Das Insolvenzverfahren des FSV Zwickau im Spiegel der Medien

März 11, 2010 | In: 1. FC Lok Leipzig, FC Erzgebirge Aue, FSV Zwickau, Fußballfans, Oberliga NOFV-Süd, Sachsen - Fußball-Verband, Sachsen - Landespokal, SG Dynamo Dresden, Test- und Freundschaftsspiele, Ultras


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Einen Tag, nach dem Zwickauer Fußball-Anhänger aller Provenienz am 7. März ins Westsachsenstadion zu quasi einem kleinen Volksfest zur Unterstützung des Förderverein FSV Zwickau mobilisiert hatten – unter anderem gab es statt der witterungsbedingt abgesagten NOFV-Oberliga-Süd-Begegnung von FSV Zwickau gegen die zweite Mannschaft der SG Dynamo Dresden ein Freundschaftsspiel zwischen der Zwickauer Ultra-Gruppierung Red Kaos und den Ultras Dynamo (ostfussball.com berichtete) – stellte der FSV Zwickau den Antrag auf Insolvenzverfahren (ostfussball.com berichtete ebenfalls). Hier nun dazu ein auszugsweise reflektierend kleiner Streifzug durch den Online-Wald der (Medien)Informationen. [om]

Foto: Westsachsenstadion, 7. März 2010 (Faksimile: bultras.net)

Foto: Westsachsenstadion, 7. März 2010 (Faksimile: bultras.net)

“[...] Trotz Insolvenzantrag wird die Mannschaft des FSV Zwickau am Sonnabend zum Oberliga-Punktspiel beim FC Lok Leipzig antreten. Das bestätigte der vorläufige Insolvenzverwalter Markus Merbecks [...] Der Rechtsanwalt berichtete von positiven Gesprächen mit der Mannschaft. Das Team um Spielertrainer Khvicha Shubitidze wolle den Spielbetrieb aufrecht erhalten.

‘Das Insolvenzverfahren ist noch nicht eröffnet’, so Merbecks. Momentan befinde sich der Verein im sogenannten Eröffnungsverfahren. Merbecks sortiere jetzt das Vermögen und sondiere die Fortführungsmöglichkeiten für den westsächsischen Traditionsclub.

Mit einer Ablehnung des Verfahrens mangels Masse rechnet er nicht. Wann das Verfahren eröffnet wird, wollte Merbecks aber nicht voraussagen [...]

Dabei ist das Datum der wahrscheinlichen Insolvenzeröffnung für die Oberliga nicht unerheblich. Wird das Verfahren aufgenommen, steht Zwickau laut Spielordnung des Verbandes als Absteiger fest, passiert das bis zum 27. Spieltag, werden darüber hinaus sämtliche Ergebnisse der Zwickauer annulliert [...] (lvz-online.de, 11. März 2010, 12:42 Uhr)

“[...] Schien es in den letzten Tagen so, als könnten beim FSV Zwickau die Lichter für immer ausgehen, keimt nun doch Hoffnung auf eine geordnete Insolvenz und damit das Weiterbestehen des Traditionsvereins. Dabei kommt ausgerechnet dem Erzrivalen Erzgebirge Aue eine Schlüsselrolle zu. Denn sollten die Veilchen das Halbfinale des Landespokals erreichen – und davon ist bei Viertelfinalgegner Einheit Kamenz auszugehen – dann würde eine Partie mit vielen Fans und ergo auch vielen Einnahmen ins Haus stehen. Nun sind für das Westsachsenstadion aber nur 3.900 Zuschauer zugelassen, was den findigen vorläufigen Insolvenzverwalter Merbecks auf eine Idee brachte: ‘Aus wirtschaftlichen Gründen würde es durchaus Sinn machen, das Heimrecht zu drehen, auch wenn das den Zwickau-Fans nicht passen wird. Aber hier geht es um das Überleben des Vereins.’ In Aue, spekuliert Merbecks, würden sicherlich mehr Zuschauer kommen. Das hieße im Umkehrschluss: Mehr Geld für den FSV, da die Einnahmen geteilt werden. Mit diesen Euros in der Tasche könnte dann ein Großteil der Kosten für den Insolvenzverwalter gedeckt werden – die Grundvoraussetzung, um die Insolvenz überhaupt eröffnen zu können [...]

