de
Neben dem traditionellen Eiersuchen an Ostern wurde aber auch wie jedes Fußball-Wochenende in der Deutschen Demokratischen Republik der freundliche Kontakt zum gegnerischen Anhang gesucht. Die staatlichen Organe der Volkspolizei hielten sich im Großen und Ganzen bei dieser Art der Freizeitbeschäftigung der sozialistischen Jugendkultur dezent im Hintergrund und griff nur selten ein. Nur bei gelegentlichen Großereignissen durfte die Bepo (Bereitschaftspolizei) jedoch auch mal ganz gerne ihre Knüppel tanzen lassen. Wurde man erwischt, gab es ein geringes Ordnungsgeld in Höhe von 50 DDR-Mark, nur wirklich selten wurde damals schon ein Stadionverbot ausgesprochen.
Selbst in den Stadien durfte man die sonst ungewohnte Freiheit gänzlich ohne störende Zäune oder Mauern genießen, sozusagen ganz nach den Idealen der FDJ – Hau drauf, freie deutsche Jugend hau drauf (“Bau auf, freie deutsche Jugend bau auf “ – bekanntes FDJ-Lied). So begannen sich Ende der 70iger Jahre überall in den Vereinen straffe und geschlossene Fanszenen und Fanclubs zu bilden. Oftmals tausende Leute brachten damals schon Union und Chemie zu ihren Auswärtsspielen mit, auch nicht ohne waren die Magdeburger. Die allerübelste Sorte kam aber vom HFC Chemie aus Halle-Neustadt, bei dem Anblick dieser Knastis konnte einem schon Angst und Bange werden. Damals sind dort ziemlich dunkle Gestalten mit rumgelaufen, tätowierte Stirnbänder und Lidschatten bei Männern waren im Bau wahrscheinlich der grosse Renner.
Überhaupt schien der sogenannte Asi-Paragraph (“Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch Asoziales Verhalten”) gerade beim Fußball zum guten Umgangston zu gehören. Der Bahnhof in Doberlug-Kirchheim war für viele sportlich-orientierte Reisende damals ein Begriff, denn fast alle Verbindungen mit den Zügen trafen sich irgendwie mitten in dieser Provinzstadt der kommunistischen Pampa. Somit konnte man auch ständig darauf warten und hoffen, dort auf Fans anderer Vereine zu treffen.
Nach gepflegten Schlägereien ging es immer anschließend in den nahegelegenen Konsum (Supermarkt der DDR), um sich mit Gratis-Alkohol für die weitere Zugfahrt ordentlich einzudecken. Jeder, der mal dabei war weiß, wieviel Flaschen Schnaps so unter eine Bison-Jeansjacke passen. Diese Kaufhalle konnte einem schon fast leid tun. Die “Kasse des Vertrauens”, bekannt vom morgendlichen Brötchenklau, rückte bei solchen Massenplünderungen in weite Ferne unter den ganz alltäglichen kriminellen Handlungen der sozialistischen Gesellschaft und Moralansichten. Warum auch, es war doch alles Volkseigentum.
Die Woche darauf gab es in den Stadien- und Programmheften immer eine Ermahnung an die Grundwerte der sozialistische Moral, das war es aber auch schon. In den Tagessendungen des DDR 1-Fernsehens (auf DDR 2 liefen fast nur russische Kriegsfilme) von Aktuelle Kamera oder Sport Aktuell blieben solche Meldungen fast immer außen vor.
So richtig planstabsmäßig organisierte Fankrawalle führten aber erst die Jungs des BFC ein. Während vielerorts das Outfit mit Jesus-Latschen und Studentenkutte völlig “In” war, traten die Befis (BFC) schon mit ersten Bomberjacken und rasierten Köpfen in Erscheinung. Da konnte man auch gleich mal neben den Fanutensilien, wie Schals oder Fahnen, seine komplette Brieftasche als Andenken in der Hauptstadt lassen. Die “Berliner Großschnauzen” schafften es tatsächlich, ganze Stadien mit ihrer Arroganz auf die Palme zu bringen. Jeder wollte diesen Typen unbedingt mal eine richtige aufs Maul hauen, doch sie wussten sich zu wehren. Für viele war es eine herrliche Zeit und obwohl die Stasi immer heimlich präsent war und mitlauschte, stand man doch deutlich weniger unter Kontrolle, als im heutigen sogenannten Rechtsstaat der BRD. [ab]
Die bisherigen Beiträge unserer Reihe DDR-Oberliga vor 30 Jahren können hier gelesen werden:
DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 1
DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 2
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2 Antworten to DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 3
Leipziger Derby Nachbetrachtung by Ostfussball.com
April 6th, 2010 at 10:43
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