Anzeige durch Fangemeinschaft: Justizfall Rudolf-Harbig-Stadion

August 14, 2010 | In: Fußballfans, SG Dynamo Dresden, Stadion-Infos, Ultras


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Bereits seit gut einem Jahr formiert sich in der sächsischen Landeshauptstadt das Aufbegehren von Teilen der Anhängerschaft der SG Dynamo Dresden (SGD) gegen die strikte Sektorentrennung durch metallene Rollzäune bei Auftritten der SGD im heimischen Rudolf-Harbig-Stadion (RHS). Vor wenigen Tagen, am 6. August, mündete der Widerstreit nunmehr in einem Aufruf der Fangemeinschaft Dynamo unter der Überschrift “Dynamofans aller Sektoren, vereinigt euch! Die Mauer muss weg!” (Fundstück, ostfussball.com). Seit dem wird diese Aktion der Fangemeinschaft beispielsweise im Forum auf der offiziellen Homepage der SGD durchaus konträr mehr oder weniger gehaltvoll diskutiert.

Foto: Im RHS am 7. August 2010 (Faksimile: ultras-dynamo.de)

Im RHS am 7. August 2010 (Faksimile: ultras-dynamo.de)

Mittlerweile hat die Fangemeinschaft Dynamo bezüglich besagter Thematik quasi nachgelegt und nunmehr am 9. August “im Zusammenhang mit der praktizierten Trennung der einzelnen Sektoren im Rudolf-Harbig-Stadion Strafanzeige gegen unbekannt gestellt”. “Dabei”, so die Fangemeinschaft in einer Pressemitteilung, “geht es nicht nur um das eingeschränkte Stadionerlebnis für die Zuschauer, sondern vor allem um deren Sicherheit”.

(…) Im Zusammenhang mit den erschütternden Ereignissen am 24. Juli 2010 in Duisburg und dem Spiel der U-20- Frauen WM, das einen Tag später im Rudolf-Harbig-Stadion stattgefunden hatte, stellen sich mehrere Fragen, die nun durch die Staatsanwaltschaft geklärt werden sollen. Zum einen konnten wir in Duisburg beobachten, zu welch verheerenden Folgen die Kanalisierung von größeren Menschenmengen durch einen einzelnen Zugang führen kann, zum anderen wurde einen Tag später im Rudolf-Harbig-Stadion komplett auf die Sektorentrennung verzichtet. Da zu diesem Länderspiel deutlich mehr als 20.000 Zuschauer anwesend waren, wurde die Begründung für die Sektorentrennung ad absurdum geführt. Konnte man am 25. Juli noch davon ausgehen, dass die Öffnung der Sektorenbegrenzung eine erste Reaktion auf die Ereignisse des Vorabends waren, musste bereits während des Spiels gegen Carl-Zeiss Jena festgestellt werden, dass die Begrenzungen erneut geschlossen waren. Es ist davon auszugehen, dass entweder zum Länderspiel, oder aber beim Punktspiel gegen Jena durch die völlig unterschiedlichen Entscheidungen eine Gefahr für die Zuschauer im Evakuierungsfall bestanden hat. Da diese mindestens billigend in Kauf genommen wurde, hat sich die Fangemeinschaft Dynamo entschlossen, Strafanzeige gegen unbekannt zu stellen. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass die Staatsanwaltschaft gegen alle Verantwortlichen ermittelt und innerhalb des Verfahrens feststellt, dass eine Evakuierung im Ernstfall nicht wie in Duisburg durch einen einzigen Zugang, sondern zur Vermeidung einer Panik durch mehrere alternative Fluchtwege ermöglicht werden muss (…) [Fangemeinschaft Dynamo, 11. August 2010]

Wie aktuell die Sächsische Zeitung berichtet, geht es dem Vorsitzenden der Fangemeinschaft, Florian Schnier, dabei auch darum, “dass man nicht so eingeengt ist und im Ernstfall womöglich einen guten Fluchtweg hat”, speziell um die Sektorentrennung durch die kritisierten Rolltore im Bereich außerhalb der Zuschauerränge. “Dort also, wo sich vor allem in der Pause und vor dem Spiel die Anhänger aufhalten, um Bier zu trinken oder die Toiletten aufzusuchen. Vor allem hinter der Stehplatzgeraden in Richtung Arnhold-Bad, dem (…) K-Block, herrscht Schnier zufolge häufig Gedränge”. Zudem, so Schnier weiter, gehöre es “doch zur Fankultur, dass man sich auch mit Zuschauern aus anderen Stadionbereichen austauscht und gemeinsam etwas trinkt”.

Enrico Bach, Pressesprecher der SGD, verwies nachfolgend dahingehend auf die Statuten des DFB. Dort wären in Paragraf neun die Sicherheitsrichtlinien für Bundesspiele festgelegt, nach denen Zuschauerbereiche in mindestens vier getrennte Sektoren zu unterteilen seien. Darüber hinaus gehe das vom Verein, Polizei und der Stadionprojektgesellschaft ausgearbeitete Sicherheitskonzept ebenfalls von getrennten Sektoren aus. Rathaus-Sprecher Kai Schulz wiederum erklärte: “Duisburg kann kein Argument sein” (Sächsische Zeitung, 14. August 2010).

In welchem Zeitraum die Staatsanwaltschaft die Anzeige der Fangemeinschaft Dynamo prüfen wird, ist derzeit seriös nicht vorhersehbar. Derweil kursiert in der Dresdner Fan-Szene die leise Hoffnung, “dass das Verfahren Klarheit zu den Zäunen bringt” und die trennenden Rollgitter – “mit Ausnahme der Abgrenzung zum Gästeblock” – letztendlich hochgezogen werden müssen; dann etwa auch mit bundesweiten Nachwirkungen?

[om]


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