Unterdessen sollen die Spieler des FSV Zwickau erstmals seit Oktober wieder Geld erhalten. Allerdings nicht vom Verein und auch nicht von der Arbeitsagentur. Stattdessen will eine Bank den Kickern ein Darlehen gewähren, wenn ihnen diese im Gegenzug den Anspruch auf späteres Insolvenzgeld gibt. Doch diesem Prozedere muss erst noch die Arbeitsagentur zustimmen. Unterdessen werden immer mehr Zahlen bekannt, welche die dramatische Finanzsituation bei den Zwickauern untermauern. So soll die Summe der ausstehenden Gehaltszahlungen bis Mitte Februar bereits 144.000 Euro betragen haben. Die Berufsgenossenschaft wartet noch auf 41.000 Euro aus dem Vorjahr und 50.000 Euro für das laufende Jahr. Die Krankenkassen AOK und IKK haben noch offene Forderungen in Höhe von 65.000 Euro. Zudem wurden dem Verein für 520.000 Euro private Darlehen und Kredite gewährt – Geld, das wohl keiner der Gläubiger und privaten Geldgeber je wieder sehen wird. In frühestens vier Wochen rechnet Anwalt Merbecks mit der Entscheidung, ob das Insolvenzverfahren eröffnet oder mangels Masse abgelehnt wird. Welche Variante er favorisiert, ist klar: ‘Wir eröffnen die Insolvenz, Zwickau steigt in die Landesliga ab und fusioniert dort zum Beispiel mit dem SV Motor Zwickau Süd.’ [...]” (mdr.de, 10. März 2010, 19:52 Uhr)

“Nach Auswertung aller Geldeingänge, sowohl durch Sammlungen am Rande des sonntäglichen Freundschaftsspieles zwischen Red Kaos 1997 und den Ultras Dynamo, als auch durch Überweisungen auf das Konto des Fördervereins, können wir voller Stolz eine Summe von 15.800 Euro bekannt geben. An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an alle Unterstützer. Trotz der aktuell schweren Phase können wir durch diese unerwartet hohe Bereitschaft an Engagement mit viel Zuversicht auf die kommenden Wochen blicken [...]

Die Bereitschaft zur Mithilfe, egal ob durch Sach-, Geldspenden oder durch persönlichen Einsatz, hat nicht nur uns gezeigt, wozu die Fans des FSV Zwickau in der Lage sind. Jetzt gilt es weiterhin positive Signale zu senden und der Aussenwelt zu zeigen, dass der FSV Zwickau mehr denn je lebt [...]” (Red Kaos, 10. März 2010)

“[...] Sollte das Insolvenzverfahren eröffnet werden, ist der FSV Zwickau definitiv erster Absteiger. Das schreibt § 6 der NOFV-Spielordnung vor. Wird das Verfahren vor dem 27. Spieltag eröffnet, werden alle bisherigen FSV-Partien annulliert. Danach bleiben die Ergebnisse bestehen und werden die noch nicht ausgetragenen Partien mit 0:2 gewertet. Ähnlich sieht es aus, wenn der Insolvenzverwalter mangels Masse kein Insolvenzverfahren aufnimmt. In diesem Falle würde der FSV aus dem Vereinsregister gelöscht werden [...]” (mdr.de, 9. März 2010, 18:02 Uhr)

“Spenden gegen die Insolvenz” [Interview mit Red Kaos] (stadionwelt.de, 9. März 2010)

“[...] Die ausstehenden Löhne hatten sich bis Mitte Februar auf 144.000 Euro summiert, las FSV-Mitglied Thomas Pfefferkorn, Vorsitzender des Fußball-Kreisverbandes, aus der Bilanz, die vor der Mitgliederversammlung auslag. Fritz Binder, der als Vorstand nur zum Zwecke des Insolvenzantrages eingesetzt wurde, bestätigte, dass seit Monaten keine Löhne gezahlt worden seien. Insgesamt stehen auf der FSV-Gehaltsliste 24 Spieler und sieben weitere Arbeitskräfte [...]

In frühestens vier Wochen rechnet Anwalt Merbecks mit der Entscheidung, ob das Insolvenzverfahren eröffnet oder mangels Masse abgelehnt wird. In jedem Falle sei ein Notvorstand dringend nötig, den das Amtsgericht voraussichtlich am Donnerstag [11. März] einsetzt. Vier Zwickauer hätten sich dafür bereiterklärt, sagt Merbecks [...]” (freiepresse.de, 9. März 2010)

“[...] Paragraf 6 der Spielordnung des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) besagt: ‘Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist die spielklassenhöchste Mannschaft des Vereins sofortiger Absteiger.’ Entscheidend ist damit die Frage, wann (und ob überhaupt) das Insolvenzverfahren eröffnet wird. ‘Unser Ziel ist, dass alle Punktspiele wie geplant ausgetragen werden. In der Regel nehmen wir mit dem Insolvenzverwalter Kontakt auf und fragen an, ob das Insolvenzverfahren erst nach dem letzten Meisterschaftsspiel eröffnet werden kann’, erklärte NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs. Dann könnte der FSV die Saison ganz normal zu Ende spielen und die Ergebnisse würden nicht annulliert. ‘Der Insolvenzverwalter wird in der Regel versuchen, den Verein zu retten. Und das ist nur bei laufendem Spielbetrieb und den damit verbundenen Sponsoren- und Zuschauereinnahmen möglich’, ergänzte Fuchs [...]

Der Verwaltungsrat hat betont, dass der Spielbetrieb aufrechterhalten werden soll. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Spieler, die zum Teil seit Oktober auf ihre Gehälter warten, tatsächlich gewillt sind, weiterhin für Zwickau die Kastanien aus dem Feuer zu holen [...] Wie es für die Kicker finanziell weitergeht, das will die Spielergewerkschaft VdV, die 15 FSV-Spieler vertritt, in den kommenden Tagen mit dem Insolvenzverwalter besprechen [...] Auf den Landespokal hat ein Insolvenzverfahren im übrigen keinen Einfluss. Selbst bei einem Zwangsabstieg aus der Oberliga könnte der FSV Zwickau theoretisch Pokalsieger werden, teilte der Sächsische Fußball-Verband (SFV) mit [...]” (freiepresse.de, 8. März 2010)

“[...] Der heute eingereichte Insolvenzantrag stellt für uns, sowie für die Vereinsführung die einzig sinnvolle Möglichkeit für ein erfolgreiches Weiterbestehen des FSV Zwickau dar. Hierbei möchten wir darauf hinweisen, in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen alles dafür zu tun, die Rückrunde der laufenden Saison für alle so attraktiv wie möglich zu gestalten. Wir bitten alle FSV-Fans Ruhe zu bewahren, den Verantwortlichen im Verein zu vertrauen [...]” (Red Kaos, 8. März 2010)


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6 Antworten to Das Insolvenzverfahren des FSV Zwickau im Spiegel der Medien

admin

März 11th, 2010 at 17:39

Jede Menge Infos, kaum gute Nachrichten. Der FSV ist Pleite und wird spätestens zum Ende der Saison nicht mehr in der Oberliga zu finden sein. Wieder ein Traditionsverein, der im Osten krachen geht. Langsam sollte endlich über eine gesamt-ostdeutsche Strategie nachgedacht werden. Unter den alten Strukturen mit Führung durch den DFB wird es sicherlich über kurz oder lang keine bessere Zukunft mehr in unserer Region geben.

Sebastian

März 12th, 2010 at 00:27

Die “Strukturänderung” ist doch schon eingeleitet. Auch wenn das Thema RB Leipzig nervt. Dieser “Verein” wird zum Leuchtturm des Ostens aufgemotzt und ist damit der Vorläufer neben Hoffenheim für einen völlig durchkommerzialisierten Fußball. Fehlt nur noch, das auch nur eine der Regeländerungs – Schnapsideen des Herrn van Gaal von Bayern München früher oder später in die Realität umgesetzt werden, dann gehe ich und wohl auch viele Andere nicht mehr zum Fußball. Dann kick ich lieber selber mit meinen Kumpels nach alten Regeln um ne Kiste Bier, aber diesen Eventschrott werde ich mir dann nicht mehr geben. VW Wolfsburg gegen RB Leipzig im Krombacher DFB Pokalfinale. Entscheidung im “Gladiatorenkampf.” Die Idee ist so krank, wie die geldgeilen Hirne aus dem die stammen. Das braucht kein Mensch. Doch ich befürchte es wird nicht mehr lange dauern. Die “Dummen” wollen Event, Bespaßung ohne nachzudenken, Brot und Spiele. Wenn ich z.B. den aufgeblähten FIFA Werbeapperat im Zuge der WM sehe, dann wundert mich bald gar nichts mehr. Höher, weiter, schneller besser, teurer. Champagnerfußball für die oberen 100.000, ohne Atmospäre oder emotionen, so sieht die Zukunft dieser großen Sportart aus. Hoffentlich stürzt dieses Kartenhaus irgendwann mal zusammen. Ob Mensch es selbst noch erleben wird ist dabei die große Frage.
Was das mit der Insolvenz von Zwickau zu tun hat. Ganz einfach. In 10 Jahren kann man so manchen alten Vereinsnamen nur noch in alten Büchern nachlesen, zusammen mit alten Regularien und den Erinnerungen an die Zeit vor der großen Arroganz und Geldgeilheit.

admin

März 12th, 2010 at 07:49

Die Strukturänderung, oder besser gesagt eine Strategieänderung ist längst fällig. Sie sollte jedoch von innen und nicht von außen erzeugt werden! Neben Red Bull sollte unbedingt nach funktionierenden Alternativen gesucht werden, die den Spielbetrieb hier im Osten aufrecht erhalten können. Die Gründung eines eigenen Verbandes sowie einer eigenen Liga (vielleicht auch zwei) sind dabei keine neuen Ideen, sondern geistern schon einige Zeit durch die Köpfe verschiedener Leute hier im Osten. Eine Abspaltung von den alten Strukturen ist dabei wichtigste Vorraussetzung, zum NOFV habe ich dabei momentan sehr wenig Vertrauen, obwohl es durchaus möglich sein könnte. Das Potenzial so einer einer eigenen Ostliga wäre schon beachtlich, regelmässig volle Stadien bei Immer-Ostderbys wären ein Garant auch endlich finanzkräftige Sponsoren an Land zu ziehen. Die Wirtschaftlichkeit der Ostvereine wäre deutlich höher und die Aussichten im Vergleich zum jetzigen Modell phantastisch!
Solange aber nichts passiert, werden immer mehr Vereine in den unteren Ligen gegen Kleinkleckersdorf spielen müssen, heute Zwickau morgen vielleicht schon Dresden. Und gerade die Leipziger Vereine können ja darüber schon mehere Lieder singen. Vielleicht greife ich das Thema auch mal in einem eigenem Beitrag hier auf Ostfussball auf.

  Eigene Ostliga-Rettung der Tradition? by Ostfussball.com

März 12th, 2010 at 09:26

[...] auf das Thema: Das Insolvenzverfahren des FSV Zwickau im Spiegel der Medien ist der Gedanke zu einem etwas futuristischen Resümee  der Rettung des täglich sterbenden [...]

  Angst vor Ultras: Lok Leipzig vs. FSV Zwickau abgesagt by Ostfussball.com

März 12th, 2010 at 13:45

[...] ist relativ kurzfristig abgesagt worden. Trotz des Insolvenzantrages des FSV Zwickau (ostfussball.com berichtete) war die westsächsische Mannschaft gewillt, zum Oberliga-Punktspiel beim 1. FC Lok [...]

Zwickauer

März 22nd, 2010 at 09:54

und trotzdem sind noch nichmal alle wm karten verkauft…wie lächerlich..ist sowieso ein *EVENT* geworden für mittelständige unternehemer und solchen in der preisklasse von denen bestimmt die hälfte noch ein extra plus konto in der schweiz besitzen..;)

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